Unihockey
Der Pendler pendelt wieder in der Erfolgsspur

Vor einem Jahr kehrte Patrick Mendelin dem NLA-Team von Wiler-Ersigen den Rücken. Jetzt ist er zurück: Wertvoller und erfolgreicher als vor seinem Abgang.

Daniel Weissenbrunner
Merken
Drucken
Teilen
Auf der Überholspur: Patrick Mendelin (l.) hat bei Wiler-Ersigen nach seiner Rückkehr sofort wieder Tritt gefasst.

Auf der Überholspur: Patrick Mendelin (l.) hat bei Wiler-Ersigen nach seiner Rückkehr sofort wieder Tritt gefasst.

Marcel Bieri

Patrick Mendelin sitzt in seinem Auto. In einer halben Stunde hat es ihm für 10 Kilometer gereicht. Er befindet sich im Abendverkehr. Von seinem Arbeitsplatz in Basel fährt er ins 60 Kilometer entfernte Zuchwil im Kanton Solothurn. Vier bis fünf Mal pro Woche. Das ist nicht einmal um den Erdball, aber 30 000 Kilometer, hat er ausgerechnet, kommen so jährlich alleine für seinen Verein Wiler-Ersigen zusammen.

Trotz Stau ist Patrick Mendelin auch an diesem Abend rechtzeitig im Training angekommen. Angekommen ist er auch sportlich – wieder, nachdem er vor ziemlich genau vor einem Jahr die Notbremse gezogen hatte. Beim damaligen Trainer von Wiler-Ersigen Heikki Luukkonen spürte der 26-Jährige das Vertrauen nicht mehr. Mendelin spielte in den Überlegungen des Finnen nur eine untergeordnete Rolle. So jedenfalls empfand er es.

Doppelfunktion mit Basel Regio

Die Enttäuschung über die verpasste Heim-WM, die fehlenden Perspektiven im Klub bewogen ihn dazu, den erfolgreichsten Schweizer Unihockey-Verein, bei dem er es bis zum Nationalspieler geschafft hatte, nach sechs Jahren zu verlassen. «Es war kein einfacher Entscheid, aber bei dem Aufwand, den ich betrieben habe, stimmte der Ertrag nicht mehr überein.» Dass ausgerechnet er die Kosten den Nutzen etwas genauer gegenüberstellt, kommt nicht von ungefähr. Nach Abschluss seines Wirtschaftsstudiums absolviert Mendelin ein Praktikum auf einer Bank. Viel Zeit zum Überlegen, wie es sportlich weitergehen sollte, benötige Patrick Mendelin nach dem Abschied bei Wiler nicht. Er, der mit reichlich Talent gesegnet und Ehrgeiz ausgestattet ist, der für seinen Sport überdurchschnittlich viel investiert, besitzt ein zweites Unihockey-Standbein. Jenes bei Basel Regio. Er übernahm beim Erstligisten kurzerhand die Rolle des Spielertrainers. Die sportliche Leitung winkte Mendelins Einstieg ab. Kein Wunder: Er hat auch das Amt des Sportchefs inne.

Mit dem Verein hat Mendelin Grosses vor. In ein paar Jahren soll Basel auf der Unihockey-Landkarte wieder einen festen Nationalliga-Platz einnehmen. Dass das Potenzial vorhanden ist, ist für ihn unbestritten. Er weiss, wovon er spricht. Patrick Mendelin erlebte die Ära des letzten Basler NLA-Vetreters Basel Magic, bis zu dessen Untergang vor fünf Jahren.

In der Skorerliste in den Top-ten

Bis Mendelin in Basel sportlich wieder sesshaft wird, will er mit Wiler-Ersigen nochmals durchstarten. Nachdem Heikki Luukkonen bei den Bernern entlassen worden war, kam er mit dem neuen Trainer Johan Schönbeck ins Gespräch. Dieser schenkte ihm die nötige Wertschätzung. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das Team liegt aktuell an zweiter Stelle, und Mendelin gehört zu den unbestrittenen Leistungsträgern. Sein Wohlbefinden drückt sich – für den Zahlenmenschen nicht ganz unwichtig – auch in der Statistik aus. Er gehört zu den Top-ten in der NLA-Skorerliste.