Das Schützenhüsli am Ende des Hornusserfeldes der HG Recherswil-Kiregstetten hat ein knallhartes Wochenende hinter sich. Immer wieder krachen ihm Nousse wie Steine auf den Deckel und sorgen im wahrsten Sinn für einen Dachschaden.

«Ich glaube wir müssen sechs Ziegel ersetzen», hat Anton Schmid, Präsident der Recherswiler Hornusser, mitgezählt. Selbst wenn im Schützenhaus, in weiser Voraussicht, ein Lager an Ziegeln deponiert ist – so viele auf einmal sind denn nun doch selten.

Hochklassiges Derby

Es war insofern ein hochklassiges Derby, welches sich Recherswil-Kriegstetten und Gerlafingen-Zielebach in der viertletzten Runde der NLA-Meisterschaft lieferten. Der noch amtierende Meister und Gastgeber setzte sich dabei mit 0 Nummern und 1500 Schlagpunkten gegen 0 Nummern und 1428 Schlagpunkte durch.

Ein Resultat auf höchstem Niveau – vergleichbar wie wenn Usain Bolt seinen Landsmann Yohan Blake in einen 100-m-Lauf mit 9,63 zu 9,70 Sekunden bezwingt. «So viele Punkte hatten wir in dieser Saison noch nie», sagt Anton Schmid. Den idealen Windbedingungen sei in dem Sinn gedankt.

Allerdings war es nicht allein der Wind, der der 78 Gramm schweren Kunstoff-Scheibe förmlich Flügel verlieh. Bis 360 m weit flog das schwarze Ding. Und: «Wir hatten keinen Fehlstreich», räumt der Präsident ein. Das heisst also, alles Volltreffer am Bock.

Vorherrschaft im Kanton

Nach dem Sieg gegen Zuchwil haben die Recherswiler also auch Gerlafingen im Direktduell besiegt und damit die Vorherrschaft im Kanton bestätigt. Nach dem Schweizer Meistertitel gibts heuer damit quasi als selbstgebastelten Trostpreis die Kantonalmeister-Krone.

Meisterschaftsgold aus dem Vorjahr verteidigen, das kann Recherswil-Kriegstetten definitiv nicht mehr. Zu schwer wiegt die Hypothek, die man sich in Form von zwei Nummern – zwei ins Ries fallengelassene Nousse also – gleich in der ersten Meisterschaftsrunde gegen Wäseli eingehandelt hat.

«Das war sehr hart und hat angehängt», sagt Jürg Oberli. Der ehemalige Spitzenhornusser der HG Zuchwil ist heute Spielleiter des Recherswiler NLB-Teams. Nach der ersten Enttäuschung habe man sich jedoch fangen können und eine tolle Moral bewiesen.

Ein Nummero ist inzwischen zwar noch dazu gekommen, wobei man beim Titelverteidiger für alle drei fallen gelassenen Nousse widerliche Wetterbedingungen als Grund ins Feld führt und nicht etwa suboptimale Arbeit beim Abtun im Ries.

Namen sind streng geheim

Der Titelverteidiger wird die Saison daher irgendwo um Rang zehn beenden. Zu spielen bleiben noch drei Runden. Nächste Saison freilich will man wieder dahin zurück, wo man hergekommen ist. Nämlich vom Siegerpodest.

Vor dem Titel 2012 klassierten sich Recherswil-Kriegstetten in der Meisterschaft einmal auf Rang zwei und zweimal auf Rang drei. Damit dieses Unterfangen souverän gelingen möge, hat man sich bereits mit zwei starken Spielern verstärkt.

«An drei weiteren sind wir dran», sagt Präsident Anton Schmid. Namen jedoch sind streng geheim. Nicht einmal Edward Snowden, der frühere IT-Experte des US Geheimdienstes NSA also, wird sie vor Transferschluss erfahren und so die Chance erhalten, sie eventuell der Öffentlichkeit preiszugeben.

Mit diesen Verstärkungen sowie einem nahezu perfekten Fundament mit erfolgreichem NLB-Team und einer 2.-Liga- und 5.-Liga-Equipe sieht die Zukunft für die HG Recherswil-Kriegstetten rosig aus. Keine guten Aussichten in dem Sinn allerdings für die Ziegel auf dem Schützenhäuschen am Ende des Spielfeldes.