Noch bevor das Spiel in Pruntrut angepfiffen wurde, erreichte Oltens Sportchef Köbi Kölliker eine interessante Nachricht von der Transferfront: Der SC Langenthal vermeldete die Vertragsverlängerung mit seinem Captain Stefan Tschannen um drei weitere Jahre. Für den EHC Olten, der an einer Verpflichtung Tschannens interessiert war, sind das – indirekt – keine schlechten Neuigkeiten.

Weshalb? Nun: Heute wird EHCO-Schlüsselspieler Marco Truttmann zu einer Verhandlungsrunde in Langenthal erwartet. Nach der Verlängerung mit Tschannen dürfte das Lohnbudget der Oberaargauer aber bereits ziemlich ausgereizt sein. Oder zumindest in dem Mass, dass man Truttmann kein unmoralisches Angebot mehr machen wird.

Köbi Kölliker hat seinem besten Schweizer Spieler ebenfalls eine Offerte gemacht und wird sich morgen Donnerstag wieder mit Marco Truttmann treffen. Gut möglich also, dass diese auf den ersten Blick grosse «Transferschlacht» am Ende nicht mehr als ein Scheingefecht zwischen den beiden grossen Rivalen war. Vielleicht taucht aber plötzlich noch ein anderer Interessent am Truttmann-Pokertisch auf? Fortsetzung folgt auf jeden Fall.

Déja-Vu der letzten Playoffs

Grosse Werbung in eigener Sache konnte Marco Truttmann zumindest gestern bei der Playoff-Revanche in Pruntrut keine betreiben. Der Oltner Stürmer hatte in diesem intensiven, hart umkämpften Spiel Mühe, auf Touren zu kommen. Es war wie so oft in Pruntrut. Der HC Ajoie ist ein äusserst unangenehmer Gegner, der einem kaum Raum und Zeit gibt.

Das erste Drittel war für den EHC Olten deshalb wie ein Déja-vu der letzten Playoff-Halbfinalserie. Ajoie drückte, allen voran die Sturmline um die beiden überragenden Ausländer Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen. Devos, der wieder einmal gegen 30 Minuten Eiszeit erhielt, gewann nicht nur fast jedes Bully, sondern auch fast jeden Zweikampf an der Bande.

Die Oltner fanden einmal mehr kaum ein Mittel, die Kreise des Kanadiers wirksam zu stören.
Dass sich das Übergewicht der Jurassier diesmal nicht zuungunsten der Oltner auswirkte, lag vor allem an einem Mann: EHCO-Goalie Dominic Nyffeler zog einen herausragenden Abend ein und brachte die Gastgeber immer wieder zur Verzweiflung. Auf der anderen Seite liess Ajoie-Keeper Elien Paupe einen harmlosen Schuss von Cédric Schneuwly zur schmeichelhaften Oltner Führung passieren (12.).

Die Powermäuse vermochten das Geschehen im weiteren Verlauf des Spiels auszugleichen und kamen ihrerseits immer wieder zu guten Chancen, doch einen Tick gefährlicher wirkten trotz allem immer die Ajoulots. Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass ihnen ausgerechnet Nyffeler mit seinem einzigen Lapsus des Abends den Ausgleich ermöglichte. Der Oltner Keeper liess nach wenigen Sekunden im Schlussdrittel einen harmlosen Schuss von Jonathan Hazen passieren. Was folgte, war ein wildes Hin-und-her. Beide Mannschaften suchten den Siegtreffer, wobei wiederum Ajoie näher dran war. Captain Jordane Hauert hämmerte den Puck knapp drei Minuten vor Schluss an die Latte von Nyffelers Gehäuse.

Marc Grieders Lucky Punch

Als sich fast alle der enttäuschend wenigen Zuschauer (1560) mit einer Verlängerung abgefunden hatten, da zeigten die Oltner mal wieder ihre fast unheimlichen Winner-Qualitäten. Ausgerechnet Rückkehrer Marc Grieder (gab nach einer Verletzungspause sein Comeback), der in über 500 Nationalliga-Spielen bisher erst 30 Tore erzielt hat, profitierte zehn Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit von einem bösen Fehler in der Ajoie-Verteidigung und schlenzte den Puck im Stile eines Goalgetters elegant unter die Latte zum umjubelten Siegtreffer. Es war der nächste Streich der Oltner Überlebenskünstler, die in dieser Saison schon so viele Spiele in extremis gewonnen haben.

Grieder erhielt von seinen Teamkollegen die Auszeichnung zum MVP des Spiels – einen überdimensionalen Boxer-Gürtel. Es passte zum Auftritt der Oltner. Sie kassierten von den Ajoulots ein paar harte Treffer, gingen nicht zu Boden und landeten am Ende selber den entscheidenden K.O-Schlag.

Das Spiel im Liveticker zum Nachlesen: