Die Szene nach gut 25 Minuten im Klassiker der 1.-Liga-Classic zwischen dem FC Münsingen und dem FC Grenchen ist bezeichnend. FCG-Keeper Dilsiz legt sich den Ball zum Abstoss bereit und hätschelt und täschelt die Kugel, als ob sie ein neugeborenes Büsi wäre. «Ich muss Zeit spielen, damit wir nicht noch mehr Tore kassieren.» «Das tönt aber resignierend», meint darauf ein Münsingen-Fan just hinter dem Kasten.

Unruhen vorbei

Von Resignation mag FCG-Coach Patrick Bösch jedoch nichts wissen, obwohl es nach dem 0:9 in Zug und dem 1:10 zu Hause gegen Wangen diesmal ein 1:7 gegen Münsingen absetzte: «Nein, gar nicht, gar nicht», block Bösch jedwelchen Verdacht auf Zerfallserscheinung ab. «Die Unruhen sind definitiv vorbei beim FC Grenchen und es ziehen jetzt alle am gleichen Strick – die Spieler wissen das.» Das sei in dem Sinn durchaus Motivation, um gegenwärtig «Dreck zu fressen.»

Der seit einer Woche im Amt befindliche Grenchen Coach gibt unumwunden zu, dass die 13-Mann-Truppe inklusive Ersatzgoali, die in Münsingen auflief, weder taktisch noch technisch noch, und das primär, konditionell 1.-Liga-tauglich gewesen sei. Der Coach spricht in dem Sinn nicht von einer Baustelle, sondern einer ganzen «Reihenhaus-Siedlung» im Bau. Aber: «Wir arbeiten hart und gegenüber dem Spiel gegen Wangen waren durchaus schon Fortschritte zu erkennen», meint Grenchens Coach.

Ein Dutzend Neue

Bereits im nächsten Spiel darf der Traditionsverein auf zumindest fünf neue Kicker bauen. Alle allerdings ohne Erstliga-Erfahrung. Total hat man in der der heute zu Ende gehenden Transferperiode rund ein Dutzend Neue engagiert. Darunter auch einen «Topftransfer», wie Bösch mit strahlendem Gesicht festhält. Ein ehemaliger U-Spieler aus Thun sei es.

Trotzdem könne man nicht mit dem Geld rumwerfen. «Wir haben ein Budget und das muss strikt eingehalten werden.» Insofern ruft Bösch auf: «Talentierte junge Spieler können sich jederzeit bei uns melden – bei uns bekommen sie vielleicht die Chancen 1. Liga zu spielen, die sie anderswo nie kriegen würden.»

Nach dem 0:3 war Ende

Die Partie gegen Münsingen war spätestens nach dem 0:3 aus Sicht der Gäste entschieden. Dann, als Gasser nach pfannenfertiger Vorlage vor dem FCG-Tor nur noch einzuschieben brauchte. Es war bereits Gassers zweiter Treffer nach gespielten 25 Minuten. Dieses dritte Münsinger Goal fiel just in einer Phase, während der der FCG, trotz kapitalem Fehlstart, gut mitgehalten hatte. Schon nach 99 Sekunden lagen die Gäste 0:1, nach viereinhalb Minuten mit 0:2 zurück. Als dann aber Lavorato in der 11. Minute einen Penalty an den Pfosten panierte, stieg der Moralpegel der Solothurner.

Ziel Ligarhalt

Die Gäste legten mehr physische Präsenz an den Tag und liessen den Ball besser laufen. Der Anschlusstreffer zum 1:2 wäre insofern nicht unverdient gewesen. Dann aber war es eben ein Konter, der den Gastgeber Tor drei und damit den Sieg sicherte. Trotz der Pleiten-, Pech- und Pannen-Serie streicht FCG-Coach Patrick Bösch nicht nur vis-à-vis der Mannschaft derzeit stets das Positive raus und sagt: «Wir sind noch weit vom Abstieg entfernt.» Und der Ligaerhalt ist ja schliesslich das Ziel.