2. Liga inter
Der FC Olten hat Sorgen trotz starkem Saisonstart

Olten ist Dritter der 2. Liga inter, doch der Auftakt wird durch Verletzungen getrübt. Marjan Andonov hatte diese Woche eine Not-Operation. Im schlimmsten Fall könnte er für den Rest der Saison ausfallen.

Raphael Wermelinger
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Stürmer Maryan Andonov (links im Bild) wird dem FC Olten in den kommenden Wochen fehlen.

Stürmer Maryan Andonov (links im Bild) wird dem FC Olten in den kommenden Wochen fehlen.

Remo Fröhlicher

Eigentlich hätte Oltens neuer Trainer Juan Castro allen Grund zum Jubeln. Mit 13 Punkten aus sechs Spielen liegt der FCO in der 2. Liga inter auf dem dritten Platz. Letzte Saison holte Olten in der gesamten Rückrunde nur 11 Punkte. Seine Hauptaufgabe sei es gewesen, die Mentalität in den Köpfen der Spieler zu ändern und ihnen neues Selbstvertrauen zu vermitteln, sagt Castro über seinen Anteil am Erfolg.

Hauptverantwortlich für den starken Saisonstart sei aber das Team: «Die Spieler ziehen mit, die Trainingspräsenz ist sehr gut. Wir sind praktisch immer komplett.» Daraus resultiere automatisch ein weiterer Erfolgsfaktor: «Die Spieler merken, dass sich der Aufwand lohnt. Sie sind fitter. Wir fahren jetzt an die Spiele, um zu gewinnen. Das sagen die Jungs selber.»

Andonov für unbestimmte Zeit out

Am Mittwoch erlitt der Höhenflug des FCO einen jähen Dämpfer. Grund ist eine Hiobsbotschaft. «Marjan Andonov hatte am Mittwoch eine Not-Operation», erklärt Castro. «Details möchte ich nicht verraten, aber im schlimmsten Fall fehlt er uns für den Rest der Vorrunde.»

Das wäre ein herber Rückschlag für die Oltner. Der 30-jährige Sturmtank, der mehrere Saisons in der 1. Liga gespielt hat, ist erst im Sommer zum FCO gestossen und hat voll eingeschlagen. Gleich bei seinem Debüt erzielte der Mazedonier das siegbringende 1:0 gegen Iliria.

In den folgenden Partien traf Andonov zwar nur noch einmal ins Schwarze, doch der bullige Stürmer war ein steter Gefahrenherd, zog oft mehrere Gegner auf sich und verschaffte damit seinen Sturmpartnern Giovanni Gerardi und Tunahan Canik die nötigen Freiräume.

Andonov ist schon der zweite gravierende Ausfall, den der FC Olten in der noch frischen Saison zu verkraften hat. Der im Sommer verpflichtete Ex-Wangner Felipe Giacomini fällt wegen eines Kreuzbandrisses für die ganze Saison aus.

Für den arrivierten Mittelfeldspieler konnte Castro aber einen Ersatz aus dem Hut zaubern: Ardit Shaqiri, der ebenfalls eine Vergangenheit beim Erstligisten Wangen hat, gab am vierten Spieltag beim 3:1-Sieg gegen den FC Rothrist seinen Einstand im Olten-Dress.

«Ich wusste, dass Ardit gerade keinen Verein hatte, und schlug sofort zu», äussert sich Castro zur jüngsten Neuerwerbung. «Bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Er ist ein erfahrener Spieler und passt auch vom Typ her perfekt in die Mannschaft.»

«Praktisch die gleiche Mannschaft»

Dieser Transfer ist der Beweis für den grossen Anteil Juan Castros am Erfolg des FCO. Der 36-Jährige hat die Mannschaft mit geschickten Zuzügen verstärkt. Das Paradebeispiel ist wohl Patrick Schalt. Er kam vom FC Mümliswil aus der 2. Liga, hat sich sofort einen Stammplatz erkämpft und spielte auf der linken Abwehrseite bis jetzt jede Minute.

«Ab und zu habe ich zum Glück ein gutes Händchen», stapelt Castro tief. «Ich kannte natürlich die Qualitäten der Neuen, aber dass das Team nach einer derart kurzen Kennenlernphase bereits so gut harmoniert, hätte ich nicht erwartet.»

Er habe aber nicht das ganze Team umgekrempelt, betont Juan Castro: «Die Mannschaft ist praktisch die gleiche wie letztes Jahr.» Im Tor ist Thomas Husi seit Jahren die unangefochtene Nummer 1 beim FCO. Ein wahres Luxusproblem hat Castro in der Innenverteidigung: «Mit Iandiorio, Slishani, Browne und Panzeri habe ich die Qual der Wahl.»

Bis jetzt scheint er jeweils die richtige Wahl getroffen zu haben. Olten stellt mit fünf Gegentoren die statistisch beste Abwehr der Liga. «Wir haben viel im taktischen Bereich gearbeitet», begründet Castro die defensive Stabilität. Im Mittelfeld vertraute er bisher vorwiegend auf Mario Simic und Marco Mirarchi, die schon letzte Saison die Fäden im Spiel des FCO gezogen haben.

Castro will die Euphorie bremsen

Wer nicht trainiert, spielt auch nicht: Diese Devise ziehen Juan Castro und seine Assistenten Dario Liberto sowie Daniel Müller knallhart durch: «Eine Stammplatzgarantie hat bei uns niemand», stellt er klar. «Was die Aufstellung angeht, bin ich auch immer für eine Überraschung gut.»

So stellte er im fünften Meisterschaftsspiel gegen die Blue Stars aus Zürich unerwartet Ersatzgoalie Buntrint Demaj ins Tor. Als Belohnung für dessen Trainingsfleiss. «Wir haben auf allen Positionen einen gesunden Konkurrenzkampf. Jeder Spieler weiss, dass er seine Chance bekommt, wenn er gut trainiert. Das steigert unsere Qualität insgesamt.»

Am Samstag Wohlen II auswärts (17 Uhr), am nächsten Samstag dann NK Pajde auf dem heimischen Kleinholz (16 Uhr), dies die nächsten Aufgaben des FC Olten. Trainer Castro gibt sich, nicht nur wegen der jüngsten Verletzungen – Shaqiri ist am Samstag ebenfalls fraglich – sehr vorsichtig: «Bis jetzt haben wir das Maximum herausgeholt. Aber wir dürfen nun nicht euphorisch werden. Es werden noch schwierige Zeiten kommen diese Saison.» Eines verspricht Juan Castro aber: «Egal, wie der Gegner heisst, ich stelle immer eine Mannschaft auf, die auf Sieg spielt.»

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