Schwingen
Der erste Muni in diesem Jahr ist fällig

Der Solothurner Bruno Gisler peilt am Sonntag in Aristau seinen 80. Kranz an. Nachdem er letztes Jahr der erfolgreichste Schwinger der Saison gewesen war, hat es heuer noch nie ganz an die Ranglistenspitze gereicht.

Michael Schenk
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Nur zu gern möchte es Bruno Gisler am Sonntag machen wie 2008

Nur zu gern möchte es Bruno Gisler am Sonntag machen wie 2008

Keystone

Dem 28-jährigen Wolfisberger Bruno Gisler ist klar: Mit Gegnern aus Zuckerwatte wird er es am Sonntag am Aargauer Kantonalschwingfest in Aristau garantiert nicht zu tun kriegen. «Ich glaube, da gibt es einige Leute, die gar nicht Freude daran hätten, wenn ich als Solothurner das Aargauer gewinne», schmunzelt der 12-fache Kranzfestsieger.

Tja, wäre für die Gastgeber tendenziell eher peinlich. Ergo wird die einheimische Armada, angeführt von den Gebrüdern Mario und Guido Thürig sowie Christoph Bieri, jeden Kurz, Gammen und Wyberhaken einsetzen, um den Siegerstier in den eigenen Reihen zu halten. Einmal, 2008, hat Bruno Gisler am Aargauer schon triumphiert – und wie. Ein Erfolg mit Pauken und Trompeten und, logo, ein besonderer Moment seiner Karriere. Der zweifache Familienvater setzte sich damals im Schlussgang gegen Damian Zurfluh durch. Zuvor hatte er Guido Thürig, Verteidigungs-Ass Andreas Henzer und Christoph Bieri mit Sägemehl den Rücken paniert. «Finalement» totalisierte Gisler anno dazumal sechs Plattwürfe und 59,25 Punkte. Es war der bis dato einzige, makellose Festsieg des 79-fachen Kranzers.»

Muni «Vulkan» wartet

Nachdem er letztes Jahr mit vier Kranzfestsiegen (Baselländer, Nordwestschweizer, Schwarzsee und Solothurner) sowie vier zweiten Rängen (Südwestschweizer, Oberaargauer, Aargauer und Baselstädter) der erfolgreichste Schwinger der Saison gewesen war, und dafür vom Regierungsrat mit dem Solothurner Sportpreis ausgezeichnet worden ist, hat es heuer noch nie ganz an die Ranglistenspitze gereicht. «Vielleicht auch, weil ich zu Beginn der Saison noch mit leichten Rückenproblemen zu kämpfen hatte.»

Zuletzt jedoch schwang sich Gisler auf dem Stoos in den guten dritten Rang empor. Davor hatte sich der Mann im grünen Hemd am Baselstädtischen auf dem 4. und am Solothurner auf dem 2. Rang klassiert. «Das Quäntchen Glück, das ich letztes Jahr hatte und das man eben hat, wenn es richtig rund läuft, hat mir bislang noch gefehlt», räumt der Sennenschwinger vom SK Solothurn und Umgebung ein. Ob es ihm am Sonntag gelingt, den Bann zu brechen, und Siegermuni «Vulkans» Herr zu werden, wird sich weisen.

Seine Höhepunkte folgen noch

Er habe seine Formplanung bewusst auf die zweite Hälfte der Saison ausgerichtet, sagt Gisler. In die Phase also, wenn mit Oberländischen in Oey-Diemtigen, der Heimat von König Kilian Wenger, dem glänzend besetzten Berner Kantonalen in Herzogenbuchsee sowie auf dem Brünig für ihn die Höhepunkte anstünden. Insofern sei er auf Kurs. «Die Chance, an einem Oberländischen oder einem Berner Kantonalen anzutreten, bekommt man nicht alle Tage. Für mich wird es wohl die letzte sein», sagt der viel beschäftigte Schaffer.

Nebst einem 80-Prozent-Pensum als Industriemechaniker in Niederbipp steht der Spitzenschwinger und Landwirt mit Meisterdiplom am Wochenende und abends oft auch noch auf dem elterlichen Hof im Einsatz. «Nicht 100 Prozent zu arbeiten, kann ich mir gar nicht vorstellen», so Gisler. Dann schon viel eher 200 Prozent

Spannender als Holzkühe

Wenn der Papa am Sonntag in Aristau Muni Vulkan gewinnt, wird sich vorab einer in der Familie, nämlich Gislers Sohn Timo, tierisch freuen. Obwohl der Papa die Kühe und Munis, die er auf den Schwingplätzen gewinnt, nicht mit nach Hause nimmt, ist der dreijährigen Dreikäsehoch immer mächtig entzückt von den Rindviechern auf dem Schwingplatz. Die sind dann irgendwie interessanter als seine Holzkühe. «Und sollte es mit dem Sieg nicht klappen, dann ist es mein Ziel, am Sonntag den 80. Kranz zu gewinnen, was ja auch ein spezieller Moment wäre», so Papa Gisler Bruno.