Mit dem Rücktritt des polarisierenden Präsidenten Rolf Bieri hat der 48-jährige Unternehmer Gerd Frera beim FC Grenchen die Führung übernommen. «Wem etwas am FC Grenchen liegt, der muss jetzt helfen, denn jetzt haben wir bis zum Sommer Zeit für einen Neubeginn», sagt Frera – und will eine Charme-Offensive starten.

Gerd Frera, seit einer Woche führen Sie den FC Grenchen. Wie ist das passiert?

Gerd Frera: Meine drei Kinder haben vor einigen Jahren begonnen, beim FCG Fussball zu spielen. Bald einmal kamen die Anfragen, ob ich nicht da oder dort mithelfen würde. Ich habe dann die Betreuung der Homepage übernommen. Dann kamen das Marketing und die Kommunikation dazu und schliesslich fragte mich Rolf Bieri, ob ich Vizepräsident werden möchte. Und dann hiess es plötzlich letzte Woche: Herr Vizepräsident, bitte übernehmen sie.

Man hört es ein wenig am Akzent, dass Sie Deutscher sind. Wie hat es Sie nach Grenchen verschlagen?

Ich kam vor 17 Jahren in die Gegend, um zu arbeiten und habe mich dann ganz bewusst für Grenchen entschieden. Ich lebte zunächst mit meiner Familie im Kanton Bern und habe erkannt, dass Grenchen eine gute Gemeinde ist, wo man sich den Wohnraum auch als Familienvater noch leisten kann. «Mir und der Familie gefällt es in Grenchen. Hier leben starke Menschen und die Stadt bietet alles, was man braucht.»

Der FC Grenchen ist in der Krise. Wo sehen Sie das grösste Problem?

Die Finanzen. Den wichtigsten Schritt haben wir aber alle zusammen im Januar an der ausserordentlichen Generalversammlung gemacht. Wir haben das Budget sehr stark und für alle schmerzhaft zusammengestrichen. Wir müssen mit den realistischen Einnahmen den operativen, sportlichen Betrieb zahlen können. Es bringt nichts, jedes Jahr wieder jemanden zu suchen, der bereit ist, ein Loch von 100'000 Franken zu stopfen.

Hat der FCG jetzt überhaupt noch eine konkurrenzfähige Mannschaft auf dem Rasen?

Wegen der nächsten Wochen muss man sich keine Sorgen machen. Wir haben ein Kader von 22 guten Spielern und werden sportlich in der 1. Liga mithalten können. Wir müssen uns aber bereits jetzt überlegen, wie es nächste Saison weitergehen soll.

Von aussen betrachtet scheint beim FC Grenchen nur noch die grossartige Vergangenheit und eine Mannschaft voller Exoten übrig geblieben zu sein.

Die 1. Mannschaft hat eine Art Outsourcing erlebt und der Nachwuchs wurde vernachlässigt. Dieses Rad müssen wir so schnell wie möglich wieder herumreissen. Wir müssen jetzt junge Spieler aus der Region einbauen und gleichzeitig die Ausbildung der eigenen Junioren intensivieren. Die haben in der Zeitung gelesen, dass der FC Grenchen das Geld nicht mehr hat, um auswärtige Spieler zu zahlen. Die haben gemerkt, dass sie jetzt die Chance bekommen, in der 1. Mannschaft zu spielen.

Rolf Bieri sagte, er wolle Platz machen, damit der eine oder andere Sponsor zurückkehrt. Passiert das?

Unter mir wird es keine politischen Diskussionen geben. Wenn jemand helfen will, dann lassen wir ihn helfen und diskutieren nicht über die Person. Wir werden offen kommunizieren. Und wenn man die Leute fragt, dann machen sie auch mit. So wurden uns zum Beispiel für den Cup-Match gegen Xamax 300 Würste gesponsert. Der FC Grenchen muss jetzt eine Charme-Offensive lancieren und Sympathien gewinnen.

Wenn das gelingt, dann sagen die FCG-Mitglieder an der nächsten GV vielleicht, dass Gerd Frera den Verein weiterhin führen soll ...

Dann muss ich meine Frau und meine Kinder fragen, ob sie damit einverstanden sind. Es wird viel vom nächsten Hauptsponsor abhängen, den wir suchen. Wenn der mich als FCG-Präsident will, dann überlege ich es mir. Wenn der neue Hauptsponsor einen anderen Präsidenten vorschlägt, dann trete ich wieder in das zweite Glied.