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Der FC Grenchen verliert aufgrund der Misere Spieler an die Nachbarklubs

Nur einer von sechs Abgängen: Topskorer Maryan Andonov.

Nur einer von sechs Abgängen: Topskorer Maryan Andonov.

Gleich sechs Stammspieler verlassen den 1.-Liga-Verein wegen der drastischen Sparmassnahmen. Zukünftig will der FC Grenchen vermehrt junge Akteure, unter anderem aus dem eigenen Junioren-A+-Team, in die erste Mannschaft einbinden.

«Im Moment läuft alles gegen uns, und es ist mein Job, etwas daraus zu machen», sagt Edvaldo Della Casa. Der Coach des FC Grenchen sieht sich hinsichtlich der bevorstehenden Rückrunde in der 1. Liga Classic mit einer völlig neuen Aufgabe konfrontiert. Sechs Stammspieler haben den Klub aufgrund der drastischen Sparmassnahmen, die Mitte Januar aus der finanziellen Not heraus beschlossen wurden, verlassen.

Diese Spieler verlassen Grenchen

Topskorer Maryan Andonov und Verteidiger Damir Zombic wechseln zum Kantons- und Ligarivalen Wangen. Marc Du Buisson (V) kehrt zum FC Solothurn zurück, Adrian Rawyler (V) geht zum FC Thun (U21) und die Brasilianer Leandro und Nascimento, beide Mittelfeldspieler, bleiben in Brasilien. «Zu Saisonbeginn waren die Top 5 unser Ziel», sagt Della Casa, «jetzt wird es eng, den Ligaerhalt zu sichern.»

Was die Zuzüge angeht, stehen jene von Isaac Bamele (Mittelfeld/FC Biel) und Innenverteidiger Djako Safari fest. Letzterer kickte schon in der Saison 2012/13 für Grenchen und spielte zuletzt in der 2. Liga regional bei Besa Biel. «Es laufen nach wie vor Probetrainings», sagt Sportchef Darko Selkic. Sicher ist aber: «Wir wollen auch Junioren eine Chance geben.»

Alle mussten bluten

Jeder Spieler musste bluten – auch die, die noch da sind. Bis auf den Nullpunkt wurden die Entschädigungen in einzelnen, allerdings wenigen Fällen gekürzt. Dies, um das Überleben des Klubs zu sichern. «Natürlich schlägt das erst einmal auf die Moral», sagt Della Casa zum mentalen Zustand der Verbliebenen beim FCG. «Aber wenn die Meisterschaft wieder losgeht, wird der Fokus bei allen voll auf den sportlichen Erfolg gerichtet sein», ist der Brasilianer überzeugt. «Es wäre schade, wenn jetzt alles verloren ginge, was wir uns in der Vorrunde aufgebaut haben.»

Der FCG ist derzeit auf Rang 6 klassiert, drei Punkte hinter den Tabellenzweiten Black Stars und zehn vor dem auf einem Abstiegsplatz liegenden FC Solothurn. Er überlege sich ständig Neues, so der FCGCoach, um das Training weiter zu optimieren. Grenchen – ohne Kunstrasen – gehört punkto Infrastruktur nicht zu den Verwöhnten der Liga. Um den Konkurrenzkampf anzukurbeln und der neuen Philosophie zu folgen, führt der FCG neu ein Junioren-A+-Team. Das heisst, vier Spieler dürfen älter als 20, aber nicht älter als 24 Jahre alt sein. Gecoacht wird die Equipe von Tomislav Selkic. Der Onkel von Sportchef Darko Selkic hatte zuletzt die A-Junioren von Wacker Grenchen in der Coca-Cola League betreut und wurde mit seiner Elf 2012 Solothurner Cupsieger.

Echte Chance für die Jungen

«Wir arbeiten eng zusammen», sagt Della Casa. Und: Die Tür in die erste Mannschaft stünde jedem aus diesem Nachwuchsteam offen. «Die Jungen sollen bei uns eine echte Chance erhalten, in der 1. Liga zu spielen.» Selbst wenn, trotz der Abgänge, noch etliche Routiniers im «Eis» übrig geblieben sind. Allein, der FC Grenchen will nicht mehr der Klub sein, der gute Junioren ausbildet, diese dann aber auf Aktivstufe fahrlässig der Konkurrenz überlässt. So ist das Junioren-A+-Team zum Teil aus eigenen, zum Teil aus zurückkehrenden und zum Teil aus neuen Spielern aus der Region bestückt worden. «Ich bin überzeugt, dass mich die nächsten, nicht einfachen, Monate in Grenchen im Hinblick auf die Zukunft zu einem besseren Trainer machen werden», sagt der Sportpsychologe und -lehrer Edvaldo Della Casa.

Und wer weiss: Vielleicht gilt das ja auch für die Spieler und den FC Grenchen als gesamten Verein?

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