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Der Tag X ist gekommen: Anschieber Jürg Egger peilt eine WM-Medaille an

Jürg Egger (vorne) beim Aufwärmen mit Beat Heftis «Dream Team». Arno Balzarini/Keystone

Jürg Egger (vorne) beim Aufwärmen mit Beat Heftis «Dream Team». Arno Balzarini/Keystone

Der Oberaargauer Jürg Egger hat an diesem Wochenende in St. Moritz die erste echte Chance auf eine WM-Medaille. «Von einer Medaille bis Platz 8 ist alles möglich», sagt er vor den Heimwettkämpfen.

«Meistens lassen wir sie gewinnen, damit sie noch ein wenig motivierter sind.» Jürg Egger muss selber lachen. Wirklich jassen, sagt der 31-Jährige, das können eh nur sie, die beiden Oberaargauer. Zwei Probleme haben Egger und Thomas Lamparter allerdings: «Wir müssen mit den Deutschschweizer Karten spielen. Und die beiden Appenzeller weisen sich immer raus.» Was so viel heisst wie: Pilot Beat Hefti und Alex Baumann sind kaum zu schlagen.

Essen, schlafen, jassen

Gut essen, gut schlafen und jassen. Das hatte Hefti schon vor der Zweier-WM als bestmögliche Art der Erholung gepriesen. Eine Maxime, die auch vor und während dieses Wochenendes gilt, wenn der Erfolg nicht mehr von nur zwei, sondern von vier Athleten abhängt. Erst recht in einer Saison, in der alles auf EM- und WM-Medaillen ausgerichtet ist. «So fokussiert wie in diesem Jahr war ich noch nie», bestätigt Egger. «Ich habe nie etwas gemacht, nur damit ich es gemacht habe. Es wurde alles hinterfragt. Und wir haben alles dafür getan, nochmals besser zu werden.»

Das geniale Gefühl

Zum ersten Mal startet Egger heute mit echten Medaillenchancen in ein WM-Rennen. Genau das war auch der Grund, weshalb er und Baumann sich entschlossen hatten, zum Team Hefti zurückzukehren. «Diesen grossen Aufwand betreiben wir jetzt alle schon ein paar Jahre lang. Wir haben uns gesagt: Entweder muss jetzt der Erfolg her, oder wir lassen es sein.» Der Erfolg kam. Beim ersten Weltcup-Einsatz nach der verletzungsbedingten Absage der Nordamerika-Tour verpassten sie in Winterberg das Podest noch knapp. Eine Woche später siegten sie in La Plagne – es war nicht nur Heftis erster Vierer-Sieg als Pilot, es war auch Jürg Eggers Siegpremiere als Anschieber. «Ein geniales Gefühl.» Natürlich wussten sie, dass sie in dieser Besetzung bei der Vergabe der Podestplätze mitreden können. «Aber gleich gewinnen? Nein, damit hatte ich nicht gerechnet.»

Neuer Schub dank Hefti

Der Wechsel von Gregor Baumann zu Beat Hefti hat Jürg Eggers Karriere, die nach dem schweren Sturz an den Olympischen Spielen 2010 in Whistler an einem seidenen Faden hing, zweifellos einen neuen Schub verliehen. Als einer der besten Anschieber der Schweiz im besten Team der Schweiz zu sein ist eine vielversprechende Grundlage für weitere Erfolgsmeldungen.

Die Ausgeglichenheit innerhalb der Mannschaft spornt zusätzlich an. «Wir können uns gegenseitig extrem pushen», sagt Egger. «Das ist zum einen sehr leistungsfördernd, zum anderen auch sehr motivierend.»

EM-Silber vor zwei Wochen

Der nächste Coup liess nicht lange auf sich warten. Vor zwei Wochen in Igls holte Heftis «Dream Team» EM-Silber. Liegt Ähnliches auch an der Heim-WM drin? «Von einer Medaille bis Platz 8 ist alles möglich», sagt Egger. «Im Viererbob ist die Spitze so eng beisammen, dass jeder aufs Podest fahren kann. Mein Gefühl sagt mir aber, dass wir optimal vorbereitet sind.» Denn noch mehr machen, als sie es bis jetzt getan hätten, könne man fast gar nicht.

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