Es sind unerfreuliche Nachrichten, welche den gut 40 Mitgliedern am Donnerstagabend mitgeteilt wurden. Wirklich erschrecken konnten die Neuigkeiten aber nicht, die der Vorstand präsentierte. Der Patient FC Grenchen liegt schon länger auf der Intensivstation. Der Zustand hat sich aber von stabil auf kritisch verschlechtert.

Dem Verein schwimmen die Mittel davon. Das Loch in der Vereinskasse klafft bedrohlich. Es ist mittlerweile existenziell, dass umgehend ein Sanierungskonzept eingeleitet werden muss. Es ist der letzte Versuch unter jetziger Führung, den Traditionsklub finanziell zu retten. «Ob diese Massnahmen ausreichen, werden wir erst noch sehen», tönt Präsident Rolf Bieri wenig optimistisch.

Alarmierende Zahlen

Der Klubleitung legte am Donnerstag verschiedene Rettungskonzepte vor: von Bilanz deponieren über massive Beitragserhöhungen bei Mitgliedern und Donatoren bis hin zu drastischen Einsparungen. Die anwesenden Mitglieder entschieden sich für die letztere Variante.

Die Zahlen für das laufende Rechnungsjahr sind alarmierend. «Der Klub lebt von der Hand in den Mund», sagt Rolf Bieri. «Wir werden das Budget umgehend um 80 Prozent reduzieren», so der Klubboss. Was faktisch einem Kahlschlag gleichkommt. Betroffen davon ist in erster Linie die 1.-Liga-Mannschaft. Mehr als 100’000 Franken müssen in den nächsten Monaten eingespart werden. Mit dieser Massnahme nimmt der Verein auch einen Abstieg in die 2. Liga in Kauf.

Wie die Sparübung im erforderlichen Umfang zum Erfolg führen soll, ist allerdings schleierhaft. Die Spieler haben zwar Bereitschaft signalisiert, auf einen Teil ihrer Löhne und Spesen zu verzichten. Geschäftsführer Paul Kocher, der erst an der letzten Generalversammlung sein Amt angetreten hatte, macht weiter, aber ohne Entschädigung.

Vom Rotstift bleibt kein Bereich verschont. Was Rolf Bieri in dieser dramatischen Lage besonders sauer aufstösst, ist, dass Mitgliederbeiträge in der Höhe von rund 18’000 Franken ausstehend sind. «In der jetzigen Situation stehen die Finanzen über allem.» Umso unverständlicher sei für ihn die Zahlungsmoral von gewissen Leuten.

Hoffnung aufgegeben

Die mangelhafte Disziplin steht stellvertretend für die fehlende Identifikation zum Verein, der einst glorreiche Zeiten erlebte. Vom Glanz vergangener Jahre ist im Jahr 2014 nichts mehr übrig. Rolf Bieri, der polarisierende Präsident, hat die Hoffnung jedenfalls aufgegeben, den FC Grenchen wieder als Marke in der Region zu positionieren. «Jetzt geht es nur noch ums nackte Überleben.» Er geht sogar noch weiter: «Der FCG ist nicht nur ein Patient, eigentlich ist er klinisch tot.»