Es war am 21. Juli 1988. In der Gaststube des Hotels Engel in Liestal fand sich eine verschworene Gruppe Reitbegeisterter ein. Sie waren erschienen, um den Pferdesportverband Nordwestschweiz (PNW) ins Leben zu rufen. Zu den treibenden Kräften hinter dem Projekt gehörten Leonhard Gysin, Guy Sarasin und Eric Oppler. Nötig wurde die Gründungsversammlung, weil der Schweizerische Verband für Pferdesport (SVPS) nur noch Verbände als Ansprechpartner akzeptierte und nicht mehr einzelne Vereine.

Was in den Räumlichkeiten in Liestal beschlossen wurde, hat sich in 25 Jahren zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Der PNW zählt mittlerweile 2300 Einzelmitglieder und ist aus anfänglich acht Vereinen auf 28 angewachsen. Tendenz leicht steigend. «Das ist nicht selbstverständlich», stellt Regula Estermann erfreut fest. Die Agronomin übernahm vor zwei Jahren das Präsidium von Hektor Luder und setzt sich wie ihre Vorgänger mit grossem zeitlichem Engagement für die Anliegen des PNW ein.

Grosse Beliebtheit in der Schweiz

Der Pferdesport in der Schweiz erfreut sich grosser Beliebtheit. Rund 70 000 Pferdesportler sind dem SVPS angeschlossen. Erfolge wie der Olympiasieg von Steve Guerdat und jüngst der zweite Platz der Bubendorferin Janika Sprunger am Grand Prix von Aachen sorgen für zusätzliches Interesse in der Öffentlichkeit. Solche Meldungen freuen Regula Estermann ebenfalls.

Sie betont jedoch, dass dies die Spitze des Eisbergs sei. Im PNW sind insgesamt 10 Disziplinen vereint. «Die Aufgabe liegt darin, nach innen unsere Basis zu stärken. Und nach aussen das Image des Pferdes zu fördern.» Noch immer haftet den «Rösselern» zuweilen das elitäre Etikett an. «Es bröckelt langsam, aber die Vorurteile gibt es nach wie vor», so Estermann. Nicht zuletzt deshalb existiert ein Reiterknigge. «Eine Anleitung, wie man vom hohen Ross herunterkommt», lacht die 56-jährige Präsidentin.

Jüngster Regionalverband

Der PNW ist der jüngste der fünf Regionalverbände, die dem SVPS angeschlossen sind. Gegen die Übermacht aus der Ostschweiz, Zentralschweiz und Westschweiz verschaffen sich die Nordwestschweizer trotz ihrer Jugendlichkeit Gehör. «Der PNW ist sehr jung, aber das ist auch einer seiner Vorteile. Er kann es sich erlauben, Fragen zu stellen und neue Vorschläge einzubringen», erklärt SVPS-Präsident Charles F. Trolliet.

Für Estermann und ihre Vorstandskollegen sind die Worte von Trolliet Ansporn und Bestätigung. «Der Pferdesport hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Das Angebot ist breiter geworden. Die Herausforderung besteht darin, junge Leute für den Sport zu begeistern», erklärt die Sissacherin. Das Wachstumspotenzial ist vorhanden. Schätzungen gehen davon aus, dass nur 40 Prozent der in der Nordwestschweiz aktiven Reiterinnen und Reiter dem PNW angehören. «Es lohnt sich also, weiterzumachen und das Ansehen des Pferdes zu fördern», sagt Regula Estermann. Damit der Geist aus der Gaststube im Engel erhalten bleibt.