Spektakel lautete das Versprechen im Vorfeld  – Spektakel wurde geboten. Titelverteidiger GC Zürich und Herausforderer Wiler-Ersigen lieferten sich in der mit 3200 Zuschauern restlos ausverkauften Berner Wankdorfhalle einen hochkarätigen Schlagabtausch, der mit Fortdauer der Partie aber immer einseitiger verlief.

Grund dafür bildete eine taktische Meisterleistung der Bern-Solothurner. Der SVWE-Coachingstaff hatte seine Akteure perfekt auf das wirblige Offensivspiel aus Zürich eingestellt. Stellvertretend fasste Cheftrainer Thomas Berger seine Genugtuung in Worte: «Wir haben unsere Aufgabe sehr, sehr gut gemacht. Unser Gameplan ist in allen Belangen voll aufgegangen. Phasenweise hatte GC keine Ahnung mehr, wie es auslösen sollte. Das war ganz klar unser Verdienst.»

In der Matchvorbereitung hatte man sich bei Wiler an das letzte Aufeinandertreffen in der Liga zurückbesinnt (0:6 nach 33 Minuten). Damals seien sie den Zürchern ins offene Messer gelaufen, dies habe man unbedingt vermeiden wollen, erklärte Berger und verriet hinterher seine gewinnbringende Taktik: «Wir stellten ihre rechte Angriffsseite zu und zwangen sie damit gezwungen, über links kommen zu müssen.» Dagegen habe GC keine Antwort gefunden. 

6:1 für Wiler zur Spielhälfte

Zu Beginn versuchten die Zürcher ihre Gegner noch mit einem aggressiven Forechecking zu überraschen, was teilweise auch gelang und sich zumindest beim 1:2-Anschlusstreffer für GC auszahlte. GC-Topscorer Joel Rüegger bestrafte einen Abspielfehler von Nicola Bischofberger in der eigenen Hälfte.

Nach und nach stellte sich der SVWE besser auf die GC-Taktik ein und sorgte dank der eigenen Klasse für einen erstmal beruhigenden 3:1-Vorsprung nach zwanzig Minuten. Zweimal Daniel Johnsson und einmal der spätere Best Player Matthias Hofbauer waren zur Stelle und offenbarten gewisse, bekannte Schwächen GCs im Rückwärtsgang.

Mit Fortdauer der Partie prallte GC immer mehr am kompakten und aggressiven Verteidigungsblock Wilers ab. So wagten sich die zusehends isolierten GC-Offensivakteure immer wieder in Einzelaktionen, was von der tiefstehenden Wiler-Verteidigung zu unzähligen Ballgewinnen und blitzschnellen Kontern ausgenutzt wurde.

Nicht weniger als vier dieser blitzartigen Gegenstösse verwertete Wiler im zweiten Abschnitt erfolgreich. Exemplarisch das 6:1 in der 32. Spielminute: Mit drei Pässen und innert weniger Sekunden spielte sich die SVWE-Youngster-Linie um Jan Bürki, Marco Louis und Marco Rentsch zum Tor – ein Bilderbuch-Konter.

Der Plan hat gepasst

Trotz der vorentscheidenden 7:2-Führung nach zwei Abschnitten konnte sich Wiler des Sieges noch nicht gewiss sein, zeigten die Zürcher im letztjährigen Cupfinal doch ein Wunder-Comeback, holten einen Fünftorerückstand auf und sicherten sich am Ende noch den Cuptriumph. Doch von einem neuerlichen Auferstehen war keine Spur zu sehen bei GC.

Zu abgeklärt trat der SV Wiler-Ersigen auf. Gedanken an ein solches Comeback habe man keine verschwendet, meinte Trainer Thomas Berger, denn: «Im 5-gegen-5 waren wir so klar besser gewesen, dass wir uns keine Sorgen machten noch Probleme zu bekommen.»

Einzig mit einem Mann mehr war GC besser und kam so zu kleinen Erfolgserlebnissen. Weil aber die Zürcher in der Defensive weiterhin nicht fehlerfrei auftraten, blieben die beiden Kontrahenten im Gleichschritt bis zum diskussionslosen 11:6-Endresultat.

Trotz der taktischen Marschrichtung, welche sich als goldrichtig erwiesen hatte, wollte Berger das Lob weitergeben: «Der Sieg gehört immer den Spielern, sie müssen es umsetzen. Zugegeben, der Plan hat gepasst, meinte ein tief zufriedener Thomas Berger lakonisch.