Curling
Der Traum vom Proficurling mit unerwartetem Gegenwind

Die 19-jährige Psychologiestudentin Lisa Gisler will Proficurlerin werden. Nach einer durchzogenen Saison steht sie nun aber vor einer ungewissen Zukunft, denn ihr Team Biel-Solothurn hat sich aufgelöst.

Fabio Baranzini
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Das Biberister Curlingtalent Lisa Gisler steht vor richtungsweisenden Wochen.

Das Biberister Curlingtalent Lisa Gisler steht vor richtungsweisenden Wochen.

Fabio Baranzini

Dabei hatte die abgelaufene Spielzeit mit einem Paukenschlag begonnen. Das Juniorenteam von Biel-Solothurn um Skip Michelle Gribi überraschte am Women’s Master in Basel - einem internationalen Eliteturnier - mit dem fünften Rang. «Das war ein Highlight, denn wir hatten mit einer Platzierung im hinteren Drittel des Feldes gerechnet», so Lisa Gisler, die in Basel ihren ersten internationalen Einsatz bei der Elite bestritt.

Als Lohn für die gute Leistung durfte das Team im Dezember an einem internationalen Eliteturnier in China teilnehmen - die bislang weiteste Reise für die jungen Curlerinnen. «Wir waren eineinhalb Tage unterwegs, aber es war eine gute Erfahrung. Die Chinesen haben das Turnier sehr gross aufgezogen.

Wie bei einer WM gab es eine Eröffnungs- und Schlusszeremonie und die Spiele wurden im nationalen Fernsehen übertragen», sagt Gisler. Sportlich konnten die vier jungen Frauen nicht ganz an den Exploit von Basel anknüpfen, zeigten mit dem achten Schlussrang aber erneut eine ansprechende Leistung.

Heim-WM verpasst

Die guten Ergebnisse bei der Elite täuschen jedoch über die ernüchternde Bilanz in der nationalen Juniorenmeisterschaft hinweg. Lisa Gisler, die Jugend Olympiasiegerin von 2012, die gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen von Biel-Solothurn als Titelverteidigerin startete, konnte ihren Triumph aus dem Vorjahr nicht bestätigen. «Wir konnten unsere Leistung schlicht nicht abrufen und kassierten einige unnötige Niederlagen. Der dritte Schlussrang ist für uns eine Riesenenttäuschung, denn so haben wir die Teilnahme an der Heim-WM in Flims verpasst», findet Lisa Gisler klare Worte.

Neben dem Frust über das Abschneiden an der Junioren-SM kristallisierten sich im Laufe der Saison innerhalb des Teams unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft heraus. Während Gisler und Gribi gerne noch mehr in den Sport investieren möchten, liegt dies für die übrigen Teammitglieder aus beruflichen und schulischen Gründen nicht drin. «So war schnell klar, dass wir das Team nach zwei Jahren auflösen», sagt Gisler.

Schwierige Suche

Wo die 19-jährige Psychologiestudentin nächstes Jahr spielen wird, weiss sie noch nicht. Gemeinsam mit Michelle Gribi sucht sie zwei motivierte Teamkolleginnen, um ein Elite-Frauenteam zu gründen. Ein schwieriges Unterfangen. «Es gibt in der Schweiz nur etwa sieben Frauenteams und entsprechend wenige Spielerinnen. Im schlimmsten Fall kann es also sein, dass wir für nächste Saison kein Team finden», blickt die gebürtige Biberisterin voraus. Noch bleibt allerdings Zeit, um das «worst case»-Szenario abzuwenden. Die Teams müssen erst im Sommer gemeldet werden.

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