Gestern Nachmittag kurz vor 15 Uhr in der Tennishalle Trimbach. Es finden sich rund 40 Zuschauer ein, die die Erstrundenpartien des ITF Future in Trimbach – ein Profiturnier der untersten Stufe – verfolgen. Auf dem zweiten Platz beginnt das Match zwischen dem Franzosen Nicolas Rosenzweig und dem Deutschen Daniel Brands. Daniel Brands? Da wird der Tennisfan hellhörig. Der Deutsche ist – im Gegensatz zu fast allen anderen Teilnehmern des Turniers – kein unbeschriebenes Blatt.

2013 war das beste Jahr in der Karriere von Daniel Brands. Er schaffte in jener Saison den Durchbruch an die Weltspitze. Der Aufschlagsspezialist aus dem bayrischen Bogen erreichte mit Rang 51 seine beste Klassierung in der Weltrangliste, wurde in die Deutsche Davis-Cup-Mannschaft berufen und spielte bei allen vier Grand-Slam-Turnieren im Hauptfeld mit. Und der
27-Jährige hat gute Erinnerungen an die Schweiz. Vor allem an einen ganz bestimmten Tag. Nämlich an den 25. Juli 2013. An jenem Donnerstagabend feierte er den grössten Sieg seiner Karriere: Er bezwang niemand Geringeren als Roger Federer – und das erst noch bei dessen Heimturnier in Gstaad. «Dieses Match werde ich nie mehr vergessen. Bereits beim Einlaufen ins Stadion hatte ich Gänsehaut. Und was gibt es grösseres, als den wohl besten Spieler der Welt dann auch gleich noch zu bezwingen», so Brands.

Müde und schlapp

Was aber macht ein Spieler dieses Kalibers bei einem so kleinen Weltranglistenturnier wie Trimbach? Der Grund für Brands Teilnahme ist einfach: «Ich war letztes Jahr an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt. Deswegen konnte ich nur ein paar Turniere bestreiten», erklärt der 1,96 Meter grosse Rechtshänder aus Bogen. Er war oft müde und fühlte sich schlapp. An erfolgreiches Tennisspielen war unter diesen Umständen nicht zu denken. «Ein Spaziergang war das Höchste der Gefühle», erinnert er sich. Eine schwierige Situation für einen, der es sich eigentlich gewohnt ist, jeden Tag auf dem Platz zu stehen und zu trainieren.

Aufgrund der Krankheit stürzte er in der Weltrangliste um über 300 Plätze ab. Auf Rang 425 spuckte ihn der Computer Anfang Februar aus. Doch Brands liess sich davon nicht entmutigen. Innerhalb eines Monats verbesserte er sich um beinahe 100 Plätze und steht aktuell auf Position 333. «Körperlich fühle ich mich fit, aber spielerisch bin ich noch weit von meiner Bestform entfernt. Oftmals stehe ich noch nicht richtig zum Ball und mache deswegen ein paar Fehler zu viel», beschreibt er seinen derzeitigen Formstand.

In Trimbach, wo Brands zu den Titelfavoriten zählt, bestreitet er das letzte Hallenturnier. Dann folgt der Wechsel auf Sand und damit verbunden wagt sich der Deutsche auch wieder an die grösseren Turniere heran. In Casablanca, Bukarest und München versucht er sich auf der grossen Bühne der ATP-Tour. «Schliesslich sind es die grossen Turniere, für die ich mich täglich quäle», so Brands. Und wer weiss, vielleicht kann Brands mit einem guten Resultat in Trimbach das nötige Selbstvertrauen für höhere Aufgaben tanken. Der Auftakt ist ihm mit einem souveränen 6:2, 6:0-Sieg schon mal gelungen.