«Damit hatte ich nicht gerechnet», strahlte der 28-Jährige kurz nach dem Rennen, «da ich letzte Woche etwas krank war und mein Knie geschmerzt hat.» Nicht einmal einen Platz auf dem Podest habe er sich erhofft.

Der Fahrer vom Team Rufalex setzte sich gleich ab Rennbeginn in Szene. Im ersten Sprint nach zehn Runden holte er sich als Zweiter seine ersten vier Punkte. «Meistens habe ich am Anfang dicke Beine», so Andres zu seiner Taktik, «die wollte ich aufmachen und gab deshalb gleich Druck.» Bis zur 34. Runde war er in einer aus fünf Fahrern bestehenden Spitzengruppe vertreten, welche sich zwischenzeitlich einen Vorsprung von mehr als zwanzig Sekunden erarbeiten konnte. So sammelte er bei den nächsten beiden Wertungssprints insgesamt weitere zehn Punkte. Nach dem Zusammenschluss des Feldes nach einem Drittel des Rennens hielt sich Andres einige Runden zurück, um bei Rennhälfte wieder richtig zuzuschlagen. Hinter Thomas Litscher errang der Wangner beim Sprint nach fünfzig Runden weitere vier Punkte.

Duo Andres/Lang vorne

In dieser Phase des Rennens hinterliess das Kraftpaket einen unwiderstehlichen Eindruck. Nach der sechsten Wertung, die er für sich entscheiden konnte, setzte er sich mit Pirmin Lang vom Team Atlas von den restlichen Fahrern ab. Das Duo blieb bis zur 79. Rennrunde vorne - den siebten Sprint gewann Andres vor Lang. «Als Pirmin Lang und ich in der 79. Runde vom Feld gestellt wurden, war ich kurz im Elend», kommentierte Andres den Rennverlauf, «ich war froh, dass das Feld dann zusammenblieb.»

Andres führte zu diesem Zeitpunkt zwar mit einem Vorsprung von 15 Punkten, aber bei der 80. Durchfahrt holte sich Simon Zahner die sechs Zähler. Dadurch witterte das EKZ Racing Team doch noch eine Chance auf den Sieg und übernahm während der letzten zwanzig Runden die Kontrolle. Zwischenzeitlich führten vier Fahrer dieses Teams das Feld an, darunter auch Vorjahressieger Mirco Saggiorato und der amtierende Schweizer Meister Silvan Dillier.

«Noch einmal Vollgas geben»

Doch auch die beiden Bahnfahrer Tristan Marguet und Loic Perizzolo wollten noch ein Wort um die Podestplätze mitreden. Die beiden bestritten schon Sechstagerennen zusammen und arbeiteten auch gestern phasenweise miteinander, was auch dem späteren Sieger Roman Andres half. Marguet, Zahner, Perizzolo lautete die Reihenfolge beim zweitletzten Sprint. Dadurch blieb es bis zur letzten Runde äusserst spannend. Andres' Vorsprung auf Zahner betrug nun nur noch elf Punkte, und der Schlusssprint wurde mit der doppelten Punktzahl, zwölf Punkte für den Ersten, belohnt. Wie letztes Jahr drohte Andres der Sieg in der letzten Runde wegen eines Punktes zu entgleiten. «Ich muss noch einmal Vollgas geben», wusste der Wangner. Er mobilisierte in den letzten Runden noch einmal Kräfte und positionierte sich wieder hinter der Spitze.

Es sollte reichen; Roman Andres durfte die Belohnung für sein starkes und beherztes Rennen einfahren. Den Schlusssprint dominierte das ehemalige Bahn-Duo Marguet und Perizzolo, die sich mit ihrem überzeugenden Finish zudem aufs Podest hievten und die beiden Plätze neben Andres besetzten. Dieser hielt das EKZ Racing Team, insbesondere Zahner in Schach, holte sich als Fünfter weitere zwei Punkte und schaffte so den Sieg aus eigener Kraft.
«Ich bin überglücklich», sprach Andres nach seinem Triumph am Heimrennen. «Es ist ein sehr spezielles Rennen für mich, ich kenne alle Leute hier und war deshalb besonders motiviert», meinte er nach seinem letzten Auftritt, denn der Wangner beendete gestern seine Karriere als Elite-Fahrer; mit einem perfekten Abschluss.