Kantonale Sportfachstelle
Der Sport gesellschaftlich akzeptiert? «An dem Punkt sind wir noch nicht»

Jürg Schibler ist seit 2000 Leiter der Kantonalen Sportfachstelle – eine dankbare und vielfältige Aufgabe. «Ich habe den interessantesten Job, den man auf der Kantonalen Verwaltung haben kann», sagt e.

Michael Schenk
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So etwas wie das Christkind: Jürg Schibler in seinem Büro.

So etwas wie das Christkind: Jürg Schibler in seinem Büro.

Michael Schenk

Der 54-jährige Gemeindepräsident von Hüniken arbeitet seit 25 Jahren auf dem Sportamt – seit 2000 als dessen Chef. Schibler und seine Crew sind, auf die Jahreszeit adaptiert, ein bisschen so was wie die Christkinder des Verwaltungsapparates. Weil – im Gegensatz zu vielen anderen Abteilungen – sie in der Regel Gelder verteilen können, statt sie zu erheben. «Auch wenn viel von diesem Geld vom Bund und dem Sportfonds kommt», schränkt der dreifache Familienvater ein. Nichtsdestotrotz: Man spürt es, wenn man sich als Auswärtiger über längere Zeit mit der Solothurner Sportszene beschäftigt.

Der Sport geniesst in diesen Kanton einen ausnehmend hohen Stellenwert und erfährt vielenorts Wertschätzung, wie man dies in anderen, benachbarten Ständen, so nie wahrnehmen würde. Gewiss mitunter ein Verdienst von Jürg Schibler und seinem Team; aber auch vom zuständigen Departements-Vorsteher, Regierungsrat Klaus Fischer.

Letzteren bezeichnet Schibler als «Glücksfall für den Solothurner Sport». Im Vergleich zu anderen Kantonen sei man im Kanton Solothurn schon gut aufgestellt, hält Schibler fest. Gut disponiert, was die Förderung der Bewegung von Jugendlichen – sei es in Schule oder Vereinen, respektive Breiten- oder Spitzensport – angeht. 1,7 Millionen Franken konnten letztes Jahr an Solothurner Vereine, Schulen und Organisationen ausbezahlt werden. Eine Summe, die auf 26500 Jugendlichen und 4000 anerkannten Leiterinnen im Zusammenhang mit Jugend und Sport basiert. Tendenziell ein Betrag, der nach Inkrafttreten des neuen Sportförderungsgesetzes im Oktober noch steigen wird. Demnach wurde das J+S-Alter von 5 bis 20 Jahren erweitert.

Freiwilligen Schulsport im Fokus

Das Aufgabengebiet von Jürg Schibler und seinem, wie er betont, «tollen Team», ist vielfältig. Das ganze Jugend und Sport-Wesen mit Durchführung von Aus- und Weiterbildungskursen und der administrativen und fachlichen Begleitung der J+S-Angebote ist ein gewichtiger Teil. Andere sind etwa die Unterstützung der Schulträger bei der Lancierung von Sportförderklassen auf Sek-I- und Sek-II-Stufe oder die Bewertung von Gesuchen um finanzielle Unterstützung aus dem von Swisslos genährten Sportfonds.

Praktisch alle, die im Kanton Solothurn Sport treiben, kommen in irgendeiner Art und Weise mit der Sportfachstelle in Berührung. «Ein Anliegen, das uns derzeit sehr beschäftigt», erzählt Jürg Schibler, «Ist die Förderung des freiwilligen Schulsports.» Zusammen mit einem Mitarbeiter hat er unlängst das Label «so.fit» geschaffen. Ein Gütesiegel, mit dem Schulen ausgezeichnet werden, die sich, punkto Anbieten von freiwilligen, sportlichen Aktivitäten der Schülerschar besonders hervortun.

Andere sind schon in der Pipelin

Die Kreisschule Hubersdorf war heuer die erste derartige Ausbildungsstätte, die mit dem Label dekoriert werden konnten. Das OZ Derendingen-Luterbach wird die nächste sein. «Andere sind schon in der Pipeline», führt Schibler aus. «Wir gehen davon aus», sagt der Mitbegründer des Volleyballclubs Aeschi und selbst ehemalige NLB-Spieler und -Schiedsrichter, dass jemand, der sich bewegt und in der Jugend seinen Sport entdeckt, längerfristig gesünder ist, als jemand, der sich nicht bewegt.» Daran gibt es definitiv nichts zu rütteln. Insofern ist es für Schibler denn auch immer wieder eine Genugtuung, wenn er kraft seines Amtes «Angebote und Anreize schaffen kann, um Jugendliche, aber auch Ältere, zu Bewegung zu motivieren».

Was in Olten schon prima funktioniert, der freiwillige Schulsport eben, hat im übrigen Kantonsgebiet noch Aufholpotenzial. Freilich haben Schibler und seine Leute den Motor angeworfen, um diese Lücke schnell zu schliessen. «Wenn wir es schaffen, dass sich der freiwillige Schulsport in 50 Prozent des Kantonsgebietes etabliert, haben wir einen nächsten grossen Schritt geschafft», räumt Schibler ein.

Spielraum punkto Akzeptanz

Wenn es um Finanzen geht, ist die Sportfachstelle meist Beratungsstelle, die Entscheide fällt der Regierungsrat. Und auch wenn es darum geht, ob ein besonders talentiertes Kind die sportlichen Voraussetzungen erfüllt, um in eine Sportförderklasse im eigenen Kanton oder einem anderen aufgenommen und gegebenenfalls subventioniert zu werden, ist die Meinung der Sportfachstelle gefragt. Dies in Zusammenarbeit mit Reto Schläppi, dem Nachwuchsbeauftragten des Kantons von Swiss Olympic.

Die Schaffung von Sportförderklassen sowie die Möglichkeit der Schulgeldsubventionierung für ausserkantonalen Schulbesuch von sportlichen Ausnahmetalenten sind nur zwei von vielen Beispielen, die zeigen, dass im Bereich Sportförderung im Kanton Solothurn in den letzten Jahren einiges realisiert worden ist. Trotzdem hat Jürg Schibler einen Wunsch: «Obwohl wir in Solothurn sicher gut aufgestellt sind, wäre es schön, wenn der Sport die gesellschaftliche Akzeptanz erreicht, die er verdient hat. An diesem Punkt sind wir noch nicht», sagt der Leiter der Sportfachstelle des Kantons.