Fussball
Der FC Grenchen auf dem Weg vom Saulus zum Paulus

Wer vor einem Jahr behauptet hätte, der FC Grenchen sei heute personell und finanziell solid aufgestellt und hege sportlich rosige Perspektiven – den hätte man für verrückt erklärt.

Michael Schenk
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Trotz der 2:5-Niederlage im Testspiel gegen den FC Biel gab es für die Spieler des FC Grenchen Grund zum Jubeln.

Trotz der 2:5-Niederlage im Testspiel gegen den FC Biel gab es für die Spieler des FC Grenchen Grund zum Jubeln.

Michael Schenk

Nachdem der neue FC Grenchen bereits im ersten Testspiel gegen den Challenge-Ligisten Biel (immerhin mit dem dänischen Ex-Nationalspieler Michael Silberbauer auf dem Feld) trotz des 2:5 eine gute Figur abgab; und auch gegen den nunmehr oberklassigen FC Solothurn nicht zwingend 1:3 unterlag, ist der erste Sieg nah. Gut möglich, dass es am Mittwoch im dritten Testmatch gegen Bellach (20 Uhr) so weit ist.

Die Chaoszeiten der vergangenen Monate, als man den guten Ruf beinahe gänzlich auf dem Altar der Lächerlichkeit zu opfern drohte, sind passé. Der rettende Zusammenschluss mit Wacker Grenchen, der primär dank der Intervention und dem Sukkurs der Stadt zustande kam, trägt schon jetzt süsse Früchte.

Vom letztjährigen «Potpourri der Wirrnis» steht mit Péter Csima nur noch ein Mann auf dem Platz. Thomas Reinhard ist als Sportchef gekommen. Der Militärkollege von Interims-Präsident David Baumgartner, der zuletzt beim FC Biel die U21 betreute und unter Jean-Michel Aebi auch eine Zeit lang Co-Trainer der 1. Mannschaft war, kriegt fast eine Krise, wenn er daran denkt, was da beim «alten FCG» von korrekt bis hyperkreativen «Vereinbarungskonstrukten» rumschwirrte.

Vier Trainings pro Woche

Tempi passati. Wer heute für den FC Grenchen aufläuft, ist «wirklich hier, um Fussball zu spielen, sich zu entwickeln und sich für den Verein einzusetzen», sagt der 46-jährige Werkstoff-Techniker. Die erste Mannschaft besteht in diesem Sinne fast ausnahmslos aus Zuzügen. Eine sich immer besser findende Truppe, die seit Ende Juni nicht weniger als viermal wöchentlich trainiert. «Ich wäre auch mit drei Trainings zufrieden gewesen», sagt der neue Coach, Silvan Rudolf. Die Spieler hätten es jedoch anders gewollt. Was die «ehemaligen» Wacker-Kicker angeht, so bilden diese heute die zweite Mannschaft in der 3. Liga.

«Ich habe gute Kontakte ins Seeland und in den Jura, Silvan Rudolf mehr in Richtung Solothurn/Oberaargau – das passt tipptop», hält Reinhard fest. Binnen Kürze kam so dank der neuen sportlichen Führung ein junges, ambitioniertes und fähiges Team zusammen – der älteste Spieler im Kader ist mit seinen 26 Jahren Goalie Zoran Antic – dessen Erfahrung primär auf der A-Junioren-Coca-Cola-League und der 2. Liga beruht. «Einige haben auch schon 1.-Liga-Erfahrung», räumt Rudolf ein. So wie etwa die beiden Solothurner Avdi Haljimi oder Aron Sperisen.

Viele Solothurn-Kicker spielen nun beim FCG

Der Nachbar zeigt sich, wie im Vorfeld der Fusion des alten FCG mit Wacker anerboten, solidarisch mit dem «FC Grenchen 15». Die 15 steht im neuen Logo weiss auf rotem Hintergrund für das Jahr der Vereinigung. Nicht weniger als fünf letztjährige Kicker von Solothurn stehen unterdessen im 2.-Liga-Inter-Kader des FC Grenchen. Der andere grosse «Zulieferer» ist der FC Biel. Noch fehlen uns zwei, drei starke Routiniers, die für die nötige Stabilität sorgen können, gibt Reinhard zu Bedenken.

Diese zu finden sei allerdings schwer, zumal die Fusion den Beginn der Vorbereitungen auf die kommende Saison bis zur letzten Sekunde verzögert habe und man mit einem sakrosankten Budget von 150 000 Franken operiere. Darin enthalten sind freilich sämtliche Kosten, die die 1. Mannschaft betreffen. Nichtsdestotrotz wird auf dem Brühl eine Truppe gebildet, die durchaus das Potenzial hat, künftig für viel Freude sorgen zu können. «Vieles wird davon abhängen», sagt Coach Silvan Rudolf, «wie wir in die Saison starten.» Die Saison, die für den FCG am Dienstag, 11. August, in Zofingen (20.15 Uhr) beginnt.

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