Solothurner 2. Liga
Der SC Fulenbach muss wieder über den Kampf brillieren

Am Sonntag startet die neue Meisterschaft in der Solothurner 2. Liga. Der SC Fulenbach trifft zum Auftakt auswärts auf den FC Oensingen. Fulenbachs Spielmacher Jonas Wyss, der die verkorkste Halb-Saison 2019/20 verletzungsbedingt verpasst hat, brennt auf seine Rückkehr.

Raphael Wermelinger
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Jonas Wyss (stehend, 4.v.l.) will nach überstandener Verletzung dafür sorgen, dass es mit dem SC Fulenbach wieder vorwärts geht.

Jonas Wyss (stehend, 4.v.l.) will nach überstandener Verletzung dafür sorgen, dass es mit dem SC Fulenbach wieder vorwärts geht.

Patrick Lüthy

An sein Debüt in der ersten Mannschaft des SC Fulenbach kann sich Jonas Wyss nicht mehr erinnern. Dafür aber an seinen ersten Treffer: Es war im zweitletzten Vorrundenspiel der Saison 2010/11 beim 4:0-Sieg gegen Däniken-Gretzenbach. Als 16-Jähriger, der ein paar Jahre im Nachwuchs des FC Aarau verbracht hatte und direkt von den B-Junioren raufgekommen war, entwickelte er sich in dieser Saison, die für den SCF auf Platz acht endete, rasch zum Stammspieler.

«Ich weiss noch, dass ich damals mit zwei, drei Jahren auf der Ersatzbank gerechnet habe», erinnert er sich. «Wir hatten in dieser Saison aber viele Ausfälle und ein eher knappes Kader. Deshalb konnte ich schnell ins Team reinrutschen.»

Auch in seiner zweiten Saison, in welcher der sechste Schlussrang herausschaute, absolvierte er praktisch jede Minute. Für eine Zäsur sorgte der Militärdienst, der in der Spielzeit 2012/13 jegliche Einsätze verhinderte. Und schliesslich sogar zu einem Abstecher zum Drittligisten FC Kestenholz führte, für den er in der 3. Liga auflief, ohne viel trainieren zu können. «Leider hatten wir in dieser Saison in Fulenbach keine zweite Mannschaft, für die ich hätte spielen können», erklärt er. «Von Anfang an war klar, dass ich nur eine halbe Saison beim FC Kestenholz bleibe. Es war eine super Rückrunde, allerdings bereue ich es etwas, weil Fulenbach in dieser Saison den Cup gewann und ich nicht dabei war. Das muss ich mir heute noch oft anhören.»

Jonas Wyss (ganz rechts) in der Saison 2017/18 im Heimspiel gegen den FC Trimbach.

Jonas Wyss (ganz rechts) in der Saison 2017/18 im Heimspiel gegen den FC Trimbach.

Remo Fröhlicher

Zwischen 2013 und 2018 erlebte Jonas Wyss äusserst erfolgreiche Jahre mit dem SC Fulenbach – viermal in Serie schaute Platz zwei heraus. «Unter Trainer Martin Hert hat sich das Team sehr gut entwickelt und noch einmal einen grossen Schritt gemacht», begründet er den anhaltenden Höhenflug. «Wir verfügten über Jahre hinweg über ein sehr breites Kader mit einigen Top-Spielern und wir Jungen wurden immer erfahrener. Die Kombination hat gepasst.»

Dass es nie für den Titel gereicht hat, wurmt ihn: «Es wäre spannend gewesen, zu sehen, wie wir uns mit der damaligen Mannschaft in der 2. Liga inter geschlagen hätten.» Am knappsten war es in der Saison 2015/16, die er auch wegen seiner elf Saisontore als die beste bezeichnet. Der FC Iliria schnappte den Fulenbachern den Titel mit einem Punkt Vorsprung weg. «Da hätten wir es packen müssen. Wahrscheinlich fehlte uns der letzte Wille und auch ein bisschen die Arroganz, den Titel als klares Ziel zu formulieren», mutmasst er.
2018/19 resultierte hinter Grenchen und Iliria der respektable dritte Platz, in der Vorrunde 2019/20 folgte dann der Absturz auf Platz elf ohne einen einzigen Sieg. Und ohne Einsatzzeit für Wyss, der sich im abschliessenden Training vor dem Saisonstart bei einem Misstritt an den Bändern verletzte. Zuerst wollte er bis Mitte Vorrunde wieder dabei sein. Doch er verspürte immer noch Schmerzen und musste die Vorrunde sausen lassen.

Dem Team in dieser schwierigen Phase nicht helfen zu können, sei eine schlimme Situation gewesen, blickt er zurück: «Es hat definitiv Nerven gekostet, die Spiele von draussen mitzuverfolgen.» Dass der Saisonabbruch den Fulenbachern in die Karten spielte, verneint er: «Es ist schade, dass wir in der Rückrunde nicht beweisen konnten, dass wir besser sind. Ich bin überzeugt, dass wir auch dank der Rückkehr vorher verletzter Spieler hinten rausgekommen wären.»

Ein Abstiegskandidat ist der SC Fulenbach in seinen Augen nicht, auch wenn die fetten Jahre vorübergehend vorbei seien. Der Mannschaft mangle es momentan an erfahrenen Führungsspielern und an herausragenden Einzelkönnern. Wyss zeigt sich dennoch optimistisch, dass sich der SC Fulenbach schnell wieder zu einer Top-Mannschaft der 2. Liga entwickeln wird.

«Wir müssen jetzt wieder mehr über den Kampf brillieren. Wie es sich für einen Dorfverein gehört, muss dafür der Zusammenhalt im Team einfach stimmen. Und das tut er», sagt er. In dieser Saison peilt er einen Platz im vorderen Mittelfeld der Liga an. Welche Rolle er nach seiner langen Verletzung wieder einnehmen soll, veranschaulicht seine Rückennummer 16. «Ein Mix zwischen Zehner und Sechser», führt Wyss aus. «Die Nummer hatte ich schon bei den Junioren und ich werde sie in der ersten Mannschaft nicht mehr hergeben.»

Nebst der Meisterschaft geniesst bei Wyss, der Mitbegründer und Präsident des Darts Club Gäu ist, der Pokal-Wettbewerb hohe Priorität. Den bislang letzten Cupsieg der Fulenbacher im Jahre 2013 hat er verpasst, 2016 und 2018 zog das Team im Final jeweils den Kürzeren. «Ich will sicher noch einmal den Final erreichen, das ist klar. Und ihn diesmal natürlich auch gewinnen», sagt er. Er gibt sich dafür noch ein paar Saisons Zeit: «Ich will möglichst lange spielen und bin kein Fan davon, gleich mit 30 aufzuhören und zu den Senioren zu wechseln. Aber es hängt natürlich auch davon ab, wie der Körper mitmacht.» Dies weiss der Maschinenbauingenieur-Student seit der vergangenen Saison nur allzu gut.

Kader SC Fulenbach

Trainer: Alain Roussel
Assistent: Cengiz Kahraman

Tor: Mischa Ehrenbolger (91), Nico Kaser (00).
Abwehr: Jan Egloff (00), Nico Gradwohl (91), Rafael Ingold (90), Fabio Kunz (99), Sandro Kunz (96), Emanuel Wyss (01).
Mittelfeld: Sandro Albuquerque (02), Nico Ferrari (97), Florian Fischer (98), Rinaldo Grimbichler (00), Stanko Imbach (97), Flavio Premori (01), Jonas Wyss (93).
Angriff: Ramon Affentranger (92), Yanick Boss (93), Yves Ehrenbolger (93), Ramon Grimbichler (02), Miroslav Markovic (99), Nebojsa Markovic (00), Luan Spielmann (95), Luca Spielmann (95).

Zuzüge: keine.
Abgänge: Loris Jäggi, Micha Schläfli.

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