Fussball
Der FC Solothurn will die Turbulenzen der letzten Saison vergessen

Das Team des neuen Trainers Patrick Grolimund startet gegen Grenchen in die Saison. Nicht weniger als 16 Spieler des aktuellen Kaders von 22 Spielern, stammen aus dem eigenen Nachwuchs. Mit ihnen will sich Grolimund in der 1. Liga Classic behaupten.

Hans Peter Schläfli
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Der Trainer und seine Lenker: Patrik Grolimund (blaues Tenü) gibt den Spielern die nötigen Anweisungen.

Der Trainer und seine Lenker: Patrik Grolimund (blaues Tenü) gibt den Spielern die nötigen Anweisungen.

Hans Peter Schläfli

Der erste Eindruck kann täuschen: Patrik Grolimund wirkt zurückhaltend, ruhig, fast etwas scheu; er spricht sanft und mit gut gewählten Worten. Aber kaum ist er auf dem Rasen, dann leitet er das Training mit lauter Stimme und klaren Anweisungen.

Da kommen keine Zweifel auf, wer im Stadion der Chef ist. Als Trainer strahlt Patrik Grolimund Kompetenz und eine natürliche Autorität aus und er bringt genau das mit, was der FC Solothurn für seinen gewagten Neuanfang braucht.

Doch der FC Solothurn geht in dieser Saison ein grosses Risiko ein und das Wort «Neuanfang» muss ernst genommen werden. Ein Gruppenfoto mit den neuen Spielern wird automatisch zu einem Foto der gesamten Mannschaft. Kein Stein ist auf dem anderen geblieben. 22 Spieler umfasst die Kaderliste, wovon 16 Spieler aus den eigenen Junioren rekrutiert wurden.

Nur zwei «exotische» Transfers wurden getätigt: Ervin Gashi ist aus dem Oberwallis zu Solothurn gestossen, Benny Igiehon aus England. Was auffällt: Die Nummer 10 ist noch zu haben. Ist der FCS auf der Suche nach einem Spielmacher? «Nein, diese Nummer wird nicht besetzt», erklärt Patrik Grolimund. «Die Nummer 10 steht für den Teamspirit. Der ist symbolisch unser Spielmacher.»

Dass jeder der total 16 Nachwuchsspieler das Rüstzeug für die 1. Liga mitbringt, darf vorausgesetzt werden – zumindest wenn neben ihm zwei Routiniers stehen, die korrigierend eingreifen können. Aber was passiert, wenn vier dieser total unerfahrenen Talente in einer Linie oder einer Achse zusammenwirken? Kann das in der 1. Liga gut gehen?

«Ich verstehe diese Zweifel, aber ich bin überzeugt, dass es möglich ist», beantwortet Grolimund diese oft gestellte Frage. «Wenn ich die Fortschritte sehe und wie sie seriös und konzentriert gearbeitet wird, dann bin ich optimistisch. Wir haben eine ausgezeichnete technische Qualität und können einen hohen Rhythmus gehen. Zusammen mit einem leidenschaftlichen Auftreten können wir uns in der 1. Liga behaupten.»

So macht Grolimund aus der Not eine Tugend: «Ich möchte die Vision FC Solothurn 11 umsetzen, dass einmal wirklich 11 Spieler auf dem Feld stehen, die alle hier die Nachwuchsbewegung durchlaufen haben.»

Auch der neue Trainer ist noch unerfahren. Zwei Jahre hat Patrik Grolimund beim FCS-Nachwuchs gewirkt, aber der Sprung zum Trainer der 1. Mannschaft ist für den 33-Jährigen sehr gross. Nur bei Breitenrain konnte er in der 2. Liga inter etwas Erfahrung sammeln. Dafür ist seine Ausbildung ideal für einen Trainer: Derzeit schreibt Grolimund an der Abschlussarbeit für sein Studium als Master of Science im Spitzensport.

Den grossen «Chlapf» mit der Schlammschlacht zwischen dem ehemaligen Trainer Roland Hasler und einem Teil der FCS-Geschäftsleitung habe er als Nachwuchstrainer aus der Distanz miterlebt. «Mit einem unguten Bauchgefühl, denn diese öffentlichen Auftritte haben gar kein gutes Licht auf dem FC Solothurn geworfen», kommentiert er die Ereignisse, die ihn schliesslich ganz überraschend in die neue Position katapultiert haben.