Es ist die spezielle Geschichte eines jungen Bündners, der mit 26 Jahren schon eine ganze Menge erlebt hat. Er hat die Ausbildung zum Marketingplaner erfolgreich abgeschlossen und wacht derzeit als Filialleiter in einem Lebensmittelgeschäft über fünf Angestellte. Vor einigen Jahren ist er sogar der Boss über 15 Leute – damals auch im Food-Sektor. Der Mann aus Schiers sieht seine berufliche Zukunft im Sportmarketing. Im Moment setzt er aber voll auf die Karte Unihockey.

Als 19-Jähriger beendet er seine Spielerkarriere bei Alligator Malans – der Beruf ist ihm wichtiger. Er arbeitet damals in Zug, kommentiert ab und zu Unihockey-Partien fürs Sportradio und lernt an einem Frauen-Spiel Nationaltrainer Felix Coray kennen. Der stellt ihn den richtigen Leuten vor. Als 22-Jähriger wird er Trainer von Zugs NLA-Frauen (zwei Saisons, ein Cupsieg) – ohne vorher je als Unihockey-Coach gearbeitet zu haben. «Connections sind das Wichtigste. Egal, ob im Sport oder in der Arbeitswelt», sagt Thomas von Känel.

«Entscheidungen immer wieder hinterfragen»

Es ist das Jahr 2008. Der Bündner unterschreibt beim grossen Wiler-Ersigen und darf dem grossen Trainer Thomas Berger assistieren. Mittlerweile wohnt von Känel in Kirchberg. Und mittlerweile ist er temporärer Cheftrainer des Serienmeisters, nach dem etwas unschönen, vorzeitigen Abgang Bergers kurz vor den Playoffs. «Für mich ist das kein Problem. Ich bin vom Job her gewohnt. viel Verantwortung zu übernehmen», sagt er. Der 26-Jährige erzählt von der Zusammenarbeit mit Thomas Berger. Klar sei der Thomas ein spezieller Typ. «Aber ich durfte bei ihm auch meine Meinung einbringen – solange es etwas Konstruktives war, hörte er gerne zu. Das wissen viele Leute nicht.» Vor allem in Sachen Details habe er unter Berger viel gelernt. Zum Beispiel? «Entscheidungen immer wieder hinterfragen.»

Thomas von Känel hat Wiler-Ersigen mit 8:1 Siegen souverän in den Playoff-Final geführt. Er mache seine Arbeit genau gleich wie vorher. «Ich will nicht plötzlich den Chef raushängen», sagt er. Er sieht die bisher klaren Siege in den Playoffs nicht primär als seinen Verdienst. Wieder bringt er Thomas Berger ins Spiel. «Er hat die ganze Vorarbeit geleistet. Ich will seine Arbeit zu Ende bringen.» Sprich: Von Känel will im dritten Jahr bei Wiler seinen dritten Meistertitel.

Das grosse Kribbeln

Und den insgesamt siebten Schweizer-Meister-Titel in den letzten acht Jahren, den erwartet die ganze Unihockey-Landschaft. Das bringt den sonst so bedachten Wiler-Headcoach etwas in Rage. «Es ist einfach eine Illusion, dass wir immer gewinnen. Es steckt enorm harte Arbeit dahinter. Titel sind für uns keine Selbstverständlichkeit.» Man werde sehr viel tun müssen, um Alligator Malans zu besiegen. «Für mich ist es der Traumfinal schlechthin. Es gibt nichts Schöneres, als gegen Malans zu spielen», sagt von Känel. Für ihn, der einst bei Alligator spielte und dort noch immer sehr viele Leute kennt. Am Samstag beginnt die Best-of-five-Serie in Kirchberg (19 Uhr). Die Affiche verspricht in der Tat Spannung, Hochspannung. Seit 2004 wurde Wiler-Ersigen nämlich jedes Jahr Schweizer Meister. Mit einer Ausnahme: 2006 rang Malans Wiler nieder und durchbrach so als einziges Team die Dominanz des SVWE.

Es ist das verflixte siebte Playoff-Duell zwischen diesen beiden Teams. Und es ist der Klassiker schlechthin im Schweizer Unihockey. Malans führt mit 4:2 Siegen. «Wenn alles nach Plan läuft und wir unseren Weg durchziehen, dann werden wir Alligator besiegen», sagt von Känel. Er erwartete Emotionen pur. «Es kribbelt schon ganz schön.» Man wolle dem Gegner das eigene Spiel aufzwingen. Wichtig wird in erster Linie sein, dass Wiler den Malanser Paradeblock mit vier Ausländern um Lenker und Denker Essa Jussila entschärfen kann. «Aber wir schauen auf uns und nicht auf sie», betont von Känel nochmals.

Thomas von Känel könnte der erste Wiler-Meistertrainer werden, der nicht Thomas Berger heisst. Aber bereits in der nächsten Saison lässt sich der junge Bündner wieder zum Assistenten zurückbefördern. Dann steht er dem neuen Headcoach Heikki Luukkonen zwei Jahre mit Rat und Tat zur Seite. «Mein Ziel ist schon ein Posten als Trainer bei einem SML-Team. Aber ich bin ja noch jung und kann noch viel lernen.»