Fussball
Der nächste Paukenschlag: Der FC Grenchen braucht einen neuen CEO

Nadia Aubry tritt als Vorstandsvorsitzende des Vereins per sofort zurück. Der jungen, angehenden Juristin fehlt die Zeit, um sich neben den beruflichen Verpflichtungen in der Geschäftsleitung des Vereins zu engagieren.

Michael Schenk
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Alexander Wagner

«Beim FC Grenchen ist immer was los» – so könnte – ein zugegeben nicht sehr origineller aber treffender Buchtitel lauten; so denn irgendwann einmal irgendjemand ein Buch über den Traditionsverein schreiben sollte. Die Story wird zusehends komplex. Am 23. Mai wurde den Vereinsmitgliedern im Rahmen einer ausserordentlichen GV eine neue Investorengruppe aus Frankreich vorgestellt. Leute, die bereit sind, dem finanziell angeschlagenen Klub mit «Pulver» und Manpower unter die Arme zu greifen.

Mit Applaus wurden die designierten Heilsbringer vor drei Wochen im Stadion Brühl willkommen geheissen. Im Zuge des Investments einer Gruppe von Geschäftsleuten um den Franzosen Jean-Michel Pradeau (57) – ein gelernter Apotheker und seit 2012 Direktor im Pharmaunternehmen «3 A Pharma SA» in Genf sowie ehemaliger Profi-Fussballer bei Limoges und Bordeaux – kam es an der GV auch zu «Transfers» in der Vereinsleitung. Nebst dem neuen Trainer der 1. Mannschaft und dem Leiter der neuen Fussballakademie, dem 48-jährigen Marokkaner Najib Mehli, nahmen auch der Franzose Alain Marie als Vertreter der Investoren und Verantwortlicher für die Bereiche Marketing, Sponsoring und Events sowie Nadia Aubry als Vorsitzende der Geschäftsleitung und Finanzverantwortliche Einsitz in der fünfköpfigen Geschäftsleitung. Mit Paul Kocher – er ist verantwortlich für Verwaltung, Organisation und Controlling – sowie Darko Selkic (Spielbetrieb) blieben zudem zwei Bisherige in der neuen Führungscrew.

Aufwand unterschätzt

Nun ist klar: Nadia Aubry, die Nichte von Ex-Präsident Rolf Bieri, ist nicht mehr im Vorstand. Ein Paukenschlag. «Mein berufliches Engagement lässt mir keine andere Wahl», sagt Aubry. Die angehende Juristin hat Anfang Monat ein Praktikum begonnen, das sie während den nächsten zwölf Monaten vom Bau- und Justizdepartement, über die Staatsanwaltschaft in Olten, eine Anwaltskanzlei und eine Tätigkeit auf dem Gericht führen wird. Danach stünde die Prüfungsvorbereitung auf das Anwaltspatent an, sagt Aubry. Sie habe den Aufwand vielleicht etwas unterschätzt, gibt sie zu. «Mit der ganzen Umstrukturierung gibt es beim FCG eher mehr als weniger zu tun. Da sind zum Beispiel sehr viele Sitzungen, für die mir schlicht die Zeit fehlt, um immer dabei zu sein.» Und Halbpatziges, das sei nicht ihr Ding. Ergo hat die junge, angehende Juristin die Konsequenzen gezogen und ist aus der Geschäftsleitung des FC Grenchen
ausgetreten.

Da waren es nur noch vier

Vor ihrem «Aufstieg» in die Geschäftsleitung war Nadia Aubry «der Materialwart» der 1. Mannschaft, wie sie selber sagt. «Ich habe Tenues gewaschen und dafür gesorgt, dass es an den Spielen an nichts fehlt.» Eine Rückkehr zu dieser Tätigkeit könne sie sich durchaus vorstellen, meint sie. «Weil dies eben vor allem die Wochenende betrifft.» Fakt ist: Durch den Rücktritt von Nadia Aubry ist die Geschäftsleitung des FC Grenchen auf vier Stimmen reduziert worden. Eine Ersatzfrau oder ein Ersatzmann müsste an einer ordentlichen oder ausserordentlichen GV gewählt werden. «Als Beraterin, wenn es um Rechtsfragen geht, stehe ich dem Verein natürlich weiterhin zur Verfügung», sagt Nadia Aubry. Aber eben nicht mit Stimmrecht in der Geschäftsleitung. «Das ist so», so die nunmehr Ex-Vorstandsvorsitzende des FCG. Damit reden jetzt zwei Vertreter im vierköpfigen Vorstand französisch und zwei deutsch. Der gewichtige, finanzielle Vorteil liegt – und das ist überhaupt keine Frage – eindeutig bei den «Ausländern». Nun, wie heisst es so schön: Geld regiert die Welt oder den FC Grenchen? On verra.