«Ich werfe einen Euro ins Phrasen-Schweiz, aber es ist einfach so – abgerechnet wird am Schluss», sagt Patrik Grolimund. Der Trainer des FC Solothurn blickt der Rückrunde, die für den FCS bereits am Samstag (15 Uhr) mit dem vorgezogenen Spiel gegen die Black Stars beginnt, zuversichtlich entgegen.

Einerseits figurieren sieben neue, charismatische Spieler (siehe Box) im Kader der Hauptstädter, andererseits haben die FCS-Kicker Mitte März ein «wirklich tolles, aber auch hartes Trainingslager in Antalya», wie Grolimund betont, erlebt.

Jeder Spieler und jedes Staff-Mitglied hat die 800 «Stutz» aus dem eigenen Sack bezahlt und eine Woche Ferien für den FC Solothurn gegeben. In der 1. Liga, da ansonsten Gehälter ge- und Trainingslager bezahlt werden, nicht selbstverständlich. «Und bis auf zwei», so Grolimund, «waren alle Spieler und Staff-Mitglieder in Antalya dabei.»

Der Tanz im Hotelzimmer

Konditionell sind die Solothurner schon seit Anfang Jahr am Schuften. Darum standen an der türkischen Riviera sehr viel Taktik und Teambuilding auf dem Programm. Bereits bei der Zimmerzuteilung haben Grolimund und sein neuer Assistent und Ex-Studienkollege, Marco Schwab, darauf geachtet, dass eine mögliche Viererkette respektive offensive und defensive Rollenträger in einem «Schlag» hausen.

Zudem wurde auf den Mix aus Routine und Neuling Wert gelegt. Jeden Abend musste sich in Antalya ein Zimmer vorstellen. «Es war fantastisch – auch ich als Trainer habe viel Neues erfahren», sagt Grolimund. Was seinen Fussballern wichtig und wertvoll ist, etwa ihre Hintergründe, familiäre Situationen und so weiter. Im Fall von Achille Alanga, der vom FC Zofingen ins Team stiess, und Emmanuel Nlend, der vom FC Biel kam, hätte am Ende praktisch die gesamte Truppe im Zimmer getanzt. Alange und Nlend haben beide Wurzeln in Kamerun.

Fussball-Fans erinnern sich: An der WM 1990 war es Roger Milla, der Kamerun mit seinen vier Toren gegen Rumänien und Kolumbien in den Viertelfinal führte. Jeden Treffer feierte Milla damals mit seinem legendären Makossa-Tanz um die Eckfahne. Ausgezeichnet wurde das Siegerzimmer übrigens mit einer 90-minütigen Wellness-Session inklusive Türkischem Bad. Die Zweitplatzierten ihrerseits erhielten einen türkischen Coiffeur-Service.

Routine gewonnen

Die derzeit auf einem Abstiegsplatz klassierten Solothurner haben während der Vorrunde etliche Punkte im Verlauf den letzten 20, 25 Spielminuten verloren. «Nicht aus konditionellen Gründen», wie Grolimund festhält. «Wir waren so fit wie die anderen.» Es habe vor allem an der Cleverness gefehlt. Schliesslich hatte die Hinrunden-Equipe ein Durchschnittsalter von 19 Jahren.

Viele Spieler bestreiten heuer ihre erste 1.-Liga-Saison. Vorab mit der Rückkehr von Marc Du Buisson, obwohl erst 21 schon ein verdienter FCS-Kicker mit bald siebzig 1.-Liga-Einsätzen, und der Reaktivierung des 33-jährigen Andreas Heiniger haben die Solothurner an Leadership gewonnen. Heiniger wird zwar aufgrund einer Verletzung noch zwei, drei Wochen fehlen, «aber er wird uns bestimmt noch viel Freude bereiten», ist Grolimund überzeugt.

Heiniger ist Sportlehrer, fit wie eine Turnschuh-Brigade, war einst Profi in Thun, später Captain beim FC Biel und als echter Ex-FCS-Junior in der Saison 11/12 schon 30-mal für Solothurn am Start. Ein Mann für alle Fälle – auf alle Fälle. «Wir wollen uns unseren Platz in der 1. Liga verdienen», sagt Patrik Grolimund. Gewiss keine überrissene Lohnforderung …