Misswirtschaft
Der FC Grenchen steht vor dem finanziellen Ruin

Der FC Grenchen wird von einer gewaltigen Schuldenlast erdrückt. In der Vereinskasse klafft ein Loch von 150 000 Franken. Wenn nicht in Kürze frisches Geld eingeschossen wird, ist der Traditionsklub am Ende.

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Laut Treuhänder Jürg Scheidegger steht der Verein vor dem Aus.

Laut Treuhänder Jürg Scheidegger steht der Verein vor dem Aus.

Marcel Bieri

Die Zahlen erschüttern: Innerhalb von gut zwei Jahren ist der FC Grenchen an den Abgrund gewirtschaftet worden.

Per 30.6. 2012 übergab die Führungscrew um Urs Erb den Verein schuldenfrei an die Nachfolger.

Im November 2014 steht der Klub finanziell vor dem Ruin, die Schulden belaufen sich auf 150 000 Franken. Das sind die ernüchternden Zahlen, die an der Generalversammlung den Mitgliedern vorgelegt wurden.

Die dauernden Stromausfälle im Clubraum des Stadions Brühl waren an Symbolkraft kaum zu überbieten. Beim FC Grenchen drohen die Lichter zu löschen.

Das Schreckenszenario machte schon seit geraumer Zeit die Runde. An der GV wurde jetzt das ganze Ausmass des Desasters den Anwesenden – darunter auch Stadtpräsident François Scheidegger – ungeschönt präsentiert.

Bezeichnenderweise war der Überbringer der Botschaft nicht der Vorstand, sondern Jürg Scheidegger – weder verwandt noch verschwägert mit dem Stadtpräsidenten. Der Treuhänder wurde von den Donatoren des Vereins für eine Buchprüfung beauftragt.

Sein Fazit ist vernichtend: «Der Verein steht vor dem Niedergang.» Die verantwortlichen Vorstandspersonen hätten auf der ganzen Linie versagt. Es gab kein Controlling. Es wurden Budgets erstellt ohne die Ausgabenseite zu überprüfen.

Wenig überraschend wurde dem Vorstand – rückwirkend ab 1. Juli 2012 – die Decharge verweigert.

Angesichts des verheerenden Zustandes erstaunte es nicht, dass sich niemand für das verwaiste Präsidentamt zur Verfügung stellte. Den Vorsitz übernimmt bis auf Weiteres Lilo Dellsperger.

Bieris Darlehen als Damoklesschwert

Ob die geplante Sanierung das Ende des Klubs abwenden kann, ist völlig offen. „Die Zeit drängt, es muss jetzt rasch und schonungslos aufgeräumt werden“, machte Jürg Scheidegger klar.

Erschwert werden die bevorstehenden Aufräumarbeiten durch das eingeschossene Darlehen von Rolf Bieri über rund 80 000 Franken. Der ehemalige Präsident besitzt rechtlich die Möglichkeit, innerhalb von sechs Wochen den Betrag zurückzufordern.

«Solange dieser Punkt nicht geklärt ist, wird kein neuer Geldgeber in den Verein investieren», sagt Jürg Scheidegger. Bieri wiederum wehrte sich in einer flammenden Rede vehement gegen den Vorwurf der ungetreuen Geschäftsführung während seiner Regentschaft.

Auch Stadtpräsident François Scheidegger meldete sich in der hitzigen Atmosphäre zu Wort. Er hoffe, dass die Weichen für eine bessere Zukunft nun endlich gestellt werden. Scheidegger ist nach wie vor zuversichtlich, dass der FC Grenchen trotz aller Probleme die Wende schaffen könne. «Jede Krise birgt Chancen.»

Auf die Unterstützung der Stadt könne der Klub jedenfalls zählen. Scheidegger hob indes den Mahnfinger.

Im Integrationsprozess mit den anderen Grenchner Fussballklubs - in dem die Stadt als Mediatorin auftritt – erwarte er vom FC die nötige Gesprächsbereitschaft.

Das alleine wird laut Stand heute allerdings kaum ausreichen. Mit der gewaltigen Schuldenlast ist der FC Grenchen nicht einmal fusionsfähig.

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