Wie schon beim ersten Aufeinandertreffen im Kleinholz am 2. Oktober, als der EHCO 7:6 gewann, boten die beiden NLB-Mannschaften Spektakel pur, das nichts für schwache Nerven war. Zwar waren die Oltner überlegen und hatten auch ein klares Chancenplus, aber Visp nutzte seine wenigen Möglichkeiten eiskalt und hielt so die Partie bis zehn Minuten vor Schluss offen.

Ja, zu Beginn des Mitteldrittels schien es gar, als könnten die Walliser den Match in ihre Richtung lenken. Denn nachdem sie unglaublich schwach gestartet waren, schon nach 14 Minuten ein Time-out genommen hatten und froh sein mussten, nach dem Oltner Startfeuerwerk nur 0:1 in Rückstand gelegen zu haben (Torschütze Meister in der 12. Minute), lagen die Gäste plötzlich in Führung.

14 Sekunden vor der ersten Pause glich Pittis im Powerplay aus, weil ein missratener Befreiungsschlag von EHCO-Verteidiger Ganz bei Heldstab hängen geblieben war. Und 97 Sekunden nach Wiederbeginn schoss Joss das 1:2, nachdem Forget kurz zuvor alleine vor Tobler gescheitert war. Mit minimalstem Aufwand hatten die Walliser das Maximum herausgeholt, während die Oltner ihren vielen vergebenen Chancen – so scheiterten Truttmann (13. Minute) und Ganz (18.) allein vor Schoder – nachtrauerten.

Stärke in kritischer Phase

Doch just in dieser kritischen Phase besann sich der Leader auf seine alte (Powerplay-)Stärke, die ihn vor der Nati-Pause ausgezeichnet hatte. Und die Oltner konnten sich wieder einmal auf Marco Truttmann verlassen. Denn der Topskorer sorgte mit zwei Toren in Überzahl höchstpersönlich für die Wende. In der 23. Minute (nur 51 Sekunden nach dem 1:2) glich er während einer Strafe gegen Heynen aus. Und als vier Minuten später wiederum Heynen und zusätzlich auch noch Forget draussen waren, nützte Truttmann die doppelte numerische Überlegenheit mit einem Schoder überraschenden Kunstschuss zum 3:2. 115 Sekunden später erhöhte Wüst gar auf 4:2.

Die Oltner kombinierten danach wie im Rausch und wie im goldenen Oktober, als sie der Konkurrenz mit ihrer Siegesserie enteilt waren. Zu den Highlights gehörte während eines Breaks in Unterzahl ein Pirouetten-Pass von Wüst auf Krebs, der jedoch am glänzend reagierenden Schoder scheiterte. Schade nur, dass die Oltner vor lauter Kombinieren das Toreschiessen vergassen – was Visp prompt neues Leben einhauchte. Denn wie aus dem Nichts erzielte Joss in der 36. Minute den 4:3-Anschlusstreffer. Und drei Minuten später tauchte Schüpbach alleine vor Tobler auf, scheiterte aber am EHCO-Goalie.

Wüst erlöst Olten mit Shorthander

Weil die Walliser mit ihren – wenn auch nur sporadischen – Gegenangriffen stets gefährlich blieben, gingen die Oltner das Schlussdrittel bewusst defensiver an. Selbst als Truttmann in der 48. Minute mit seinem dritten Powerplaytor das 5:3 erzielte, war der Match noch nicht entschieden. Erlöst wurden die EHCO-Fans erst durch Wüsts Shorthander zum 6:3 in der 51. Minute. Als Marcon von Head Michael Küng wegen eines Crosschecks auf die Strafbank geschickt wurde, tobte das Publikum noch. Doch nur neun Sekunden später wich der Ärger tosendem Applaus, als Schoder mit seinem einzigen Fehler Wüsts Weitschuss passieren liess.

«Erst dieser Shorthander brachte die endgültige Entscheidung», sagte EHCO-Trainer Scott Beattie. «Doch wir hätten das Spiel mit so vielen Chancen schon früher entscheiden können. Aber es gibt in dieser Liga eben keine einfachen Spiele.»

Michel Zeiters Lob

Derweil trauerte sein Amtskollege Michel Zeiter einer durchaus möglichen Überraschung nach: «Olten ist eine Topmannschaft und hat sicher verdient gewonnen. Aber wir hätten hier etwas holen können. Wegen der zahlreichen Strafen haben wir jedoch viel Energie gebraucht.»

Olten - Visp 6:3 (1:1, 3:2, 2:0)

Kleinholz. - 2709 Zuschauer. - SR: Küng, Ambrosetti/Brunner. Tore: 12. Meister (Marcon, Fretter) 1:0. 20. (19:46) Pittis (Heldstab, Forget, Ausschluss Hirt) 1:1. 22. (21:37) Joss (Dolana) 1:2. 23. (22:28) Truttmann (Sertich, Ausschluss Heynen) 2:2. 27. Truttmann (Tschuor, Ausschluss Forget und Heynen) 3:2. Wüst (Fretter) 4:2. 36. Joss (Brunold, Dolana) 4:3. 48. Truttmann (Annen, Ausschluss Eicher) 5:3. 51. Wüst (Ausschluss Marcon!) 6:3. Strafen: Olten 5mal 2 Minuten, Visp 13mal 2 Minuten plus 10 Minuten für Heldstab (Reklamieren).

Olten: Tobler; Pargätzi, Aeschlimann; Marolf, Meister; Vogt, Ganz; Krebs, Tschuor, Wüst; Fretter, Marcon, Truttmann; Schwarzenbach, Sertich, Hirt; Wüthrich, Annen, Grassi.

Visp: Schoder; Eicher, Heynen; Heldstab, Wiedmer; Schüpbach, Heldner; Altdorfer, Pittis, Kuonen; Furrer, Forget, Brem; Joss, Brunold, Dolana; Keller, Witschard, Zeiter.

Bemerkungen: Olten ohne Kropf, Schild, Parati, Haldimann, Schnyder (alle verletzt), Steiner und Lorenz (beide beim Partnerteam Brandis), Simon Gugelmann (Brandis) Ersatzgoalie; Visp ohne Triulzi, Anthamatten, Rüegg und Mettler (alle verletzt). 13:08 (!) Time-out Visp. Marco Truttmann und Matthias Schoder als beste Spieler ihres Teams ausgezeichnet.