Kurioser Abend in der Schoren: Nachdem der SC Langenthal in den ersten zwei Dritteln grösstenteils einen schwachen Auftritt zeigte und mit 1:4 in Rückstand lag, gelang es sechs Sekunden vor Schluss den Ausgleich zu erzielen. Vorangegangen waren ein scheinbar harmloser Abschluss in Überzahl 30 Sekunden vor dem zweiten Drittelsende zum 2:4 und ein noch harmloserer Befreiungslupfer von David Stämpfli, welchen Damiano Ciaccio auf unerklärliche Weise zum 3:4 passieren liess.

Ausgleich kurz vor Ende

Der Höhepunkt der regulären Spielzeit waren dann die letzten zwei Minuten. Olivier Horak nahm zweieinhalb Minuten vor Schluss sein Time-Out und griff damit sehr früh ein. Anstatt aber den Angriff bei sechs gegen fünf forcieren zu können, kassierte Jeffrey Füglister eine Strafe, weshalb der SCL fortan in Unterzahl agierte.

Weil Langnau die Entscheidung aber nicht vehement suchte und auf Scheibenbesitz fixiert war, kam der SCL eine Sekunde vor Ablauf der Strafe in der offensiven Zone zu einem Bully. Eichmann machte abermals einem weiteren Feldspieler Platz und überraschenderweise war eine erneut kleine Chance zurückgekehrt. Langenthal gewann das Bully, Füglister sprintete in die offensive Zone und drosch die Scheibe im Hornusser-Stil über die Linie zum 4:4-Ausgleich. Sechs Sekunden blieben auf der Anzeigetafel übrig.

Eine Sekunde vor Ablauf der Verlängerung

Das verrückte Derby ging dann im selben Stil in der Verlängerung weiter. Langenthal musste nach 69 Sekunden bereits in Unterzahl spielen. Stefan Tschannen musste auf die Strafbank, weshalb die Tigers eine erneute Chance erhielten, die Partie doch noch zu gewinnen. Die Zeit verstrich aber und so kippte das Momentum nach dem Ende der Überzahl erneut auf die Langenthaler Seite.

Brent Kelly entwischte auf der rechten Seite gleich zwei Mal mit eindrücklichem Tempo. Beim zweiten Mal wurde der SCL-Kanadier doppelt vom hinterherlaufenden Di Domenico gefoult, weshalb Gelb-Blau in den letzten Sekunden in Überzahl agierte.

Die Gäste befreiten die Scheibe, irgendwie entstand daraus aber eine Kontersituation. Stefan Tschannen entwischte links und bediente in der Mitte den heransprintenden Jeff Campbell. Dieser schloss direkt ab und lupfte die Scheibe zum frenetisch umjubelten 5:4 ins Tor. Diesmal blieb nur noch eine Sekunde auf der Anzeigetafel.

Viel Selbstvertrauen getankt

Nach der Partie bedankte sich der Torschütze zur Entscheidung bei den Fans. «Bei dieser Atmosphäre war es einfacher, Energie für diesen Sprint zu finden», lächelte der Kanadier. «Es hat heute Spass gemacht, vor diesem Publikum zu spielen.

Nach diesem Sieg werden die Beine am nächsten Tag ein bisschen weniger schmerzen.» Entscheidend waren aber auch die beiden Tore von David Stämpfli, der zwei harmlos aussehende Abschlüsse bejubeln konnte. «Beim Powerplay-Tor habe ich bemerkt, dass der Torhüter schon zu weit verschoben hat. Da reicht dann manchmal auch ein gut platzierter Handgelenkschuss», erklärte Stämpfli.

Langenthal hat so nach einem Kaltstart Unglaubliches vollbracht und tankt damit Selbstvertrauen für das Derby vom Dienstag gegen Olten.