Bereits nach siebeneinhalb Minuten war die Lausanner Fanseele ein erstes Mal am Kochen - aus Wut über den deutschen Unparteiischen Patrick Oberdörfer. Dieser hatte soeben den vierten (!) Akteur des HC Lausanne auf die Strafbank geschickt und damit den Gästen eine 88-sekündige doppelte Überzahl beschert. Doch anstatt sich diese hervorragende Möglichkeit zunutzen zu machen, verstrich die Zeit und mit ihr die Möglichkeit auf eine willkommene frühe Führung gegen das zweitbeste Heimteam der Liga. Es war Bruno Marcon, der in dieser langen Phase der Ungleichheit noch die beste Möglichkeit für die Gäste zu verzeichnen hatte - diese allerdings vergab.

Oltner Verteidigunstolperer

Dann, kaum komplett, profitierte Genoway von einem Oltner Verteidigungsstolperer an der blauen Linie und brachte seine Farben in Führung. Tobler war gegen den mit viel Schwung von links heranbrausenden Kanadier machtlos. Und der EHCO-Schlussmann erhielt auch nach der rund fünfminütigen Eissäuberung, hervorgerufen durch die Aktion Plüschtiere, sofort wieder Gelegenheit, sich auszuzeichnen und rettete sein Team ohne einen weiteren Verlusttreffer in die 12. Spielminute. Die Gastgeber hatten bis zu diesem Zeitpunkt zwar deutlich weniger Zeit mit fünf Mann absolviert als in Unterzahl, dabei jedoch die klar besseren Chancen herausgespielt als die Oltner.

Lausanne das Spieldiktat überlassen

Diesen wollte es auch danach nicht recht gelingen, zu ihrem Spiel zu finden. Sie agierten (zu?) vorsichtig und überliessen dem LHC das Spieldiktat. Dabei hätte es zu Beginn des Mittelabschnitts gleich zwei Situationen gegeben, den notwendig höheren Gang einzulegen. Einerseits ein ganz starkes Boxplay, welches eine gehörige Portion Selbstvertrauen brachte. Andererseits ein völlig unnötiger (und vor allem ungeahndeter) Check von hinten an Philipp Wüst, als das Spiel bereits unterbrochen war. Doch anstatt den Intensitätszacken zuzulegen, kurvte der Lausanner Topscorer Setzinger (in gewohnter Manier) übers ganze Eis, und Genoway traf sicher ins «leergespielte» EHCO-Gehäuse. Es war bereits das 3:0, denn bereits 96 Sekunden zuvor hatte Leeger die LHC-Führung mit seinem Weitschuss ausgebaut.

Schwarzenbach mit erstem Treffer

Jetzt nahmen die Versuche der Gäste aber doch an Intensität zu, und tatsächlich: Diego Schwarzenbach verkürzte 82 Sekunden später prompt auf 3:1, nach schöner Vorarbeit Fretters. Die Lausanner blieben danach ihrer sehr körperbetonten Spielweise treu, fuhren immer wieder schnelle Angriffe und suchten den (Quer-)Pass vors Tor. Doch die Gäste hatten gegen die meist blinden Vorlagen entweder eine Antwort in Form eines Verteidigers bereits, oder dann war kein Waadtländer zur Stelle. Mit dem 1:3 stiegen die Oltner mit berechtigten Hoffnungen in den dritten Abschnitt, umso mehr, als dieser nun eindeutig ihnen gehörte. Der EHC Olten war jetzt die aktivere Mannschaft, konnte spielerisch mehr als nur dagegenhalten, und auch physisch hatten sich die Gäste jetzt ihrem Gegner angenähert. Wer weiss, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätte man die kleinen Nicklichkeiten der Lausanner sowie das harte, aber zumeist faire Einsteigen von Anfang an entsprechend erwidert. Colton Fretter war jedoch einer der wenigen Gäste, welche in dieser Beziehung ihre «Pflicht» über die ganzen 60 Minuten erfüllten, sprich, der sie erfüllen konnte - nicht zuletzt aufgrund seiner Spielweise.

Neue Hoffnung in den Schlussminuten

Zehn Minuten vor Schluss erfuhren die Oltner Hoffnungen auf einen Punktgewinn neue Nahrung, denn Diego Schwarzenbach stand zum zweiten Mal goldrichtig und brachte mit dem Anschluss zum 3:2 endgültig Spannung ins Spiel zurück. Und die Gäste waren tatsächlich nahe dran am Ausgleich, doch eine viel diskutierte Strafe wegen zu vielen Spielern auf dem Eis unterbrach den starken Lauf der Gäste um zwei Minuten. Und ehe diese danach wieder richtig Fahrt aufnehmen konnten, hatte Dostoinov mit dem 4:2 für die Entscheidung gesorgt (57.). Es blieb schliesslich beim Versuch, den Anschluss mit einem sechsten Feldspieler zu erzwingen, doch wie meistens war diesem Unterfangen kein Erfolg beschieden. Berthon traf in der letzten Minute zum 5:2-Sieg der Lausanner, der damit um mindestens ein Tor zu hoch ausfiel.

Lausanne - Olten 5:2 (1:0, 2:1, 2:1)

Malley. - 5705 Zuschauer. - SR: Oberdörfer, Gaube/Blatter. - Tore: 11. Genoway (Setzinger, Fröhlicher) 1:0. 28. Leeger (Dostoinov) 2:0. 30. Genoway (Setzinger/Strafe angezeigt) 3:0. 31. (30:30) Schwarzenbach (Fretter, Sertich) 3:1. 50. Schwarzenbach (Hirt, Sertich) 3:2. 57. Dostoinov (Reist, Berthon) 4:2. 60. (59:14) Berthon (Dostoinov, Augsburger/Olten ohne Torhüter) 5:2. - Strafen: 7-mal 2 Minuten plus 10-Minuten-Disziplinarstrafe (Primeau) gegen Lausanne, 5-mal 2 Minuten gegen Olten.

Lausanne: Huet; Stalder, Reist; Leeger, J. Fischer; Chavaillaz, Fröhlicher; Borlat, Kamerzin; Setzinger, Genoway, Le Coultre; Deruns, Conz, Helfenstein; Berthon, Dostoinov, Augsburger; Antonietti, Bürki, Primeau.

Olten: Tobler; Marolf, Meister; Pargätzi, Aeschlimann; Studer, Ganz; Truttmann, Marcon, Fretter; Wüst, Tschuor, Krebs; Schwarzenbach, Sertich, Hirt; Grassi, Annen, Wüthrich.

Bemerkungen: Lausanne ohne S. Fischer, Loeffel, Mauron, Gailland und Seydoux; Olten ohne Schnyder, Haldimann, Schild, Parati (alle verletzt), Steiner und Lorenz (beide überzählig). Setzinger und Schwarzenbach als beste Spieler ihres Teams ausgezeichnet. Rund sechsminütiger Spielunterbruch nach dem 1:0, als das Eis von Plüschtieren gereinigt werden musste, welche im Rahmen einer Solidaritätsaktion für Kinder gesammelt wurden.