Swiss-League-Playoffs
Der Holzfäller mit Mitreisser-Qualitäten: Wie MacGregor Sharp den EHC Olten auf die Erfolgsspur bringt

MacGregor Sharp war am Mittwoch in Spiel eins der entscheidende Torschütze in der Verlängerung. Der 32-jährige Kanadier erfüllt nicht nur alle Kanada-Klischees, er hat auch grosse Mitreisserqualitäten und sagt, was ihn zum EHC Olten geführt hat.

Silvan Hartmann
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Schiesst wichtige Tore: Der 32-jährige Kanadier MacGregor Sharp (rechts), von den Teamkollegen geschätzt, geht voraus. Freshfocus

Schiesst wichtige Tore: Der 32-jährige Kanadier MacGregor Sharp (rechts), von den Teamkollegen geschätzt, geht voraus. Freshfocus

Marc Schumacher/freshfocus

Wer MacGregor Sharp kennen lernt, sieht in ihm unweigerlich den typischen Kanadier: stämmig, muskulös, bärtig – mit Gardemassen: 1,85 m gross, 85 kg schwer.

Und dazu ein Charaktertyp, der aufzeigt, wo es langgeht, und Teamkollegen auch dank seines ausgeprägten Puckriechers in entscheidenden Momenten mitreissen kann.

Auch neben dem Eis erfüllt der 32-jährige Kanadier die gängigen Klischees aus Übersee: MacGregor Sharp, der Holzfäller aus den Wäldern Kanadas?

Er muss lachen. «Ja, das könnte ich sicher. Aber noch lieber gehe ich in meiner Heimat campen und fischen, um Kraft zu tanken», sagt er.

Doch bis es so weit ist und er sich in Kanadas Natur ausruhen kann, dürften noch einige Tage vergehen. Ihm ist es noch so recht, dauert die Saison an und darf er solch unvergessliche Hockeyabende erleben wie am Mittwoch in Langenthal: Mit seinem 4:3-Treffer in der Verlängerung erlebte Sharp pure Glücksmomente und brachte den EHC Olten trotz des späten 3:3-Gegentreffers 19 Sekunden vor Schluss doch noch auf die Erfolgsspur dieser Halbfinal-Derby-Serie.

Voller Adrenalin habe es denn auch seine Zeit gedauert, bis er am Mittwochabend, zu Hause angekommen, Schlaf gefunden habe, verrät er auf Nachfrage.

«Wie immer nach einem Spiel habe ich etwas Mühe, einzuschlafen. Aber ich war dann doch sehr müde. Wir hatten viel gespielt, weshalb ich dann doch gut schlafen konnte.»

MacGregor Sharp nach seinem ersten Tor im Dress des EHCO im Spiel gegen den HC Thurgau

MacGregor Sharp nach seinem ersten Tor im Dress des EHCO im Spiel gegen den HC Thurgau

Marc Schumacher/freshfocus

Meister in Italien und Österreich

Achterbahn-Emotionen wie am Mittwoch gehören beim EHC Olten in dieser Saison zum Alltagsgeschäft – ein Auf und Ab. MacGregor Sharp stiess unmittelbar vor Playoffbeginn zum EHC Olten. In einer Phase, in welcher die Powermäuse nicht vor Selbstvertrauen strotzten.

Tempi passati. Er sei wohl zu einem idealen Zeitpunkt zum Team gestossen, meint MacGregor Sharp: «Es war wie eine Aufbruchstimmung, wie ein Start in eine neue Saison. All das, was man in der Qualifikation erlebte, konnte das Team exzellent hinter sich lassen. Das hat dem Team sicher gutgetan», so Sharp.

Und er betont: «Aber ich hatte nie das Gefühl, dass hier etwas nicht rund laufen sollte. Das Team hat grosse Qualitäten und grosses Potenzial. Zudem waren alle immer gut gelaunt, versuchten, das Positive mitzunehmen. Ich traf auf eine intakte Einheit, die mich sehr einfach aufgenommen hat», sagt Sharp.

Der Augenblick, in welchem MacGregor Sharp, umringt von Gegenspielern, das Siegtor in der Verlängerung erzielte.Freshfocus

Der Augenblick, in welchem MacGregor Sharp, umringt von Gegenspielern, das Siegtor in der Verlängerung erzielte.Freshfocus

Urs Lindt/freshfocus

Er muss es wissen: Denn der 32-Jährige hat schon manche Eishockey-Garderobe gesehen. 2009 schnupperte Sharp, der genauso wie Ex-EHCO-Söldner Justin Feser in Red Deer zwischen Edmonton und Calgary aufgewachsen ist und mit ihm noch heute die Sommertrainings verbringt, für acht Spiele NHL-Luft bei den Anaheim Ducks.

«Ich bin unglaublich stolz und dankbar, konnte ich die NHL-Erfahrungen sammeln. Aber ich musste auch ehrlich zu mir selber sein und eingestehen, dass es nicht für eine langfristige NHL-Karriere reichen sollte», erzählt Sharp sympathisch bodenständig.

Seis drum: Es ergab sich nach vier Spielzeiten in der AHL die Möglichkeit, bei Bolzano in Italien erstmals europäisches Eishockey zu spielen. MacGregor Sharp wurde sensationell italienischer Meister und erlebte mit Bolzano auch jene turbulente Zeit, als der italienische Verein 2013 in die österreichische Liga wechselte.

Doch nach einem Abstecher in die DEL zu Schwenningen («Das war ein hartes Jahr, weil nichts funktionieren wollte»), schloss er sich den Vienna Capitals an. Als Höhepunkt der zweieinhalbjährigen Zeit in Wien marschierte Sharp in der letzten Saison mit seinen Teamkollegen ungeschlagen durch die Playoffs bis zum Titel. Erinnerungen, die für immer bleiben. «Eine wunderschöne Zeit», sagt er.

MacGregor Sharp (r.) im Gespräch mit dem nimmermüden Kämpfer und Antreiber Silvan Wyss.

MacGregor Sharp (r.) im Gespräch mit dem nimmermüden Kämpfer und Antreiber Silvan Wyss.

Freshfocus/Marc Schumacher

Doch irgendwann schliesse sich jedes erfolgreiche Kapitel, meint Sharp. Es sei dann vor einigen Wochen die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen.

Einerseits, weil das Team, aber vor allem viel mehr er selber an einem Punkt angelangt sei, an dem man stagnierte.

Und so strebte er einen Wechsel an. Wohl nicht zuletzt, um irgendwo in Europa noch einmal eine Meisterfeier erleben zu dürfen.

Vielleicht mit dem EHC Olten? «Wer weiss – dieses Team hat alles, um erfolgreiche Playoffs zu spielen. Doch wir alle wissen, dass es ein harter Weg ist und wir Spiel für Spiel nehmen müssen.»

Er habe nun in vier Wochen EHCO realisiert, dass insbesondere von den Ausländern noch grössere Impulse in der Offensive erwartet werden.

«Ich bin einer, der genauso viel Wert auf die Defensive legt wie auf die Offensive. Daher ist es für mich eine grosse Challenge, noch mehr offensive Chancen zu kreieren. Aber ich habe sie gerne angenommen», sagt Sharp. Und ganz offensichtlich in kürzester Zeit bereits Früchte trägt.

MacGregor Sharp fühlt sich wohl beim EHC Olten. So wohl, dass nun sogar trotz Playoff-Kurzabenteuer seine italienische Frau mit ihrem gemeinsamen Kind am vergangenen Wochenende dazugestossen sind. Kann er sich ein längerfristiges Engagement vorstellen?

Sharp: «Ich möchte mich jetzt auf die Playoffs konzentrieren. Alles andere würde mich ablenken. Wir werden sehen, was die Zeit bringt.»

Klar ist, dass die vereinte Familie Sharp vielleicht ganz unbewusst auch eine weitere Botschaft sendet: Die Saison soll beim EHCO noch lange dauern.

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