Fussball 1. Liga

Der FC Solothurn braucht frisches Blut: Nach dem verpassten Aufstieg befindet sich der Verein im Umbruch

Die Wege von Trainer Dariusz Skrzypczak (links) und FCS-Sportchef Hans-Peter Zaugg trennen sich.

Die Wege von Trainer Dariusz Skrzypczak (links) und FCS-Sportchef Hans-Peter Zaugg trennen sich.

Nach dem Abgang von Dariusz Skrzypczak sucht der FC Solothurn eifrig einen Nachfolger. Für den freigewordenen Trainerposten gibt es bereits Interessenten, auch die Kaderplanung hat schon begonnen. Doch einfach wird das alles nicht für den FC Solothurn - nach dem verpassten Aufstieg befindet sich der Verein im Umbruch.

Drei Tage vor der 0:5-Niederlage im Zwischenrunden-Rückspiel beim Etoile Carouge FC erhielt Dariusz Skrzypczak ein Angebot, als Assistenztrainer bei seinem Stammverein Lech Posen einzusteigen.

Dies bringt den FC Solothurn, den Skrzypczak in den letzten beiden Saisons in die Aufstiegsspiele geführt hat, unter Zugzwang. «Für ihn ist es eine tolle Sache. Wir haben immer gewusst, dass eine solche Anfrage an ihn kommen kann. Insbesondere weil es sein Verein in Polen ist, hat er diese angenommen», zeigt Sportchef «Bidu» Zaugg grosses Verständnis für Skrzypczaks Abgang. «Für mich ist es okay, auch wenn es spät kommt», ergänzt er.

«Der neue Trainer muss klare Vorstellungen haben, wie er zu spielen gedenkt. Er muss eine klare Führungslinie zeigen und vor allem mit jungen Spielern umgehen können und sie weiterentwickeln», umschreibt Zaugg das Anforderungsprofil.

Weniger Budget

Der neue Trainer wird nicht hauptamtlich angestellt und im Nachwuchsbereich keine Aufgaben übernehmen. Solothurn hat bereits Anfragen von Interessierten erhalten. «Zwei, drei Kandidaten werden in die engere Auswahl kommen», sagt Zaugg.

Tendenziell wird es der Neue mit einer jüngeren Mannschaft zu tun haben. «Wir müssen realistisch sein, nach drei verpassten Aufstiegsrunden wird sich etwas ändern. Es ist nicht sehr sinnvoll, mit allen Spielern weiterzumachen, es braucht frisches Blut», hält der Sportchef fest.

Dazu kommt der finanzielle Aspekt: «Bei einem Aufstieg hätten wir das bisherige Budget halten können. Jetzt aber werden wir weniger Geld zur Verfügung haben. Wir können nicht mehr bezahlen wie bisher; ich bin mit Präsident Samuel Scheidegger im Gespräch, wie viel es sein wird», wirft der 66-Jährige ein.

«Ich erwarte unterschriebene Verträge zurück»

Es beginnt eine neue Aufbauphase. «Wir wollen in der 1. Liga sicher nichts mit der hinteren Tabellenregion zu tun haben, angreifen werden wir aber wohl erst in zwei, drei Jahren wieder können», sagt der Berner.

Wie das neue Kader aussehen wird, ist offen. «Am Dienstagabend trafen wir uns zum Saisonabschluss. Wir wollten nochmals mit den Spielern reden», erklärt Zaugg. Die Spieler, mit denen der FC Solothurn weiter arbeiten möchte, haben die neuen Verträge mit den reduzierten Entschädigungen erhalten.

«Ich erwarte unterschriebene Verträge zurück und werde sehen, wie sie darauf reagieren», ist der Sportchef gespannt auf den Rückfluss. Raphael Koch wird definitiv nicht mehr dabei sein. Bevor er in den Familienbetrieb operativ einsteigt, will er drei bis vier Monate auf Reisen gehen.

Gemischte Gefühle

Weil Altin Osmani in der Region Basel einen neuen Job fand, dürfte er sich einem Klub in dieser Region anschliessen. Zurück von Grenchen kommen Noel Anderegg und Visar Aliu. Der an Härkingen ausgeliehene Loris Micelli wird bei den Gäuern bleiben.

Omer Hausic soll nach seiner langwierigen Verletzung eine Saison bei Grenchen durchspielen. Was Solothurn unbedingt braucht, ist ein weiterer guter Stürmer. «Der wird aber nicht gratis kommen», schränkt Zaugg ein.

Mit gemischten Gefühlen blickt Captain Marc Du Buisson auf diese Saison zurück. «Wir haben den Saisonstart wegen Abwesenheiten aufgrund von Ausbildungen und wegen des verspäteten Trainingsbeginns – der Grund waren die Ferien nach der langen Saison – verpasst, sodass wir nicht gut trainieren konnten und die Automatismen fehlten; wir brauchten Zeit, um in Schwung zu kommen», rekapituliert der Sportlehrer-Student.

Nie in Topform

«Nach dem 0:0 gegen Black Stars haben wir in den folgenden elf Spielen nur beim 2:2 gegen Delsberg zwei Punkte abgeben», erklärt der 26-Jährige den Vormarsch zum Herbstmeistertitel.
«In der Vorbereitung zur Rückrunde hatten wir Probleme, auch untereinander; am meisten aufgeregt haben wir uns über die neun Gegentreffer gegen Luzern II und Black Stars», ärgert sich Du Buisson.

Bis zum Langenthal-Heimspiel raffte sich die Stadion-Elf wieder auf. «In diesem Spiel haben wir ehrlich gesagt schlecht gespielt und verdient verloren», räumt er ein. Trotz der folgenden Baisse mit nur noch einem Sieg und einem Treffer in den letzten vier Runden – dank dem glücklichen Siegtor bei Absteiger Old Boys in letzter Minute – behielten die Solothurner den Finalrunden-Platz.

«Die Aufstiegsspiele waren ein Spiegelbild der ganzen Saison», sagt Sportchef «Bidu» Zaugg. «Wir waren nicht in Topform, was aber nötig gewesen wäre gegen das nicht übermächtige Etoile Carouge. Ich zweifelte nicht an unserer Qualität, sondern an der Mentalität. Es fehlten Biss, Leidenschaft und Kampf. Wir waren zu brav, zu anständig», hält Zaugg die Enttäuschung nicht zurück.

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