Für den SC Langenthal ist die Rolle des Gejagten neu – entsprechend tun sich die Oberaargauer derzeit etwas schwer in ihrer Bestimmung. Ganz anders sieht die Situation beim Erstligisten Zuchwil Regio aus. Die Solothurner feierten letzte Saison zum wiederholten Mal den Zentralmeister-Titel und wollen heuer dem Gesetz der Entwicklung folgend zum dritten Mal Amateur-Schweizer-Meister werden. Deshalb der Tipp von Zuchwil-Coach Stefan Gerber, einst NLB-Spieler in Langenthal, an die Adresse seines Kollegen beim SCL: «Der Gejagte zu sein ist ein Adelsprädikat – eine Rolle, die man sich verdienen muss.»

Heisst also: Sei stolz, wenn du für die Konkurrenz das Zentrum der Zielscheibe bist. «Wir betrachten dies als Motivation und nicht als Belastung.» Zuchwil-Regio wird in der morgen Samstag beginnenden Meisterschaft der Zentralschweizer Erstliga-Gruppe einmal mehr die «équipe à battre» sein. «Alles andere, als da anzuknüpfen, wo wir letzte Saison aufgehört haben, wäre untertrieben», sagt Gerber bestimmt. Ja, es darf sogar noch ein bisschen mehr sein. Einen meisterlichen Tick mehr, als «nur» Teilnehmer der Meisterrunde zu sein. Der omnipräsente Vereinspräsident Walter Ulrich würde im Frühjahr nur zu gern einen weiteren, schönen Pokal in seiner schönen Garage in Lohn-Ammannsegg aufstellen und den Kübel regelmässig persönlich abstauben.

Breiter, tiefer und professioneller

Die Mannschaft sei breiter und vom Leistungspotenzial tiefer geworden, sagt Gerber. «Wenn alle fit sind, können wir nicht alle für ein Spiel aufbieten.» Allein dieser Konkurrenzkampf sei gut. Mit Simon Pfister von den Basel Sharks, der den aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Beat Ackermann ersetzt, haben die Zuchwiler die Schlüsselposition des Torhüters auf hohem Niveau ebenbürtig ersetzt. Und auch in der Defensive konnte der Titel-Aspirant mit Mirco Blumenthal, Dominic Lüthi und Ralph Prinz deutlich an Substanz zulegen.

Die designierte Rolle des Abwehrchefs gebührt nominell dem 25-jährigen Dominic Lüthi, der mit der Erfahrung von sechs NLB-Saisons beim SC Langenthal, beim EHC Basel und zuletzt dem EHC Olten zu «Zuchu» gewechselt ist. Der bisherige Olten-Verteidiger, der Zuchwil den Vorzug gegenüber Ajoie gegeben hat, studiert in Bern und lässt sich da zum Oberstufen- und Sekundarlehrer ausbilden. «Noch haben wir uns nicht so gefunden, wie ich mir das vorstelle», hält Gerber zur Zusammenarbeit mit seinem Routinier fest. Doch im Verlauf der Saison werde das wunderbar klappen, ist der Coach überzeugt. Von oben nach unten zu kommen ist eben nicht a priori einfacher als umgekehrt.

Videomann neu im Staff

Nebst den personellen Rochaden hat man bei Zuchwil-Regio viel Wert auf Professionalisierung hinsichtlich Umfeld gelegt. Sei es etwa punkto Outfit, Garderoben-Einrichtung, Krafttrainings-Prozess oder Videoanalyse. Für Letzteres wurde extra ein neuer Posten im Staff geschaffen. Die Konkurrenz, die erneut primär aus Wichtrach, Lyss, Burgdorf und Zunzgen kommen dürfte wird sich also warm anziehen müssen, um Zuchwil am Ziel zu hindern.