Am 8. Juni 2018 gewann die zweite Mannschaft des FC Olten gegen Deitingen mit 4:1. Dieser Sieg bescherte der FCO-Reserve den Titel in der Solothurner 3. Liga und den Aufstieg in die höchste Regionalliga. Insgesamt 18 Saisons absolvierte das «Zwöi» in der 3. Liga und erreichte in dieser Zeit viermal die Aufstiegsspiele für die 2. Liga. Dementsprechend gross war der Jubel im letzten Sommer, als die Promotion endlich Realität wurde. Die Ernüchterung folgte indes schon bald.

Die Vorrunde 2018/19 hat gezeigt, dass sich der FC Olten den sportlichen Luxus mit der ersten Mannschaft in der 2. Liga inter und dem «Zwöi» in der höchsten Regionalliga momentan schlicht nicht leisten kann. Beiden Equipen mangelte es in der ersten Saisonhälfte an der nötigen Breite und auch Qualität im Kader. Das Fanionteam musste in der 2. Liga inter phasenweise mit nur drei Ersatzspielern auskommen.

Die erste FCO-Equipe wird Mitte März als Elfter mit einem Punkt Vorsprung auf den Strich in die Rückrunde starten. Für das Reserve-Team ist die Meisterschaft nach dem Rückzug dagegen gelaufen.

Zwei Siege und viele Klatschen

Das «Zwöi» konnte in der Vorrunde der 2. Liga nur zwei von elf Spielen für sich entscheiden. Die beiden Siege resultierten gegen den Mitaufsteiger HNK Croatia und gegen einen an diesem Tag inferioren FC Trimbach. Das vom ehemaligen FC-Aarau-Profi Mirko Pavlicevic sowie Esat Brahimi und Ali Halimi trainierte Team beendete die erste Saisonhälfte auf dem zweitletzten Platz. Mit 52 Gegentoren in 11 Spielen. Insgesamt 41 verschiedene Spieler schafften es auf das Matchblatt. Konstanz sieht anders aus. Mal mussten Junioren oder Spieler der zweiten Mannschaft aushelfen, mal bekam die zweite Mannschaft Unterstützung vom Fanionteam.

«Durch die Doppel- oder teilweise sogar Dreifachbelastung verheizen wir die Spieler», kommentiert Präsident Isidor Meyer den Rückzug. «Damit müssen wir aufhören.» Der FC Olten zog also die Reissleine und die zweite Mannschaft aus der Solothurner 2. Liga zurück.

Am Wochenende informierte Meyer den Fussballverband, seit gestern ist der Rückzug auch auf der offiziellen Verbandsseite ersichtlich. Der FC Olten wird in der Tabelle der Solothurner 2. Liga neu als Schlusslicht mit null Punkten geführt. Vor der Anzahl ausgetragener Spiele prangt ein fettes «R», das für den Rückzug steht.

Der richtige Schritt

Der Vorstand habe es fast nicht übers Herz gebracht, die in der Vergangenheit erfolgreiche Zweitliga-Equipe aufzulösen, sagt Meyer. Er zeigt sich aber überzeugt, dass es der richtige Schritt ist. Schon bei seiner Amtsübernahme an der GV im letzten Oktober wurde der Rückzug der zweiten Mannschaft thematisiert. Doch damals konnte sich die Versammlung noch nicht zu diesem drastischen Schritt durchringen. Stattdessen sollten in der Winterpause neue Spieler angeheuert werden, um das Kader zu ergänzen. Ein aussichtsloses Unterfangen, wie sich jetzt gezeigt hat.

1 250 Franken Strafe

Laut Meyer erhält jeder «Zwöi»-Spieler die Möglichkeit, sich in der ersten Mannschaft zu beweisen. Das Potenzial sei bei jedem vorhanden. Als Ausweichmöglichkeit dient zudem die ehemalige dritte Mannschaft, welche aktuell in der 5. Liga spielt und das neue «Zwöi» ist.

Auch für die Trainer ist gesorgt. Dass Mirko Pavlicevic nach dem Abgang von Ryszard Komornicki die erste Mannschaft übernimmt, steht schon seit Dezember fest. Assistent wird Ali Halimi. Esat Brahimi, der in der Rückrunde zusammen mit Fortis Sadikaj für die zweite Mannschaft vorgesehen war, unterstützt neu das 5.-Liga-Team. Sadikaj konzentriert sich derweil auf seine Arbeit als Sportchef der Nachwuchsabteilung und Trainer der B-Junioren.

Der Mannschaftsrückzug hat also keine personellen Folgen für den FC Olten, dafür finanzielle: 1 250 Franken fordert der Verband als Strafe. Diese tue angesichts der finanziellen Situation des Klubs weh, sagt Meyer. Der FCO wird den Betrag im Verlauf der Rückrunde aber rausholen. Da die Kosten für Schiedsrichter und die Platzmiete entfallen.

FC Olten in Not

Freuen kann sich der FCO-Präsident aktuell über den Verlauf der Crowdfunding-Aktion. Seit dem 23. Januar kamen für das Projekt « FC Olten in Not» mehr als 9’000 Franken zusammen. Er «ist positiv gestimmt, dass mindestens die Finanzierungsschwelle von 12 000 Franken bis zum 10. März geschafft wird».