Fussball

Der Schock als unverhofftes Sprungbrett in die höchste Spielklasse

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Nach der Auflösung des FFC Zuchwil 05 fanden Michelle Probst, Salomé Barrer und Seline Ehrenbolger bei den Young Boys ein neues Zuhause – eine Liga höher. Dadurch dürfte das unschöne Ende beim FFC Zuchwil besser zu vergessen sein.

Überraschend kam das Aus Mitte Dezember nicht. Die finanziellen Probleme des FFC Zuchwil 05 waren seit längerem bekannt gewesen. Nach dem Abstieg im Sommer dümpelte der Meister von 2007 in der NLB herum. Nach 14 Runden zieren die Solothurnerinnen das Tabellenende. Weitere Spiele wird es nicht mehr geben.

«Es war ein ziemlicher Schock»

Das letzte fand am 19.November zu Hause gegen Kirchberg statt – und endete mit einer 1:2-Niederlage. Auf den Gang ins Tessin zum Auswärtsspiel eine Woche später gegen Leader Rapid Lugano wurde bereits verzichtet. Das Geld fehlt, Zuchwil 05 wird liquidiert. Als allerletztes Spiel der Klubgeschichte findet also eine 0:3-Forfait-Niederlage Eingang in den Annalen.

Zahlreiche Akteurinnen standen so plötzlich ohne Verein da. Betroffen waren auch drei Spielerinnen aus dem unteren Kantonsteil. Die Kestenhölzerin Michelle Probst (Bild), als U20-Nationalspielerin eine unbestrittene Leistungsträgerin bei Zuchwil, konnte wegen einer Bänderüberdehnung die letzten Spiele nicht mehr bestreiten. Sie erfuhr unmittelbar nach der Kirchberg-Partie von der Vereinsauflösung. «Es war ein ziemlicher Schock», erinnert sich die 19-Jährige. «Wir waren alle enttäuscht und haben es nicht verstanden.»

Basel-Fan

Noch im vergangenen Sommer hatte Probst Angebote von praktisch sämtlichen NLA-Teams abgelehnt, weil sie an den Wiederaufstieg glaubte und weil sie im letzten Jahr des Sport-KVs nicht den Verein wechseln wollte. Im Verlauf der Vorrunde hat sie sich entschieden, im Winter doch zu wechseln. Drei Vereine bemühten sich diesmal um sie: GC, Basel und YB. Die Wahl fiel auf YB. «Das ist mir schwergefallen, weil ich Basel-Fan bin», gibt sie lachend zu, «doch ich habe auf die Schule geschaut». Die Schule befinde sich in Bern, der Arbeitsplatz in Oensingen.

Was auch für YB spricht: Da sie viele zukünftige Teamkolleginnen von der Nationalmannschaft her kennt, wird ihr die Integration leichter fallen. Und der YB-Trainer, der Gerlafinger Rolf Kirchhofer, habe sich am meisten um sie bemüht.

Barrer: «YB am sympathischsten»

Mit Probst stossen zwei weitere ehemalige Zuchwilerinnen zu den Bernerinnen. Beide stammen ebenfalls aus der Region Olten: die 19-jährige Salomé Barrer und die 17-jährige Seline Ehrenbolger aus Fulenbach. Barrer, die als Verteidigerin oder Mittelfeldspielerin einsetzbar ist, lagen wie Probst drei Angebote vor. YB war allerdings das einzige NLA-Team darunter – und in ihren Augen das «sympathischste» der drei Teams.

In Bern, wo sie mit einem grossen Konkurrenzkampf rechnet, möchte Barrer sich möglichst rasch einen Stammplatz erkämpfen. Das hat auch Verteidigerin Ehrenbolger vor. Sie will im Training «immer 100 Prozent geben» und hofft so, «natürlich so viel wie möglich zu spielen». Sie hätte aufgrund ihres Jahrgangs auch die Möglichkeit, in der U18 jeweils Spielpraxis zu sammeln.

Titellose Saison?

Ehrenbolger ist wie Probst Fan des FC Basel, hält aber im Frauenbereich grosse Stücke auf YB. Überlegen, ob sie das Angebot der Berner annehmen sollte, musste sie dennoch ein wenig. Im nächsten Sommer wird die angehende Malerin die Lehrabschlussprüfungen absolvieren müssen.

Obwohl YB Schweizer Meister ist, belegen die Bernerinnen zurzeit nur Rang sieben. Dafür sei im Cup noch alles möglich, sagt Probst. Und auch wenn die Saison titellos zu Ende gehen sollte: Zumindest der Kestenhölzerin steht im nächsten Sommer mit ziemlicher Sicherheit ein Karrierehöhepunkt bevor: Die zentrale Mittelfeldspielerin dürfte an der U20-WM in Japan teilnehmen. Und spätestens dann wird das unschöne Ende bei Zuchwil 05 schon ein wenig in Vergessenheit geraten sein.

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