«Ja, der ist nicht schlecht», sagten
die Trainer, nachdem der 11-jährige Timon ihnen seine Snowboardkünste vorgezeigt hatte. Damals weilte Timon Renfer in einem Sportlager, als er den Leitern der Boarding Association Bern BABE/Region Nordwestschweiz auffiel. Renfer durfte wählen zwischen den Disziplinen Boardercross und Freestyle. «Im Freestyle war ich weniger gut», sagt Timon Renfer und lacht.

Im Boardercross ist er aber mittlerweile so stark, dass er sich im April bei den U16 den Schweizer-Meister-Titel erkämpft hat. Im kleinen Lengnau, wo Timon lebt, ist er ein Grosser. Kürzlich wählte ihn das Dorf zum Lengnauer des Jahres. «Ich bin schon x-mal gefragt worden, was mir das bedeutet. Und noch nie wusste ich, was ich darauf antworten soll. Aber gefreut hat es mich schon», sagt Timon Renfer über diese Auszeichnung.

Dereinst möchte er auch Siege auf der Piste herausfahren – bei Weltcuprennen oder Olympischen Spielen. Timon weiss aber, dass sogar ein Olympiasieger im Boardercross kaum als Profi leben kann – «vielleicht reichts gerade knapp». Darum ist ihm seine Ausbildung wichtig. Soeben kommt der
16-jährige Lernende der Gemeindeverwaltung Lengnau von der Berufsschule in Biel und erzählt am Mittagstisch von seinem Leben als Sporttalent. Zeit hat er nicht viel und seine Antworten sind wohlüberlegt, aber kurz. Snowboarden sei ihm von Beginn an sympathisch gewesen, sagt er, aber er wisse auch nicht genau, wieso.

Schneller Start als grosse Stärke

Timon Renfers Stärke im Boardercross ist der Start. Praktisch immer sei er als Erster aus dem Starthaus gekommen. «So sind dann alle Wege offen.» Timon mag einfache, schnelle Kurse, solche, bei denen er nicht erst analysieren muss, welche Linie am besten passt. «Am liebsten stehe ich aufs Brett und fahre einfach hinunter.» Meistens ist das bisher aufgegangen.

Im Boardercross gehört oft auch Glück zu einem Sieg. Denn stürzt der Konkurrent vorne, kann der nachfolgende Fahrer manchmal einen Sturz nicht verhindern. Dass er nicht alles beeinflussen kann, fasziniert Renfer an seinem Sport. «Manchmal hat man Pech, und manchmal profitiert man selber vom Missgeschick eines Konkurrenten – das ist halt so.» Sagts und stopft sich ein paar Pommes frites in den Mund.

Im Sommer trainiert der Boardercrosser regelmässig in Saas Fee auf dem Gletscher, daneben schwitzt er im Kraftraum oder im Athletiktraining mit dem Kader. Manchmal unternimmt er eine Biketour mit seinem Klub, dem Ski- und Sportklub Lengnau. Die Wochenenden im Winter verbringt er meistens irgendwo auf der Piste – «ich liebe den Schnee».

Timon Renfer fährt zwar besser Snowboard als die meisten, sonst ist er aber ein gewöhnlicher Teenager. Trotz des häufigen Trainings vermisst er nichts. «In den Ausgang kann ich in Saas Fee ja auch gehen.»