Er ist erst 21 Jahre jung, hat eben erst die Sportkanti in Aarau abgeschlossen, betreibt nun ein Fernstudium für Sportmanagement an der IST-Hochschule Düsseldorf und hat grosse Ziele für seine Zukunft. Leon Dervisaj aus Unterentfelden spielt als erster Passeur beim NLA-Team von Volley Schönenwerd und möchte einmal in einer europäischen Topliga wie Italien, Polen oder Deutschland seine Brötchen verdienen.

In dieser Saison hat Dervisaj eine neue Rolle in seinem Team übernommen, denn die letztjährige Nummer eins am Pass, Sébastien Chevallier, ist zurückgetreten. Nun setzt das Team auf den jungen Deutsch-Kosovaren.

«Es ist für mich eine schöne Sache und ich bin sehr dankbar, dass die Vereinsführung und das Team an mich glauben», sagt er zu seiner neuen Rolle. Der Druck auf ihn steigt mit dieser neuen Möglichkeit nicht. «Man kann sich nur selber Druck machen. Ich weiss, was ich kann, und werde das auch zeigen.»

Die Chance nutzen

Für den selbstbewussten Sportmanagement-Studenten gilt es nun, die Chance zu nutzen. «Seit ich vor vier Jahren in die NLA gekommen bin, habe ich auf diesen Moment gewartet. Ich habe immer dafür gekämpft. Jetzt fängt der Ernst des Lebens erst richtig an.»

Leon Dervisaj (mitte) ist nun 1. Passeur bei Volley Schönenwerd

Leon Dervisaj (mitte) ist nun 1. Passeur bei Volley Schönenwerd

Ziemlich ehrgeizige Ziele für einen Spieler, der erst mit 14 zum Sport gefunden hat. Und das nur mehr oder weniger freiwillig. Seine Mutter hat ihn dazu bewegt, mit seinem Vater, der Volleyball-Trainer ist, mitzugehen. «Sie hat mir gesagt, ich soll mit meinem Vater mitgehen und nicht mehr nur zu Hause rumchillen.»

Die ersten Trainings haben ihm nicht wirklich gefallen, es war alles sehr auf die Technik versiert. Mit der Zeit aber stieg seine Begeisterung und er hat ein Talent in sich entdeckt. Nun will er ganz gross hinauskommen.

Traumziel europäische Topligen

Sein Fernstudium ermöglicht es ihm, jedes Training zu besuchen und sich so auf den Sport zu konzentrieren, wie es die Profis in seinem Team tun. Die Vorlesungen kann er online abrufen und sich so seinen Stoff selber erarbeiten, seine Prüfungen schreibt er in Weil am Rhein (Deutsche Grenzstadt bei Basel, Anm. d. Red.).

Alle acht bis neun Trainingseinheiten in der Woche macht er mit, sowie die Spiele an den Wochenenden. Natürlich muss er etwas leisten, um später einmal für die deutsche Nationalmannschaft aufzulaufen und in einer Topliga wie Italien, Polen oder Deutschland zu spielen.

Auch seinen Vater, Bujar Dervisaj, kennt man in der Volleyball-Szene

Auch seinen Vater, Bujar Dervisaj, kennt man in der Volleyball-Szene

«Es wäre ein absoluter Traum für mich, für Deutschland zu spielen. Ich gebe alles, um es zu schaffen.» Dervisaj hat auch schon ein Angebot von der Schweizer Nationalmannschaft bekommen, das er aber dankend angelehnt hat. Wieso er nicht für die Schweiz spielen will?

Dervisaj, dessen Eltern aus dem Kosovo stammen, ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, bis er zwölf Jahre alt war. Seit seiner Geburt besitzt er die deutsche Staatsangehörigkeit und fühlt sich auch als Deutscher. Würde er nun für die Schweizer Nationalmannschaft auflaufen, wäre die Option für die deutsche Auswahl weg. «Ich bin der Schweiz unglaublich dankbar für das Angebot. Aber ich fühle mich als Deutscher und möchte auch Deutschland auf dem Feld vertreten.»

Zuerst kommt die Schweiz

Zuerst muss er sich aber in der Schweiz beweisen. Mit seinem Klub will er bis in die Finalspiele der Playoffs kommen, die Saison mindestens in den Top 3 beenden. Die Saison hat für die Schönenwerder gut begonnen. Drei von vier Spielen konnten sie gewinnen und hausieren bislang auf dem dritten Tabellenplatz. «Das heisst bis jetzt noch gar nichts, es warten noch viele Runden auf uns, die Saison hat gerade erst begonnen», so Dervisaj zur aktuellen Tabellenposition.

Er strebt neben der Meisterschaft auch im Cup hohe Ziele an. Er möchte den Final erreichen. «Beim Cup hast du so viele Zuschauer, es geht in jedem Spiel um alles oder nichts. Das Gefühl ist einfach grossartig.» Vielleicht gelingt ihnen ja das Double. Dervisaj zeigt sich, auch wenn nicht ganz ernst gemeint, optimistisch. «Dann sehen wir uns Ende Saison wieder, wenn wir Meister und Cupsieger sind», verabschiedet er sich mit einem Lächeln auf den Lippen.