Zuchwil Regio
Der Eishockeyverein Zuchwil Regio weiss im Moment nicht, wo sie landen werden

Der Solothurner Eishockeyklub steht vor einer schwierigen Saison. Veränderte Ligastrukturen stellen die Identität des Vereins infrage.

Marcel Kuchta
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Für Zuchwil Regio ist nicht klar wo sie in der kommenden Saison landen werden.

Für Zuchwil Regio ist nicht klar wo sie in der kommenden Saison landen werden.

Michael Schenk

«Söu ig lache oder gränne», sagt Walter Ulrich. Er ist gewissermassen Zuchwil Regios Präsident auf Lebzeiten. Seit rund 18 Jahren amtet Ulrich in dieser Funktion beim Solothurner Eishockeyklub. – «Oder gar etwas länger», unterbricht seine Ehefrau aus dem Hintergrund. In all diesen Jahren definierte sich «sein Zuchwil Regio» unter den Amateurvereinen als Vorzeigeklub.

Als grössten Erfolg verbuchte der Verein in den Jahren 2007 und 2008 auf dieser Stufe den Schweizer-MeisterTitel. Doch zehn Jahre später weiss Ulrich selbst nicht mehr, wie ihm und seinem Klub geschieht. Zuchwil-Regio sieht sich seiner Perspektiven beraubt.
Für Zuchwil begann die Leidensgeschichte mit der Schaffung der Mysports-League. Die neue dritthöchste Liga sucht das nationale Scheinwerferlicht. Von ihr erhofft sich der Verband einen Brückenschlag zwischen den Juniorenstufen und den Nationalligen. «Professionalisierung» heisst das Zauberwort, das an höhere Kosten geknüpft ist.

Ärgernis Red Lions Reinach

Zuchwil-Regio war nicht bereit, diesen Schritt mitzugehen. Obwohl es die sportlichen Bedingungen erfüllt hätte. «Die Abspaltung bringt niemanden weiter», ist Ulrich weiterhin überzeugt. «Wir wollen das Beste daraus machen und den Frust auf der Seite lassen.» Noch leuchten seine Augen für «seine Herzensangelegenheit». Doch die bevorstehende Saison wird für den langjährigen 1.-Liga-Spitzenklub zu einer mentalen Herausforderung.

Mit Thun, Wiki-Münsingen, Brandis und Basel wanderten vier Mannschaften in die Mysports-League ab. Für Zuchwil bedeutet dies nicht bloss den Verlust von drei Derbys. Die Konsequenzen sind noch weitreichender: Keine einzige 2.-Liga-Mannschaft der Zentralschweiz traute sich den Gang in die obere Liga zu. Als Konsequenz verkommt die Meisterschaft zum Kräftemessen innerhalb einer Rumpf-Liga mit sieben Teams. Einzig die neu gegründeten Red Lions Reinach sind ergänzend hinzugekommen. Doch seit der Aargauer Verein Anfang Sommer vom Verband grünes Licht erhielt, stellt er sich als grosses Ärgernis für alle Beteiligten heraus.

Die «Red Lions Reinach» ärgern die anderen Clubs der Liga.

Die «Red Lions Reinach» ärgern die anderen Clubs der Liga.

Archiv/TOPpictures/Andre Grossenbacher

Bevor die Reinacher einen Ernstkampf bestritten haben, machten sie sich zum Gespött der Eishockey-Schweiz. Zwei Wochen vor Saisonstart begab sich der Klub mit einem öffentlichen Aufruf auf Spielersuche. Bis kurz vor Transferschluss am vergangenen Freitag war unklar, ob ein auch nur annähernd konkurrenzfähiger Kader zur Verfügung steht. Einzelne Spieler überlegten gemäss Informationen der AZ, den Verein frühzeitig zu verlassen. Erst am Montag bestätigte der Eishockeyverband, dass Reinach den Saisonbetrieb gewährleisten kann. «Mit dem Fall Reinach kann ich nicht leben», sagt Zuchwil-Boss Ulrich, und schiebt nach: «Bei dieser Sache hat sich der Verband ganz schwach verkauft.»

Ein anderes Wunschszenario

Ulrich hätte sich als Szenario gewünscht, dass St-Imier und Franches-Montagnes von der West- in die Zentralgruppe umgeteilt würden. Beide Gruppen hätten in diesem Fall die Meisterschaft in einer Achtergruppe austragen können. Gekommen ist es anders.
Ulrich bleibt Optimist. Und als solcher hofft er bereits auf eine verbesserte Situation in der nächsten Saison, noch bevor überhaupt die aktuelle begonnen hat. «Ich hoffe, wir finden eine Basis, denn im Moment wissen wir nicht, wo wir landen», sagt Ulrich. Trotz schwieriger Umstände sind die Ambitionen Zuchwils nicht geschmälert. Acht Abgängen stehen ebenso viele Zuzüge gegenüber. Der Amateurklub will wiederum vorne mitspielen.