Radsport
Der Grundstein für die Zukunft ist mit dem Velodrome in Grenchen gelegt

Die Nationalmannschaft um Trainer Daniel Gisiger hat in Grenchen perfekte Bedingungen, um die Jugend zu fördern. Für die Olympischen Spiele 2016 gilt die Qualifikation als Ziel, für Tokio 2020 gibt sich Gisiger schon selbstbewusster.

Fabian Kleeb
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Blickt positiv nach vorne: Daniel Gisiger bei der Fahrerbesprechung mit Youngster Silvan Dillier. Bieri

Blickt positiv nach vorne: Daniel Gisiger bei der Fahrerbesprechung mit Youngster Silvan Dillier. Bieri

Marcel Bieri

Die Liste der Vorzüge des neu gebauten Velodromes ist lange, sehr lange sogar. Vorgestern fand bereits das zweite Donnerstag-Abendrennen, an welchem unter anderem die Schweizer Meisterschaft der Mannschaftsverfolgung ausgetragen wurde, statt (siehe Kontext). Nati-Coach Daniel Gisiger, der in Biel aufwuchs, war als Zuschauer ebenfalls mit dabei. Angesprochen auf die Verbesserungen, von welchen die gesamte Nationalmannschaft ab sofort profitieren kann, kommt er ins Schwärmen und spricht von einem «Geschenk für uns».

«Wir hatten bereits in Aigle gute Voraussetzungen, allerdings fühlten wir uns dort nie richtig heimisch. Dazu kommt, dass die Bahn lediglich 200 Meter lang war», sagt der zurzeit in Leysin wohnhafte Gisiger. Hier in Grenchen ist nun alles besser: Die Länge der Bahn entspricht mit 250 Metern dem Standard internationaler Wettkämpfe. Dazu kommt die geografische Lage. «Grenchen ist zentraler gelegen und zeichnet sich durch die Nähe zum Leistungszentrum Magglingen aus», erklärt der seit 2007 amtierende Nationaltrainer.

Grossanlässe in der Schweiz

Mit dem Prunkstück in Grenchen ist es für die Schweiz möglich, endlich wieder Austragungsort von Grossanlässen im Bahn-Radsport zu sein. «Die infrastrukturellen Voraussetzungen sind gegeben, jetzt hoffen wir, möglichst bald eine Europameisterschaft durchführen zu dürfen. Nach einer erfolgreichen EM wäre auch eine WM denkbar», sagt Gisiger. Am Standort Grenchen schätzt er, der in seiner aktiven Karriere eine Etappe der Tour de Suisse und gleich vier Mal die Zürcher Sechstagerennen gewann, auch das Publikum: «Das ist doch ein toller Zuschaueraufmarsch für ein Donnerstag-Abendrennen. In Kürze wird sich so ein wahres Kennerpublikum bilden.»

Den letzten Olympia-Sieger stellte die Schweiz im Jahre 1980. Damals triumphierte Robert Dill-Bundi in Moskau in der vier Kilometer langen Einzelverfolgung. Daniel Gisiger, ein guter Freund von Dill-Bundi, kann sich noch sehr gut an diese Zeit erinnern. Denn auch Gisiger selbst bestritt mit dem späteren Olympia-Sieger Rennen und gewann mit ihm in der Mannschaftsverfolgung 1977 die WM-Bronzemedaille. Seit Dill-Bundis glanzvollem Sieg hat der Schweizer Bahn-Radsport an Olympia kaum mehr für Aufsehen gesorgt. Die Silbermedaille von Risi/Marvulli in Athen 2004 war der einzige Lichtblick.

Reifer werden für den Erfolg

«Wir haben viele starke Athleten, die heute noch sehr jung sind», sagt Gisiger. Man darf also von einer goldenen Generation sprechen.

Zu dieser gehören unter anderen Stefan Küng, Drittklassierter des diesjährigen WM-Rennens in der Einzelverfolgung. Auch Tom Bohli, notabene Junioren-Weltmeister, Olivier Beer oder Silvan Dillier zählt Gisiger dazu. Ob diese Fahrer bereits für Medaillen bei Olympia 2016 in Rio gut sind, bezweifelt der 59-Jährige. Unter anderem dank den hervorragenden Trainingsmöglichkeiten im Velodrome Grenchen sollte aber zumindest die Qualifikation für Rio möglich sein. «Ein Rang in den ersten fünf wäre hervorragend.» Die Ziele für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 werden selbstbewusster formuliert. «Bis dann wird die junge Nati reifen und hoffentlich eine Medaille sammeln können.

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