Fussball
Der FC Grenchen erreicht trotz Niederlage die Aufstiegspiele

Der FC Grenchen qualifiziert sich trotz eines 0:1 gegen GC U21 für die Aufstiegsspiele zur 1. Liga-Promotion. Die Solothurner können sich beim FC Cham bedanken, das Wettswil-Bonstetten besiegte.

Daniel Weissenbrunner
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Verkehrte Grenchner Welt: Die Mannschaft (vorne Kilian Hegg) krönt die Saison mit den Aufstiegsspielen. Zunächst muss jedoch die enttäuschende Leistung gegen die Grasshoppers verarbeitet werden. dws

Verkehrte Grenchner Welt: Die Mannschaft (vorne Kilian Hegg) krönt die Saison mit den Aufstiegsspielen. Zunächst muss jedoch die enttäuschende Leistung gegen die Grasshoppers verarbeitet werden. dws

Daniel Weissenbrunner

Es war ein eigenartiges, fast absurdes Schauspiel auf dem Campus von Cupsieger Grasshoppers in Niederhasli. Aus Cham erreichte die Grenchner die frohe Kunde, dass Wettswil-Bonstetten, der letzte verbliebene Konkurrent im Kampf um die Aufstiegsspiele, 1:4 verloren hatte. Nach 18 Jahren steht der Traditionsklub wieder im 1. Liga-Schaufenster. Am kommenden Mittwoch empfängt die Mannschaft von Trainer Max Rüetschli den Sieger der Gruppe 1, die Lausanner aus Le Mont im Stadion Brühl (20 Uhr).

Schwacher Auftritt

Den Grenchnern war nach Spielende alles andere, als zum Jubeln zumute. Ganz im Gegenteil. Auf der Spielerbank jagten sich Wortgefechte und Unmutsäusserungen. Ein Vorwurf folgte dem nächsten. Das Team, das im Laufe dieser Saison so oft überrascht und überzeugt hatte, zog einen ganz schwachen Nachmittag ein. Es fehlte an Selbstüberzeugung, an Spielwitz – schlicht an der nötigen Klasse, um die Reserven der Grasshoppers, die ihrerseits noch im Abstiegskampf steckten, ernsthaft zu beunruhigen. Es dauerte mehr als eine Stunde, bis Joe Tex Frimpong für die erste nennenswerte Offensivaktion besorgt war. Der Ghanaer, der im Winter vom FC Zürich zu den Grenchnern stiess, vertändelte – bezeichnenderweise – alleinstehend und kläglich.

Nerven lagen blank

Max Rüetschli, dessen Geduld arg strapaziert wurde, fand für den missglückten Auftritt die passenden Worte: «Das war schlicht ungenügend. Wenn wir gegen Le Mont gleich auftreten, dann sieht es ganz düster aus.» Der Grenchner Trainer trug mit seinem impulsiven Verhalten das Seinige dazu bei, dass seine Spielern zusehends mutloser agierten. Rüetschli nahm permanent lautstarke Einzelkritik vor, was bei einigen Akteuren Kopfschütteln auslöste.

Gar ein verbales Gefecht lieferte sich Rüetschli mit Mittelfeldspiele Ndoe Ze, als dieser eine Viertelstunde vor Schluss, wie er fand, zu Unrecht ausgewechselt wurde.

Zufriedener Präsident

Äusserlich entspannter wirkte Peter Baumann. Ihm gefiel der Auftritt aber ebenso wenig. Der Sportchef wollte nach Spielschluss aber nicht unnötig Öl ins Feuer giessen. «Bei aller Freude über unseren grossartigen Erfolg, müssen eine Punkte dringend angesprochen werden.» Mehr wollte Baumann preisgeben.

Noch ruhiger als Baumann beobachtete Rolf Bieri das Geschehen. Bieri wendete die präsidiale Optik an und stellte die Leistung der Mannschaft in einen grösseren Zusammenhang. «Dass sie nicht gut gespielt haben, wissen die Spieler selbst. Wenn aber vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir die Aufstiegsspiele erreichen, der wäre wohl für verrückt erklärt worden.»

Jetzt wartet das stärkste Team

Anstatt Lichterlöschen stehen die Grenchner in der kommenden Woche im Rampenlicht. Im Hinspiel am Mittwoch und am Samstag im Lausanner Vorort gegen das punktestärkste Team der 1. Liga-Classic. «Ich glaube, die Aufgabe wird für uns jetzt einfacher», zeigte sich Max Rüetschli gegenüber seinem Team bereits wieder versöhnlicher. Auf Rolf Bieri wiederum warten logistische Herausforderungen. Im Velodrome öffnete gestern die Mittelländer Ausstellung (mia) ihre Tore. «Ums Stadion s wird es auf jeden Fall eng», so Bieri. Er wird das Gespräch mit der Stadt suchen. Es sind die angenehmeren Aufgaben im Leben eines Fussball-Präsidenten.