Die St. Ursenkathedrale im Herzen der Solothurner Altstadt. Das ist der Treffpunkt, den Peter Lemesch vorgeschlagen hat. «Da hinten gibts ein schönes Café», sagt der 35-jährige Deutsche nach der Begrüssung und läuft zielstrebig los. Die wichtigsten Orte in seiner neuen Heimat kennt Lemesch bereits.

Seit rund einem Monat wohnt er während der Woche in einer WG mitten in der Solothurner Altstadt. An den Wochenenden reist er zurück nach Deutschland zu seiner Ehefrau Katrin.

Paradedisziplin 100 und 200 Meter Delphin

Lemesch gefällt Solothurn, vor allem die Altstadt. Dort laufe immer etwas und zudem sei der Arbeitsweg nicht weit. Fünf bis zehn Minuten braucht er, bis er seinen Arbeitsplatz erreicht: das Hallenbad in der Sternengasse. Dort betreut Peter Lemesch als erster fest angestellter Cheftrainer der Swim Regio Solothurn, die Solothurner Schwimmelite.

Aufgewachsen ist Lemesch in Reutlingen, in der Nähe von Stuttgart. Bis er achtzehn war, betrieb er Schwimmen als Leistungssport. Sieben bis acht Mal pro Woche war er im Wasser, hinzu kam das Krafttraining. «Ausser Schule und Schwimmen gab es in dieser Zeit nichts», blickt der 100- und 200-Meter-Delfinspezialist zurück.

Lemesch war erfolgreich, wurde mehrfacher Württembergischer Meister und erreichte an den nationalen Meisterschaften die Finalläufe. Trotzdem beendete er seine Karriere schon früh, vielleicht zu früh. «Mein Potenzial war mit achtzehn sicher noch nicht ausgeschöpft, aber ich denke nicht daran, was hätte sein können.»

Gymnastik-, Sport- und Schwimmtrainer

Lemesch liess den Schwimmsport hinter sich, absolvierte den Zivildienst und begann, Energie- und Recyclingmanagement zu studieren. Er merkte jedoch bald, dass dies nicht das Richtige war, und kehrte zum Sport zurück. Als Sport- und Gymnastiklehrer arbeitete er in Reutlingen und war nebenbei Schwimmtrainer der SSG Reutlingen/Tübingen, seinem ehemaligen Verein.

Einen Deutschen Meistertitel gefeiert

Lemesch trainierte während sechs Jahren die erste Mannschaft und die C-Jugend – ehrenamtlich. Mit den Wettkämpfen am Wochenende stand er bis zu 15 Stunden pro Woche am Beckenrand. Lemesch war auch als Trainer erfolgreich und konnte im letzten Jahr gar mit einem seiner Schützlinge den Deutschen Meistertitel feiern. Doch die Belastung mit Beruf und Trainertätigkeit war enorm. «Ich hatte kaum mehr Zeit, meine Lektionen als Sportlehrer richtig vorzubereiten. Meine Tätigkeit verkam zur Fliessbandarbeit und genügte so meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr. Zudem hatte ich kaum Zeit für mich und meine Frau», sagt Lemesch.

50-Prozent-Pensum

Daher entschied er sich, eine Festanstellung als Schwimmtrainer zu suchen und fand diese in Solothurn. Ein 50-Prozent-Pensum bestreitet er mit der Solothurner Schwimmelite, zusätzlich unterrichtet er Schulklassen. An seine neuen Schützlinge muss er sich erst noch gewöhnen. «Ich weiss noch nicht so genau, wie sie auf harte Trainingseinheiten reagieren oder ob sie beispielsweise spielerische Trainingselemente mögen. Der erste Eindruck war aber sehr positiv. Die Gruppe funktioniert gut und ich werde von allen Beteiligten optimal unterstützt.»

Unbelastet an die Sache heran

Obwohl Peter Lemesch seine Arbeit eben erst aufgenommen hat, kann er schon einige Unterschiede zu seiner Heimat Deutschland feststellen. «Der Leistungsgedanke ist hier etwas weniger ausgeprägt als in Deutschland. Dafür gehen die Schweizer unbelasteter und lockerer an die Sache heran, was auch seine Vorteile hat», sagt der 35-Jährige. Passt ja eigentlich ganz gut zu Peter Lemesch, der sich selbst als humorvollen und menschlichen Trainer beschreibt, der die Lust am Schwimmen und am Leistungssport vermitteln will.