EHC Olten
Der entlassene EHCO-Sportchef Köbi Kölliker: «Es lief zu viel hinter dem Rücken durch»

Köbi Kölliker redet im grossen Interview nach seiner Entlassung als Sportchef des EHC Olten Klartext und stellt der Vereinsführung um VR-Präsident Benvenuto Savoldelli kein gutes Zeugnis aus.

Marcel Kuchta und Silvan Hartmann
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Der entlassene EHCO-Sportchef Köbi Kölliker übernimmt Verantwortung für die miserable Saison, will sich aber nicht als Alleinschuldigen sehen.Archiv / Kissling

Der entlassene EHCO-Sportchef Köbi Kölliker übernimmt Verantwortung für die miserable Saison, will sich aber nicht als Alleinschuldigen sehen.Archiv / Kissling

Bruno Kissling

Köbi Kölliker, wie haben Sie Ihre Entlassung aufgenommen?

Es war schwierig, diesen Entscheid zu akzeptieren und die Inszenierung des VR-Präsidenten (Benvenuto Savoldelli, Red.) anzuhören. Heute bin ich ziemlich emotionslos. Es ist für mich sehr enttäuschend, wie sich alles zusammenbraute und dass die Mehrheit des Verwaltungsrats so entschieden hat. Aber jetzt ist es halt so. Ich kann nichts mehr daran ändern, es ist vorbei.

Haben Sie diesen Schritt nach dem frühzeitigen Saisonende nicht erahnen können?

Nein, damit konnte ich nicht rechnen. Wir wussten, dass wir mit dem Ausscheiden eine schwierige Phase vor uns haben werden, auch was das Finanzielle betrifft. Aber dass man derart schnelle Entschlüsse, ohne sportliche Analyse, fasst und nicht mit etwas Abstand und gezielter entscheidet, hat mich schon erstaunt und getroffen. Ich hätte schon gedacht, dass man mir vier Monate, nachdem man an einer GV ein strategisches sportliches Ziel über drei Jahre bekannt gibt, die Chance gibt, Korrekturen vorzunehmen. Wir waren und sind nicht am Ende unserer Reise.

Sie fühlen sich also ungerecht behandelt.

Das kann man so sagen, ja.

Was können Sie sich selber vorwerfen?

Es hat sicher den einen oder anderen Punkt gegeben, bei dem ich mich hinterfragen kann. Die mangelhafte interne Kommunikation wurde mir vorgeworfen. Obschon ich sagen muss, dass ich meinen Job immer gemacht habe – mit der Geschäftsleitung, mit der Verbindung zum Verwaltungsrat. Wir hatten auch Kommunikations-Fachleute, mit denen ich vorbildlich zusammengearbeitet habe. Da kann ich mir nichts vorwerfen lassen. Die Verständigung zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung war aber trotz allem oft etwas gestört. Auch die letzten Trainerentlassungen (Leime und Mansi, die Red.) wurden vom Verwaltungsrat in Eigenregie und ohne eine Nachfrage bei mir als Sportverantwortlichem getroffen. Auch in meinem Fall wurde mit mir keine Saisonanalyse gemacht, obwohl dies nach einer solch enttäuschenden Spielzeit, sportlich wie finanziell, unbedingt nötig gewesen wäre.

Das heisst?

Es lief eben zu viel hinter dem Rücken durch, weshalb es viel Unruhe und Missstimmung im Team gab. Was von aussen kam, was man las und hörte, zählte mehr als das Interne.

Haben Sie nicht versucht, etwas dagegen zu unternehmen?

Wir hatten das schon andiskutiert, aber wenn man Leute hat, die sich extern Informationen holen, obwohl sie intern die richtige Antwort erhalten würden, dann wird es immer schwierig. Ich finde es schade, dass man alle Probleme, die entstanden sind, die durchs Band weg hausgemacht sind, von denen man wusste, nicht aus dem Weg räumen, nicht lösen und nach vorne blicken konnte.

Wir haben gehört, dass es schon vor Saisonstart Lohnkürzungen gegeben hat. Stimmt das?

(zögert) Ja, das kann ich bestätigen. Dieser Entscheid vom Verwaltungsrat kam zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Eine Woche vor Meisterschaftsbeginn wurde dies dem Team mitgeteilt. Man wollte den Verlust der letzten Saison (80 000 Franken, die Red.) zulasten der Spieler begleichen, obwohl diese sämtliche Saisonziele erreicht hatten. Ich riet dem Verwaltungsrat dringend davon ab, die sogenannte Wirtschaftlichkeitsklausel, welche die Spieler im Vertrag hatten, zu ziehen. Schliesslich zog sich das Problem über die ganze Saison hinweg. In der Garderobe, in der Dusche, auf dem Massagetisch, beim Mittagessen; es war ein ständiges Thema in der Mannschaft. Leider ist es bis heute nicht gelöst. Betreffend flüssiger Mittel wäre die Umsetzung der an der GV im November 2015 beschlossenen Aktienkapitalerhöhung dringend nötig gewesen; diese ist heute auch noch nicht umgesetzt! Wir hätten da viele Baustellen eliminieren können.

Und dann kam noch das Theater um die Vertragsverlängerung von Marco Truttmann.

Die Vertragsverlängerung mit Truttmann wurde hauptsächlich in den Medien breitgeschlagen, was intern kurzfristig für Unruhe sorgte. Das Ganze war ein Geschäftsleitungs-Entscheid und kein Sololauf von mir! Doch das Tagesgeschäft hatte dann Priorität. Es musste weitergehen.

Gibt es aufgrund des Falls Truttmann Abgänge?

Nein. Wir hatten den Spielern von Anfang an offen und ehrlich kommuniziert, dass nach der Vertragsverlängerung mit Truttmann die Geschäftsleitung im Januar und Februar keine Verträge verlängert haben möchte. Wir liessen also die Zukunft der vertragslosen Spieler offen und wollten erst nach den Playoffs über Vertragsverlängerungen sprechen.

Das kam nicht überall gut an.

Es ist das gute Recht jedes Spielers, sich umzuschauen, wenn er nicht weiss, wie es in Olten weitergeht. Es ist verständlich, wenn jemand seine Zukunft geregelt haben möchte. Deshalb haben dann Philipp Wüst und Reto Kobach reagiert und bei anderen Vereinen unterschrieben. Das ist schade, aber wir nahmen mit diesem Entscheid in Kauf, dass es zu Abgängen kommen kann.

Sie sind sehr oft gescheitert mit Ihren Anliegen. Wie oft waren Sie am Punkt und sagten sich: Es reicht?

Ich bin schon nicht jeden Tag zufrieden aus dem Büro gegangen, aber zu Hause konnte ich wieder Kraft tanken. Grundsätzlich sind meine Anliegen zur Kenntnis genommen worden, nur auf oberster Stufe biss man oft auf Granit. Es ist halt so: Wenn nicht alle am gleichen Ziel arbeiten, dieses als Einheit verfolgt und man merkt, dass nicht alle wollen, wird es schwierig. Ja, es ist für mich unverständlich und fahrlässig einer ganzen Organisation und Region gegenüber.

Mit der obersten Stufe meinen Sie den VR-Präsidenten Benvenuto Savoldelli?

Ja.

Was empfehlen Sie Ihrem Nachfolger?

Ich wünsche ihm viel Glück und dass er es besser macht als ich (schmunzelt).

Was muss er mitbringen?

Ich weiss nicht, wie sich der Klub nun positioniert. Es gibt viele offene Fragen: Gibt es ein neues Gremium? Gibt es einen neuen Sportchef? Ich habe nichts gehört und weiss nicht, wie die Pläne aussehen. Ich hoffe, dass man an der Vorwärtsstrategie festhält.

Hat Olten das Potenzial, eine NLA-Destination zu werden?

Ja, zweifellos, das Potenzial ist vorhanden. Aber es muss der Hinterste und Letzte in der Region hinter diesem Klub stehen, sonst erreicht man solche Ziele nicht.