Eishockey NLB
Der Russe ist mehr ein Däne

Beim HC Martigny zählt Stürmer und Topskorer Kirill Starkov zu den Hoffnungsträgern für einen Erfolg in der Playoff-Viertelfinalserie gegen den SC Langenthal.

Leroy Ryser
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Kirill Starkov (l.) scheitert zwar an Langenthal-Torhüter Marco Mathis, zählt aber dennoch zu Martignys Schlüsselspielern.

Kirill Starkov (l.) scheitert zwar an Langenthal-Torhüter Marco Mathis, zählt aber dennoch zu Martignys Schlüsselspielern.

Leroy Ryser

Er ist im russischen Jekaterinburg geboren, in Dänemark aufgewachsen und hat in Schweden sein Eishockeyspiel verfeinert. Danach spielte Kirill Starkov in diversen Ligen in Übersee, darunter in der zweithöchsten Profiliga American Hockey League, bevor er in der höchsten Dänischen Liga und für kurze Zeit in der russischen Kontinental Hockey League spielte. Mittlerweile steht der 28-jährige Doppelbürger von Russland und Dänemark in der Schweiz beim Walliser Klub HC Martigny unter Vertrag.

Von Klischees weit entfernt

In seiner dritten Saison trägt er nun das Topskorer-Trikot und überzeugt mit filigranem Spielstil. Starkov ist ein ruhiger Arbeiter, der sich prompt zum Captain hochgearbeitet hat, und er ist einer, der sich nicht zu schade ist, Schüsse zu blocken oder Defensivarbeit zu erledigen. Für Martigny ist er ein Schlüsselspieler. Und ein verantwortungsbewusster Akteur in der Garderobe. Keine Frage: Kirill Starkov ist derjenige, vor dem sich der SC Langenthal in der laufenden Playoff-Viertelfinalserie in Acht nehmen muss.

Wer den Namen Kirill Starkov liest, erwartet einen waschechten Russen – und wird von jedem Klischee enttäuscht. Starkov ist kein «Bluffer» und auch kein Egoist. Er ist freundlich und aufgeschlossen, spricht über die Wichtigkeit von Integration und dass er seinem Sohn die Natur näherbringen will. Er interessiert sich für das Leben seiner Teamkameraden und studiert die Mentalität der Schweizer. Im Sommer bleibt er deshalb «zu Hause» in Martigny und lernt seine neue Heimat in allen Facetten kennen. Und als unerwarteter Höhepunkt sagt er dann: «Ich fühle mich nicht als Russe. Schon eher als Däne. Dort bin ich aufgewachsen. Und deshalb spiele ich in ihrem Nationalteam.»

Diese Person äussert sich auch in seiner Spielweise. Auch wenn er selbst spielerisch starke – also russische – Züge aufweist, agiert Kirill Starkov mannschaftsdienlich. Defensive «Drecksarbeit» sowie das Blocken von Schüssen gehören für ihn dazu. «Wir sind keine grosse Mannschaft. Hier muss einer wie ich alles tun. Auch Boxplay spielen oder Defensivarbeit verrichten», erklärt er. Und genau das gefalle ihm.

Berg als Gegner

Nur aus Eishockey besteht Kirill Starkovs Leben aber nicht. Er liebe die Schweiz, insbesondere die Walliser Berge. «Ich bin schon auf jeden Berg geklettert», sagt Starkov. Meist mit dem Ziel, im dazugehörigen Bergsee schwimmen zu gehen. Gerade während den Playoffs steht aber das Eishockey im Vordergrund. Langenthal sei derweil mit einem Berg vergleichbar, sagt Starkov. Einem ganz grossen. «Sie zu bezwingen ist viel anstrengender, als eine Wanderung auf einen Berg zu machen», sagt Starkov. Ein Rezept gebe es aber dennoch: «Gute Torhüterleistung und volle Konzentration auf die Special Teams», erklärt er. So könne auch Martigny jede Mannschaft besiegen.