Unihockey
Der neue Präsident übernimmt auf einem sehr hohem Niveau

Sportliche Konstanz, Breitensport-Förderung, wirtschaftliche Stabilität – das sind Ziele des neuen Wiler-Ersigen-Präsidenten und ehemaligen Meister-Spielers Reto Luginbühl. Eine eigene SVWE-Halle ist seine Vision.

Michael Schenk
Drucken
Teilen
Der neue Präsident des SV Wiler-Ersigen, Reto Luginbühl, hat Visionen – unter anderem von einer Unihockeyarena.MSK

Der neue Präsident des SV Wiler-Ersigen, Reto Luginbühl, hat Visionen – unter anderem von einer Unihockeyarena.MSK

Reto Luginbühl, Sie haben den SV Wiler-Ersigen 2005 nach dem Gewinn des Triples (Europa- und Schweizer Cup und Meisterschaft ) verlassen, weil es eigentlich nur noch bergab gehen konnte. Jetzt kommen Sie nach zehn Jahren als Präsident zum SVWE an einem Punkt zurück, an dem es nach dem zehnten Titel innert zwölf Jahren kaum noch weiter aufwärtsgehen kann.

Reto Luginbühl: Es geht mir in erster Linie nicht darum, sportlich noch erfolgreicher zu werden. Abgesehen davon, dass das zum heutigen Zeitpunkt praktisch unmöglich wäre. Mein Ziel ist es, sportlich und führungsmässig für Konstanz zu sorgen, damit wir sportlich erfolgreich bleiben können, den Breitensport zu fördern und für finanzielle Stabilität zu sorgen.

Wie wollen Sie den Breitensport fördern?

Heute können wir nicht jedem Vereinsmitglied, das spielen will, ein geeignetes Team anbieten. Wir wollen darum im Hobby-Bereich wieder mehr Teams und Spielmöglichkeiten bieten, die sich aber nicht nach einer oder zwei Saisons wieder auflösen, weil die Hälfte der Spieler wieder geht.

Und wie soll das mit der finanziellen Stabilität gehen? Wiler hat trotz Meistertitel in der letzten und vorletzten Saison einen Verlust geschrieben – wenn auch nur einen marginalen.

Budgetiert war eigentlich ein höherer Verlust, daher ist der ausgewiesene Verlust ein Erfolg. Bezüglich der wirtschaftlichen Stabilisierung planen wir auf die nächste Saison hin die Gründung eines Champions-Klubs.

Einen Donatorenklub für den Leistungssportbereich?

Ja genau. Bislang kennen wir so was bei uns nur für den Nachwuchsbereich. Der Champions-Klub soll Firmen und Einzelpersonen offenstehen, die sich in diesem Rahmen begegnen können.

Eine Turnhalle ist aber kein Stadion. Eine VIP-Loge mit Cüpli- und Dinner-Party während des Spiels kann ein Unihockey-Verein seinen Geldgebern nie bieten.

Solange wir diesen Turnhallen-Groove, den unser Sport eben hat, nicht loswerden, werden uns in wirtschaftlicher Hinsicht immer gewisse Grenzen gesetzt sein. Das ist Fakt. Nebst den Spielen werden wir deshalb versuchen, Extra-Begegnungsevents mit der 1. Mannschaft zu organisieren und so auch etwas Spezielles zu bieten.

Die Hornets haben in Moosseedorf eine eigene Halle realisiert – ist das auch Ihr Wunsch?

Wunsch auf jeden Fall und gleichzeitig meine Vision als Präsident. Mein Traum ist, als Präsident eine SVWE-eigene, neue und moderne Unihockeyarena eröffnen zu können. Das könnte uns sowohl punkto Zuschaueraufmarsch wie auch in der Generierung von weiteren finanziellen Mitteln einen Schritt weiterbringen.

Solche Projekte gab es schon.

Ja, aber bis alles passt – sprich Finanzierung, das Land, Bewilligungen, keine Einsprachen etc., braucht es sehr viel Arbeit und auch das nötige Glück.

Sie haben das Budget um 10 Prozent auf 675 000 Franken gekürzt?

Ja, das war nötig, weil wir hinsichtlich der nächsten Saison weniger Sponsoring-Gelder generieren konnten.

Der Meistertitel wurde zuletzt erstmals im Superfinal – in nur einem Spiel also – ausgetragen. Hat das Ihren Verein Geld gekostet?

Meister zu werden, heisst bei uns nicht, gleichzeitig reich zu werden. Die Direktübertragung im Fernsehen war natürlich sehr wertvoll und hat uns weitergeholfen, den Bekanntheitsgrad zu steigern. Für uns als Meister ging die Rechnung letztlich auf. Das hätte aber schon anders ausgesehen können, wenn wir den Superfinal verloren hätten.

Nun findet Anfang September erstmals der Supercup statt, an dem sich die Cupsieger und Meister der vier Hallensportarten Handball, Volleyball, Unihockey und Basketball begegnen. Acht Spiele in zwei Tagen. Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie?

Die Veranstalter hoffen auf mindestens 6000. Ob der Vorverkauf gut angelaufen ist, weiss ich aber nicht.

Könnte die gemeinsame Vermarktung der Verbände ein Zukunftsmodell sein?

Solange wir uns als Verein nicht in Unkosten stürzen, bin ich solchen Ideen gegenüber offen. Warum nicht. Das wäre dann immerhin eine Organisation mit gegen 100 000 Lizenzierten. Allerdings dürfte das sehr schwer werden. Für einen Event wie den Supercup, der unter einem eigenen Label vermarktet wird, ist das sicher möglich. Als grundsätzliche Lösung stehe ich dem aber eher kritisch gegenüber.

Sieben Spieler haben den Verein verlassen. Die Ausländer sind neu, der Trainer auch – was trauen Sie dem SV Wiler-Ersigen nächste Saison zu?

Unsere sportlichen Ziele sind wie immer ambitioniert. Wir wollen den Super- und den Cupfinal bestreiten. Buchhalterisch budgetieren wir allerdings auch diesmal bis und mit dem Playoff-Viertelfinal.

Eine Saison ohne Titel ist für Wiler inzwischen also schon fast eine Pleite?

Ich betrachte es als Privileg, den Druck zu haben, gewinnen zu «müssen» und auch zu können. Um diesen Druck zu haben, muss man zuvor sehr viel richtig gemacht haben.

Einmal kommt der Tag, an dem auch die Gebrüder Hofbauer, die untrennbar mit den zehn Titeln seit 2004 verbunden sind, zurücktreten. Was kommt dann?

Für all die Erfolge steht einzig und alleine die Marke SVWE und nicht einzelne Spieler. Um so erfolgreich zu sein, benötigt es weit mehr als Matthias und Christoph Hofbauer. Aber sie sind zweifelsohne ein wichtiger Teil der SVWE-Erfolgsgeschichte. Wir versuchen, den Jungen sportlich und punkto Umfeld das zu bieten, was nötig ist, damit sie sich zu etablierten NLA-Spielern entwickeln können. Ob allerdings neue Hofbauers oder Zimmermanns daraus werden, weiss niemand.

Aktuelle Nachrichten