Anfang Juni, drei Spiele vor dem Saisonende, verkündete Juan Castro seinen Abgang Richtung Wangen. Was für den FC Olten damals noch ein Ärgernis war, könnte jetzt zum Glücksfall werden. Der neue Trainer Flavio Catricalà sorgte nämlich mit seinen guten Beziehungen dafür, dass das Kader massiv verbessert werden konnte, zumindest auf dem Papier.

Zimmerli, Schifferle, Brica und Fernandes Da Silva verstärken das FCO-Mittelfeld, Hasani und Jukic den Angriff. Der erst 18-jährige Verteidiger Jusufi soll als Nachfolger von Routinier Mario Panzeri aufgebaut werden. «Wir haben nur potenzielle Stammspieler verpflichtet und nicht einfach Leute zusammengetrommelt, um ein breites Kader zu haben», zeigt sich Catricalà zufrieden mit den Transfers. Der 40-Jährige hat beim FC Olten für zwei Saisons unterschrieben und plant auch dementsprechend: «Die erste Saison wird für die Spieler ein Übergangsjahr sein. Quasi ein Vorstellungsjahr, in dem sich jeder präsentieren kann.» Im Frühling werde dann entschieden, mit welchen Spielern weitergearbeitet wird und wer gehen muss, erklärt er.

Mit dem Nicht-Abstieg, welcher in den letzten drei Jahren das Ziel der Oltner war, gibt sich der Napoli-Fan nicht zufrieden: «Wir wollen in die erste Ranglistenhälfte, das muss möglich sein mit unserem Kader. Die 2. Liga inter ist keine Über-Liga.» Nach dem Übergangsjahr soll das Team im nächsten Sommer noch einmal punktuell verstärkt werden, um an der Spitze der 2. Liga inter mitspielen zu können. Ohne diese Perspektive hätte er nicht zugesagt, stellt Catricalà klar.

Rückkehr in den Aktivbereich

Vor sieben Jahren hatte der Oftringer mit Dulliken den Aufstieg in die 2. Liga inter realisiert. Dennoch wurde sein Vertrag nicht verlängert. «Das gab mir den Rest», blickt er zurück. Zusammen mit ein paar Kollegen spielte er danach bei Sanfelese Aarburg in der 4. und 5. Liga, ehe er die U12-Equipe des FC Wohlen übernahm. Zuletzt war er für die U14-Junioren des FC Luzern zuständig. Catricalà hätte bei den Innerschweizern noch eine Saison drangehängt, wäre nicht das Angebot vom FCO gekommen. «Ich beginne im Oktober mit dem A-Diplom. Der Plan war, auf die Saison 2018/19 in den Aktivfussball zurückzukehren.»

Der grösste Unterschied zwischen einer Aktivmannschaft in der 2. Liga inter und einer U14-Auswahl sei, dass Letztere dem Fussball alles unterordne. Beim FCO dagegen müsse er sich aktuell mit vielen Absenzen herumschlagen: «Fussball steht bei den Spielern nicht an erster Stelle, das ist halt so im Breitensport. Trotzdem ist es eine Umstellung für mich.»

Wegen den Ferienabwesenheiten werde seine Mannschaft zum Saisonstart auch noch nicht im Vollbesitz der Kräfte aufspielen, erwartet der 40-Jährige: «Bis wirklich alle Spieler fit sind, dauert es sicher noch zwei, drei Wochen.» Sein Team müsse die ersten Spiele daher einfach irgendwie überstehen. «Den richtigen FC Olten wird man erst ab September sehen, wenn die Automatismen greifen. Ich hoffe, dass wir bis dahin auch genug Punkte holen, sonst sind wir im Stress.»

Der Absteiger Muri ist in den Augen von Flavio Catricalà der Favorit auf den Spitzenplatz in der Gruppe 5. «Sie haben eine riesen Truppe zusammen. Aber auch Zofingen wird es wie jedes Jahr versuchen.» Wenig Kredit gibt er dem Aufsteiger Biberist, sowie Rothrist und dem Team Aargau U21, welche beide einen grossen Aderlass hinter sich hätten. «Wangen und Dulliken sehe ich auf unserem Niveau», beurteilt er die beiden Nachbarn. Wie wichtig ist es, am Ende der Meisterschaft vor diesen zu liegen? «Es bringt nichts, wenn wir vor Dulliken und Wangen sind, aber als drittletzter Klub absteigen.»