Der Nordwestschweizer Schwinger Bruno Gisler will am Eidgenössischen zum dritten Mal den Eichenlaub-Kranz gewinnen. Das sei nach wie vor sein Ziel, sagt der 30-jährige Senne vom Schwingklub Solothurn und Umgebung. Er ist einer von einem guten halben Dutzend Top-Athleten, welche letztlich «zuoberst auf dem Podest» stehen können. «Der Königstitel ist ein Bubentraum von mir», gesteht der Meisterlandwirt und Industriemechaniker.

Der sympathische Modellathlet (104 kg/190 cm) sagt dies unaufgeregt und professionell an seinem 30. Geburtstag am Firmensitz seines Hauptsponsors in Oensingen. Er gibt auch Details preis, unter anderem, dass für ihn 15 bis 30 Minuten Mittagsschlaf zum Tagesablauf gehören. «Das wird auch am Eidgenössischen so sein». Er fühle sich danach jeweils «wie neugeboren», sagt Gisler, der am Sonntag den Schwägalpschwinget, das letzte Kranzfest vor Burgdorf, bestreiten wird.

Tagwache um 5.30 Uhr

Die noch verbleibenden Tage bis Burgdorf laufen für den Vater dreier Kinder geordnet ab. «Um 5.30 Uhr ist bei mir immer Tagwache, auch an Wettkampftagen. Ich brauche eine Tagesstruktur», kommentiert der Cordonbleu-, Nudel- und Rivellaliebhaber, der festhält, dass Freitage jetzt Gift für ihn wären. «Ferien wären in der jetzigen Situation das Schlimmste für mich.»

Er wird deshalb weiterhin an zwei bis drei Tagen in einem Teilpensum als Industriemechaniker und als Landwirt auf dem elterlichen Betrieb arbeiten. «So gesehen komme ich locker auf mindestens ein Hundert-Prozent-Arbeitspensum.»

Der 93-fache Eichenlaub-Gewinner und 16-fache Kranzfestsieger hat seit seinem Triumph am Innerschweizerischen Teilverbandsfest erfahren dürfen, dass er medial gefragter denn je ist. «Das Interesse hat massiv zugenommen, sodass ich handeln musste.» Er wird bis Burgdorf deshalb keine Medientermine mehr wahrnehmen. «Ich zähle auf ihr Verständnis», sagt der mit Evelin verheiratete Liebhaber von Süssigkeiten.

Am Geburtstag sei er diesbezüglich reich beschenkt worden. «Meine Frau hat mir unter anderem fünf Kilo Lindorkugeln geschenkt», freute sich der Senne, der den Kurz, den Gammen und den Hüfter als seine bevorzugten Schwünge bezeichnet.

Nervosität kennt er nicht

Gisler hat eine professionelle Einstellung, wie sie im Schwingsport selten vorkommt. «Ich überlasse nichts dem Zufall.» Er trainiere seit letztem Winter beschwerde- und unfallfrei unter der Leitung von Andreas Lanz. Er sagt auch, dass ihm sein Gewicht, das mit 104 kg im Vergleich zur Konkurrenz gut 20 kg weniger beträgt, Vorteile bringe. «Meine Schnelligkeit und Spritzigkeit sind zwei meiner Trümpfe.» Seine mentale Stärke ist ebenfalls beeindruckend.

Er ist vor keinem Gang, vor keinem Fest nervös. «Das kenne ich nicht», sagt Gisler unerschrocken. Er weiss schliesslich, dass dies wichtig sein kann, vor allem beim Anschwingen in Burgdorf. «Wir rechnen dort mit Kilian Wenger oder Christian Stucki», blickt Eidgenosse Thomas Zindel, Freund und Betreuer von Gisler, voraus. Zindel sagt, dass Gisler jeden Gegner schlagen kann. «Das zeigte sich auf dem Weissenstein und am Nordwestschweizerischen, wo Bruno Schwingerkönig Arnold Forrer beziehungsweise Matthias Sempach ins Sägemehl bettete.»

Frau als Geschenk des Himmels

Bruno Gisler, der gegenüber dem Eidgenössischen 2010 in Frauenfeld massiv zugelegt hat, sagt, dass er klar besser sei als vor drei Jahren. Das liege am Umfeld, an der Familie. Es sei ein Geschenk des Himmels gewesen, dass er einst seiner Evelin über den Weg gelaufen sei, bedankt sich der Königsanwärter bei seiner Frau.

Diese wisse auch, was er bezüglich Ernährung benötige. «Am Samstag stehen immer Teigwaren und Fleisch auf dem Speisezettel und als Bettmümpfeli eine Glace.» Während des Schwingfestes ist vieles tabu. «Ich geniesse dann nur leichte Kost, unter anderem Bananen und Shakes.» Dass in seiner Sporttasche immer auch Schokolade griffbereit liege, erwähnt Gisler nur beiläufig.