EHC Olten
Der EHC Olten siegt auch im Spitzenspiel in Rapperswil – ein eindrücklicher Beweis für die Fortschritte

Blicken wir zurück: Als der EHC Olten am 3. November zu Hause bei der 1:4-Niederlage gegen Langenthal nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen worden war, da musste man sich ernsthafte Sorgen machen um diese Mannschaft.

Marcel Kuchta
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Der Vorzeige-Kämpfer im Zweikampf: Oltens Stefan Mäder (l.) gegen den Rapperswiler Fabian Maier.

Der Vorzeige-Kämpfer im Zweikampf: Oltens Stefan Mäder (l.) gegen den Rapperswiler Fabian Maier.

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Und es war zu jenem Zeitpunkt klar, dass in den folgenden Wochen etwas passieren muss, wenn man auch nur ansatzweise daran denken wollte, im Frühling bei der Vergabe des Swiss-League-Meistertitels ein ernsthaftes Wörtchen mitreden zu wollen.

Jetzt, fünf Wochen später, ist die Erkenntnis da, dass der EHC Olten aus der sehr bitteren Lektion von damals die richtigen Schlüsse gezogen hat. Von den folgenden elf Spielen gewannen die Oltner deren zehn. Die einzige Niederlage entsprang einem kolossalen Einbruch, als man gegen Visp nach einer 5:2-Führung noch 5:6 verlor. Sie verdienten sich dabei selten einen Schönheitspreis, besannen sich jedoch auf eine solide Defensivarbeit, welche immer noch die Basis aller Erfolge ist.

Arg reduziertes Kader

Die Krönung dieser positiven Entwicklung war nun der Auftritt am Samstag im Spitzenspiel bei Leader Rapperswil. Jeder hätte Verständnis gehabt, wenn der EHCO angesichts der Ausgangslage mit arg reduziertem Kader (es fehlten wieder elf Spieler, Rapperswil komplett und mit sechs überzähligen Spielern auf dem Matchblatt!), dicht gedrängtem Programm (Spiele am Mittwoch und am Freitag, Rapperswil seit Dienstag ohne Einsatz) und der somit logischen Müdigkeit die Waffen gestreckt und eine klare Niederlage kassiert hätte.

Doch dann wurde das Spiel am Ufer des Zürichsees zu einem Charaktertest der besonderen Sorte. Die Oltner zeigten eine erstaunlich abgeklärte Leistung und wirkten zwei Drittel lang sogar spritziger und wacher als die Rapperswiler, die sichtlich Mühe hatten, ihren Rhythmus zu finden. Erst, als im dritten Abschnitt die Kräfte der Oltner wirklich zu schwinden begannen, gelang es dem Leader, Zugriff auf die Partie zu finden. Doch selbst auf den Führungstreffer der Lakers hatte der EHCO noch einmal eine Antwort parat. Nur 45 Sekunden nach Hüslers 2:1, traf der bärenstarke Stefan Mäder mit seinem zweiten Ablenker (bereits beim 1:0 der Oltner hatte er Martin Ulmers Schuss entscheidend beeinflusst) zum neuerlichen Ausgleich.

Mischler, der ruhende Pol

Imponierend war auch, wie sich der EHCO in der Verlängerung mit aller Kraft gegen die Niederlage stemmte, sogar in Unterzahl. In dieser Phase war einmal mehr Goalie Matthias Mischler der ruhende Pol im Sturm. Mischler liess sich auch im entscheidenden Penaltyschiessen nicht mehr bezwingen, während auf der anderen Seite gleich die ersten drei Oltner Schützen (Stapleton, Muller und Mäder) ihre Versuche erfolgreich verwerteten. Auch das ein Ausdruck des intakten Selbstvertrauens.

Nach dem erfolgreichen Gastspiel beim Leader war in den Reihen des EHC Olten vor allem etwas zu spüren: Erleichterung darüber, dass das nächste Meisterschaftsspiel erst am 19. Dezember (in La Chaux-de-Fonds) stattfindet und man nun eine zehntägige Spielpause in Aussicht hat. «Dieser Break könnte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen. Hoffentlich erhalten wir in der Zwischenzeit einen oder zwei Spieler zurück», sagte Headcoach Bengt-Ake Gustafsson, der selbstredend viel Freude an der Vorstellung seiner Mannschaft hatte.

Gewann mit Olten den Spitzenkampf der Swiss League in Rapperswil: Trainer Bengt-Ake Gustafsson

Gewann mit Olten den Spitzenkampf der Swiss League in Rapperswil: Trainer Bengt-Ake Gustafsson

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Keiner verkörpert die aktuelle Spiel- und Arbeitsweise des EHCO derzeit besser als Doppeltor- und Penaltyschütze Stefan Mäder. Etwas salopp ausgedrückt: Es ist selten eine Augenweide, ihm beim Eishockeyspielen zuzusehen. Aber er erledigt seinen Job mit einer bewundernswerten Effizienz und ist ein Vorzeige-Krampfer.

Mäder war zusammen mit seinen Mittelstürmer-Kollegen Tim Stapleton und Cédric Schneuwly in den letzten beiden Partien gegen Zug Academy und Rapperswil besonders gefordert, da der Personalmangel zu deutlich mehr Eiszeit führte. Im Vergleich zu den normalen 15 bis 16 Minuten Eiszeit pro Spiel stand Mäder deutlich über 20 Minuten auf dem Rink. «Wenn man auf dem Eis steht, dann merkt man es nicht. Aber es ist schwieriger, auf der Bank wieder den Schnauf zu bekommen, weil die Pausen zwischen den Einsätzen deutlich kürzer sind», erklärte der kräftige Center, der die drei Tage Pause, die Gustafsson seinen Spielern verschrieben hat, vornehmlich mit Kopfarbeit füllen wird.

Mäder besucht eine Handelsschule und muss in den kommenden Tagen drei Prüfungen ablegen. Für ihn keine Belastung, sondern eher Entlastung: «Ich kann auf diese Weise wunderbar den Kopf lüften. Das tut mir gut.» Seine Leistungen auf dem Eis lassen diesbezüglich keine Zweifel offen.

Abgerechnet wird in den Playoffs

Man soll das Eishockey-Jahr bekanntlich nicht schon im Dezember loben. Abgerechnet wird schliesslich in den Playoffs. Aber der EHC Olten hat in den vergangenen Wochen – und vor allem am Samstag in Rapperswil gezeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Das eröffnet im Hinblick auf den weiteren Saisonverlauf schöne Perspektiven. Und plötzlich ist der 3. November 2017 wieder weit weg.