Mountainbike-Orienteering

Der unbezahlte Profi: Adrian Jäggi räumte an der Junionen-WM ab

Adrian Jäggi bei seiner Fahrt zum Weltmeistertitel auf der Mitteldistanz.

Adrian Jäggi bei seiner Fahrt zum Weltmeistertitel auf der Mitteldistanz.

Adrian Jäggi räumte an seiner letzten Junioren-Weltmeisterschaft im Mountainbike-Orienteering ab. Was das Kartenlesen angeht will er sich noch verbessern.

Grosse Ehre für Adrian Jäggi. Gestern Abend wurde der 20-Jährige in seinem Wohnort Lohn-Ammannsegg für seine sportlichen Leistungen in diesem Jahr abgefeiert. An der Junioren-WM im August räumte der gelernte Elektroniker gleich einen ganzen Medaillensatz ab. In der grösstenteils noch unbekannten Sportart Bike-Orientierungslauf. Die internationale Bezeichnung ist Mountainbike-Orienteering.

«Ein Bike-OL läuft wie ein normaler Orientierungslauf ab. Statt zu Fuss ist man einfach auf einem Bike unterwegs, das mit einem Kartenhalter ausgerüstet ist», erklärt Jäggi. Während eines Wettkampfs müssen alle auf der Karte eingezeichneten Posten in der richtigen Reihenfolge angefahren werden.

«Es ist jedes Mal eine neue Herausforderung in einem oft unbekannten Gelände», erklärt Jäggi. Dank seiner Eltern kam er bereits mit sechs Jahren zum OL-Sport. «Biken macht viel mehr Spass als Laufen. Und es schont meine Knie und Achillessehnen», begründet er seinen Wechsel zum Bike-OL.

Erstes Rennen, erster Titel

Mit knapp 14 Jahren nahm er an seinem ersten Wettkampf teil. Nicht irgendein Rennen, sondern gleich die Schweizer Meisterschaften suchte er sich für seine Premiere aus. Eine gute Wahl, denn Jäggi holte auf Anhieb den Meistertitel in der U14-Kategorie.

«Das war der Moment, als es mir richtig den Ärmel reingenommen hat», blickt er zurück. Den nächsten wichtigen Schritt machte er bei seiner zweiten Junioren-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren mit dem Gewinn der Goldmedaille.

Die WM 2016 in Portugal bezeichnet er denn auch als «Türöffner für den weiteren Weg». Weil er realisierte, dass auch international einiges drinliegt. Im vergangenen Jahr kamen zwei EM- und eine WM-Medaille dazu. Bevor er an der Weltmeisterschaft in Österreich vor zwei Wochen so richtig durchstartete, erlebte er im Juni an der EM in Ungarn noch «die schlechteste Wettkampf-Woche der Karriere».

Ein platter Reifen im ersten, ein verlorener Chip im zweiten und unnötige Fehler im dritten Rennen − Jäggi ging für einmal leer aus. Dafür trumpfte er an der WM so richtig auf: Bronze mit der Staffel, Silber im Massenstart-Rennen und Gold auf der Mitteldistanz.

«Das waren unvergessliche Erlebnisse. Ich wusste manchmal gar nicht, wie mir geschieht», blickt Jäggi zurück. «Es wurmt mich aber noch ein wenig, dass es im Langdistanz-Rennen, meiner Lieblingsdisziplin, nicht für einen Podestplatz reichte.»

Wechsel zur Elite

Aufgrund des Trainingsaufwands fühlt sich Adrian Jäggi gelegentlich wie ein «unbezahlter Profi». Im Sommer trainiert er wöchentlich bis zu 20 Stunden, im Schnitt kommt er auf 12 bis 14 Stunden. Im Winter gar noch mehr.

In der kalten Jahreszeit ist er auch mal auf den Langlauf-Ski unterwegs, joggt und besucht vermehrt den Kraftraum, während sich im Sommer praktisch sein ganzes Trainingsprogramm auf dem Bike abspielt. «Ich bin gerne sechs oder sogar acht Stunden am Stück auf dem Bike», sagt Jäggi.

Mit dem Wechsel in die Elite-Kategorie steht für ihn auf die kommende Saison ein grosser Schritt an. Er bestritt allerdings schon im Junioren-Alter Weltcup-Rennen bei der Elite. Seine bisher beste Klassierung ist ein 27. Platz. Diesen will er am Weltcup-Final in zwei Wochen in Portugal unterbieten: «Mein Ziel ist ein Platz unter den besten zwanzig Fahrern.»

Adrian Jäggi weiss: «Ich muss mich physisch noch entwickeln und Erfahrungen sammeln, was das Kartenlesen angeht. In fünf Jahren sollte es aber reichen für die Medaillen-Plätze.»

Adrian Jäggi weiss: «Ich muss mich physisch noch entwickeln und Erfahrungen sammeln, was das Kartenlesen angeht. In fünf Jahren sollte es aber reichen für die Medaillen-Plätze.»

Er ist sich aber bewusst, dass er noch Zeit braucht, um bei der Elite Fuss zu fassen. «Ich muss mich physisch sicher noch weiterentwickeln und zusätzliche Erfahrungen sammeln, was das Kartenlesen angeht. In fünf Jahren sollte es aber eigentlich reichen für die Medaillen-Plätze.»

Obwohl der Bike-OL hierzulande eine Randsportart ist, will sich Jäggi nicht über fehlende Unterstützung beklagen. «Der Verband schaut gut zu uns», sagt er. Am meisten profitierte er in den letzten Jahren von den Erfolgsbeiträgen des Sportfonds des Kantons Solothurn. Mit Velo-Art Grenchen und Biberoptik kann er sich zudem auf langjährige Sponsoren verlassen.

Die Feierlichkeiten gestern Abend in Lohn-Ammannsegg wollte Jäggi nicht einfach nur dafür nutzen, seine Medaillen zu präsentieren. «Es ist eine gute Möglichkeit, den Sport bekannter zu machen und neue Sponsoren ins Boot zu holen.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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