Volleyball NLA

Der Schönenwerder Luca Ulrich: «Wir wollen um den Titel spielen»

Luca Ulrich versucht am Block der Gegner vorbeizuschmettern.

Luca Ulrich versucht am Block der Gegner vorbeizuschmettern.

Mit Luca Ulrich hat Schönenwerd den vielleicht begehrtesten Schweizer im Team. Der Topskorer hat im Sommer von Luzern zu den Schönenwerdern gewechselt. Im anstehenden Playoff-Viertelfinal muss der gegen seinen Bruder spielen.

Als 16-Jähriger unterschrieb er seinen ersten Vertrag beim NLB-Klub Luzern. Im zweiten Jahr bei den Leuchtenstädtern gelang der Aufstieg in die NLA. Am Ende der Debüt-Saison 2015/16 wurde Luca Ulrich als «Youngster of the Year» ausgezeichnet.

Der gebürtige Willisauer blieb trotz vieler Angebote zwei weitere Saisons bei den Luzernern, welche die NLA phasenweise aufmischten. «Wir hatten nichts zu verlieren, konnten frei aufspielen», blickt Ulrich zurück. «Wir haben jedes Topteam mal geschlagen.»

Streng genommen war der Wechsel im letzten Sommer ein sportlicher Abstieg. Luzern hatte gerade die Serie um den fünften Platz gegen die Niederämter gewonnen. Ulrich kannte aber die Pläne der Schönenwerder, die mit den Transfers des US-amerikanischen Zuspielers Scott Fifer, des polnischen Aussenangreifers Marcin Ernastowicz und des Nationalspielers Samuel Ehrat ihre Ambitionen unterstrichen.

«Schönenwerd hat schon immer auf Schweizer Spieler gesetzt, die Infrastruktur ist perfekt und ich spare auch ein bisschen Zeit beim Pendeln», zählt Ulrich, der in Zürich Biologie studiert, weitere Gründe für den Wechsel zu «Schöni» auf.

Der Topskorer des Teams

Dass Schönenwerd in der Qualifikation gleich auf den zweiten Platz stürmt, hat er nicht erwartet: «Ich wusste, dass wir gut, aber auch sehr jung sind. Wir haben gegen die Teams auf den Plätzen vier bis acht keinen Punkt abgegeben.

Diese Konstanz ist eher atypisch für ein so junges Team.» Qualisieger Amriswil holte fünf Punkte mehr und gewann die ersten beiden Direktduelle der Saison. Vor drei Wochen feierten die Schönenwerder im dritten Aufeinandertreffen allerdings gleich einen 3:0-Erfolg. «Amriswil hat das grössere Budget und ist wohl noch ein bisschen professioneller. Sie sind nicht nur von einem Spieler abhängig, jeder bringt Leistung. Aber weit weg sind wir nicht.»

Er beendete die Qualifikation als bester Punktesammler seines Teams und als viertbester der Nationalliga A. In 21 Spielen gelangen dem Aussenangreifer 275 Punkte. «Ich bin mehr oder weniger zufrieden, es war in Ordnung», so Ulrich.

Um Weihnachten herum sei er physisch und psychisch am Anschlag gewesen. Da er mit der Nationalmannschaft unterwegs war, hatte er keine Ferien über die Festtage. Zudem standen Prüfungen an der Uni an. «Es ist eigentlich jedes Jahr so und es geht wohl ein paar Spielern ähnlich.» Diese Baisse hat er mittlerweile überwunden und freut sich auf den Playoff-Start.

Duell gegen Bruder

In der Best-of-3-Viertelfinalserie wartet Uni Bern. Schönenwerd gab gegen den Qualisiebten in den drei bisherigen Begegnungen nur einen Satz ab. Eine Pflichtaufgabe? «Es müsste schon ziemlich dumm laufen, dass wir gleich zwei Spiele verlieren.

Wenn wir so konstant weiterspielen wie in der Quali, kommt es gut.» Als beste Waffe der Berner sieht er den polnischen Aussenangreifer Jakub Radomski: «Er ist gefährlich, kann uns aber nicht im Alleingang ausschalten.» Zuspieler bei den Hauptstädtern ist Luca Ulrichs zwei Jahre jüngerer Bruder Lars. «Zu Trash-Talk kommt es sicher nicht und wir werden auch während der Serie Kontakt haben.»

Das erste Spiel der Viertelfinal-Serie steigt am Samstag um 17 Uhr in der Betoncoupe Arena, exakt 23 Stunden später kommts in Bern zum zweiten Aufeinandertreffen. Ziel der Schönenwerder ist ein 2:0-Erfolg.

Am Mittwoch zu einem dritten Spiel antreten will keiner, bestätigt Ulrich. Im Halbfinal hiesse der Gegner wahrscheinlich Lausanne. Die Waadtländer beendeten die Quali zwar hinter Schönenwerd auf Platz drei, gewannen aber zwei von drei Duellen. «Das Ziel ist schon der Final», sagt Ulrich, obschon er nicht zu weit nach vorne schauen will. «Wir wollen um den Meistertitel spielen.»

Bei Volley Schönenwerd hat diese Saison nicht einmal der Topskorer eine Stammplatz-Garantie. Auch Marcin Ernastowicz und Leandro Gerber zeigten starke Leistungen in der Regular Season. «Es spielen die, die am besten trainieren. So lernst du als Spieler auch am meisten, wenn du in jedem Training abliefern musst», kommentiert Luca Ulrich den Konkurrenzkampf. «Für das Team ist diese Situation optimal.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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