Geschickt balanciert Laura Sirucek den Ball auf dem Daumen. «Das mache ich jeweils, bevor ich serviere. Das ist zu einer Gewohnheit geworden», sagt die Aussenangreiferin lachend und fügt an: «aber das geht nur mit dem Linken - obwohl ich Rechtshänderin bin.» Dass die Oltnerin über ein ausgezeichnetes Ballgefühl verfügt, kommt nicht von ungefähr.

Schliesslich ist sie eine der besten Schweizer Volleyballspielerinnen und fester Bestandteil der Road to EM 2013-Equipe. Seit der Projekt-Lancierung vor vier Jahren laufen die Vorbereitungen der Nationalmannschaft für die Europameisterschaft in Zürich auf Hochtouren. Der Countdown auf den grossen Höhepunkt läuft, am 6. September steht das Auftaktmatch gegen Italien, den zweifachen Europameister und Favorit des B-Pools an. «Endlich ist es soweit. Ich kann es kaum erwarten zu spielen, denn wir haben so lange gearbeitet. Jetzt wollen wir zeigen was wir können», sagt die 23-Jährige und sprüht dabei nur so vor Energie.

Gutes Organisationsvermögen gefragt

Obwohl das Gastgeberteam während der Vorbereitungszeit auch viele Tiefen durchstehen musste, fanden Sirucek und ihre Nati-Kolleginnen immer wieder einen Weg, neue Kraft und Motivation zu tanken. «Es gab Phasen, in denen wir dachten, dass wir nie an das Niveau herankommen würden. Da wir aber schon seit vier Jahren zusammen trainieren, ist der Rückhalt untereinander enorm.»

Klar habe es auch Streit und Konkurrenzkampf gegeben, das sei in einer Equipe, die während mehrerer Monate pro Jahr tagtäglich eng zusammenarbeitet, normal. «Wir sind aber mittlerweile gute Freunde geworden», klärt die Biologiestudentin der Universität Zürich auf. Dank eines reduzierten Studienpensums und eines guten Organisationsvermögen meisterte Sirucek die vier Sommermonate, die sie jeweils mit der Nationalmannschaft im Stützpunkt Zürich-Oerlikon verbrachte bravourös. «Es sind die kleinen Momente wie ein gutes Training oder ein gutes Spiel, die mich stets angetrieben haben», sagt die Oltnerin rückblickend und fügt gleich an: «und meinen Ehrgeiz. Für mich ist nach der EM noch lange nicht Schluss. Ich weiss, dass ich noch mehr geben kann.»

Auftaktspiel gegen Top-Favorit Italien

Dass die Volleyballspielerin nach der Heim-EM ihr Potenzial weiterhin ausschöpfen will, liegt auch daran, dass sie in ihrer ersten Saison beim NLA-Verein Kanti Schaffhausen den Vize-Meistertitel geholt hat: «Wir haben sehr gut abgeschlossen. Es hat Spass gemacht und mir Selbstvertrauen gegeben. Ich habe gleich für ein weiteres Jahr unterschrieben.»

Zuvor gilt für sie jedoch mit der Nationalmannschaft ernst; Weltmeister Italien wartet im ersten Vorrundenspiel auf. «Wenn man das erste Match gegen einen stärkeren Gegner hat, dann kann man für den Überraschungseffekt sorgen und sich an die Atmosphäre gewöhnen. Für uns ist aber das Spiel gegen Frankreich das Highlight. Dort müssen wir unsere beste Leistung erbringen», sagt die temperamentvolle Sirucek und jongliert ein letztes Mal den Ball mit dem Daumen.