Vom «Sprint» an den Berg – so die Affiche der Solothurner Berglauf-Weltmeisterin Martina Strähl. Vergangenen Sonntag lief die 29-Jährige am Schweizer Frauenlauf auf Platz 4 hinter der äthiopischen Siegerin Helen Tola Bekele sowie Steeple-Schweizer-Rekordhalterin Fabienne Schlumpf und Marathon-Rekordlerin Maja Neuenschwander. Ein respektables Ergebnis, doch Strähl zeigte sich wenig zufrieden.

«Diese 5 km waren ein Geknorze ab dem ersten Meter, ein Kämpfen, Mich-Überwinden.» Dass sich der Rückstand von 38 Sekunden auf die Siegerin, von 33 auf die Zweitplatzierte und 22 auf die Dritte in Grenzen hielt, vermochte sie so als «kleinen Erfolg» zu werten. Doch zur wahren Bestätigung, zum Gefühl, «mich auf dem richtigen Weg zu wissen», kam sie nicht. Wichtig erschienen wäre ihr dies im Hinblick auf ihren Start an den Europameisterschaften von Mitte Juli in Amsterdam über die Halbmarathon-Distanz.

Doch eine zweite Möglichkeit bietet sich Strähl am Sonntag beim Grenchenberglauf. Grundsätzlich anders: steil statt coupiert, lang statt kurz, Naturstrasse statt Asphalt. Für die Langstreckenspezialistin spielt dies eine Rolle, wenn auch eine untergeordnete: «Nach dem Frauenlauf in der sehr hohen Intensität schätze ich die gut viermal so lange Renndauer und die anspruchsvolle Topografie», sagt sie.

Sie hat diesen an sich überraschenden Startentscheid am Berg bewusst gewählt. Als Bergläuferin profilierte sie sich, bevor sie den Schritt in die Ebene gewagt hat. Und das Heimrennen – «am Grenchenberg bin ich oft mit dem Velo unterwegs» – schätzt sie. Zudem errang sie letztes Jahr auf dieser Strecke den Schweizer-Meister-Titel im Berglauf.

Als «sehr abwechslungsreich, fordernd und vielseitig» schätzt Strähl die 12 km mit den 800 Höhenmetern ein. Da spielten die Kraft, die Kondition und das Umstellen, wenns zwischenzeitlich flach wird, eine entscheidende Rolle. Und im Gegensatz zum Frauenlauf freut sich Martina Strähl auf starke Männer, in deren Schlepptau sie sich begeben kann. Ob viele bis zuletzt mithalten können?

Nach 2006, 2007 und seit 2011 ununterbrochen ist Martina Strähl im traditionellen Rennen zur Jura-Toptour-Wertung als Siegerin eingelaufen. Nicht weniger als sieben Triumphe bei ebenso vielen Starts resultierten. Und letztes Jahr ragt heraus. Der Sieg war verbunden mit dem Gewinn des Schweizer Berglauf-Meistertitels sowie mit einem hochklassigen Streckenrekord von 57:29 Minuten – neuntbeste Zeit bei den Männern. Nun sagt sie: «Diese Zeit dient als Massstab». Ein aufbauendes Ergebnis würde ihr im Hinblick auf den Saisonhöhepunkt in Holland Auftrieb verleihen.

Bei den Männern setzte Matthias Kyburz letztes Jahr mit 51:46 Minuten die Messlatte ebenfalls sehr hoch. Im Gegensatz zu Strähl muss der zweifache OL-Europameister vom Mai in Tschechien aus terminlichen Gründen passen. Die Frage lautet: Wer wird sein Nachfolger und in welcher Zeit?

Wohl weniger Läufer

Weil in diesem Jahr keine Meisterschaft integriert ist, gehen die Organisatoren von einer etwas kleineren Läuferzahl aus als den 550 vom Vorjahr. Auch die Qualität des Feldes dürfte nicht mehr dieselbe sein. Weil Nachmeldungen bis eine Stunde vor dem Start möglich sind, lässt sich keine exakte Prognose in diesen beiden Punkten stellen. Klar ist aber: Bei idealem Laufwetter, trocken und nicht zu heiss, dürften wiederum 450 bis 500 an die Aufgabe herangehen, und der eine oder andere Spitzenathlet dürfte dem Beispiel von Strähl folgen – mit der Aussicht auf eine finale Belohnung: einem wunderbaren Blick ins Aaretal, auf die Jurakette, aber auch in die Alpen.

Start: 10 Uhr beim Haldenschulhaus. Zielschluss auf dem Untergrenchenberg: 12.45 Uhr. Infos: www.grenchenberglauf.ch