Fussball
Der SC Derendingen trennt sich per sofort von seinem Trainer

Obwohl die 3.-Liga-Mannschaft die Meisterschaft dominiert, entlässt der neu gewählte Vorstand des SC Derendingen seinen Trainer Salvatore Terranova. Präsident Max Lisser möchte mit dieser Massnahme ein Zeichen setzen.

Hans Peter Schläfli
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Der neue SCD-Präsident Max Lisser in seinem Element. Schläfli

Der neue SCD-Präsident Max Lisser in seinem Element. Schläfli

Hans Peter Schläfli

«Ich weiss, es klingt etwas komisch, aber es ist kein Gerücht. Es stimmt.» So kommentierte Salvatore Terranova in den vergangenen Tagen das Dorfgespräch, dass besagte, dass er als Trainer des SC Derendingen kurz vor dem Start der Frühlingsrunde entlassen wurde. Seltsam mutet die Trainerentlassung deshalb an, weil Derendingen als klarer Leader in der 3. Liga überwintert hat. «An der ausserordentlichen Generalversammlung wurde ein neuer Vorstand gewählt, und der hat mir mitgeteilt, dass man ein Zeichen setzen will und dass man das Gefühl habe, dass ich nicht der richtige Mann bin, um die Aufstiegsspiele zu erreichen», beschreibt Salvatore Terranova, wie ihm die Entlassung mitgeteilt wurde. «Ich war überrascht, aber ich bin nicht böse auf den SCD. Meine Familie hats gefreut, dass ich jetzt wieder etwas mehr Zeit für sie habe.»

Frimpong übernimmt

Betreut wird Derendingen bis auf weiteres von Joetex Frimpong, dem Ghanaer, der vor acht Jahren zu den Young Boys in die Schweiz gekommen war und zuletzt als Profi beim FC Zürich unter Vertrag stand. Vom FC Grenchen stiess Frimpong vor einem halben Jahr zum SCD, aber nach vielen Verletzungen darf er eigentlich gar nicht mehr Fussball spielen.

Souveräner Leader

Terranova war auf bestem Weg, die hochgesteckten Ziele zu erreichen: Derendingen liegt in der 3. Liga mit 10 Siegen, 3 Unentschieden und ohne Niederlage mit 6 Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze der Gruppe 2. Wie kommt in dieser ausgezeichneten Situation der neu gewählte Präsident Max Lisser auf die Idee, als erste Amtshandlung mit einer Trainerentlassung ein Zeichen setzen zu müssen? «Es war der gesamte Vorstand, der das entschieden hat, nicht ich alleine», relativiert Lisser. Derendingens Sportchef Süleyman Polatli spricht von einer Umorientierung im Verein. «Terranovas Qualitäten als Trainer sind unbestritten und es geht nicht um den sportlichen Erfolg, der ist ja vorhanden.»Polatli nennt die vielen Karten und Bussen sowie die fehlende Disziplin in der Mannschaft als Knackpunkt. «Wir haben in der Vorbereitung beobachtet, dass das Verhalten der Spieler nicht besser wurde. Mit einem Trainerwechsel wollen wir das Steuer herumreissen und wieder mehr Freude in die Mannschaft bringen.» Polatli gibt zu, selber auch Fehler gemacht zu haben. «Ich war zu sehr auf den Erfolg fixiert. Heute denke ich längerfristig, lege mehr Wert auf eine gute Basis und einen starken Teamgeist.»

Schulden abbauen

Dass der Sportclub Derendingen in einer Krise steckt, lässt sich schon lange nicht mehr verheimlichen. Der Schuldenberg drückt und im Vorstand gab es Wechsel in einem rasanten Rhythmus, der für einen Dorfverein ungesund ist. «Ich will wieder mehr Leute, die mithelfen und nicht nur mitmachen», erklärt Max Lisser sein Konzept. Er ist das SCD-Urgestein schlechthin: Vor 27 Jahren, in der legendären Zeit mit Spiko Willi Schrag und Präsident Herbert Bucher, stiess er zum Sportclub. Er ist einer, der anpackt, und er dient Derendingen als Schiedsrichter und als Platzwart.

«Ich bin so lange dabei und hänge am Verein», erklärt Lisser, warum er nun Präsident wurde. «Ich habe gemerkt, dass hier Sachen schieflaufen. Ich will das Steuer herumreissen.» Er will die Ausgaben radikal kürzen und mit besserer Organisation zu jedem Franken Sorge tragen. Die Mitgliederverwaltung habe nicht mehr geklappt und viele Mitgliederbeiträge seien gar nie eingefordert worden. «Ich möchte die Mitgliederverwaltung über das System Clubcorner des Fussballverbandes neu organisieren», erklärt Max Lisser, einen der Schritte, wie er den SCD wieder auf Vordermann bringen will.

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