Saisonanalyse
Der EHC Olten setzt trotz grosser Enttäuschung auf Kontinuität

Die sportliche und operative Führung des EHC Olten zog an ihrer Saison-Medienkonferenz Bilanz. Trotz des mehr als enttäuschenden Abschneidens in den Playoffs will man den eingeschlagenen Weg weiter beschreiten. Mit Headcoach Fredrik Söderström und Sportchef Marc Grieder.

Marcel Kuchta
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Der EHC Olten zieht Bilanz nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Out: CEO Patrick Reber, Präsident Marc Thommen, Trainer Fredrik Söderström, Sportchef Marc Grieder und Medienchef Stephan Felder

Der EHC Olten zieht Bilanz nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Out: CEO Patrick Reber, Präsident Marc Thommen, Trainer Fredrik Söderström, Sportchef Marc Grieder und Medienchef Stephan Felder

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Wenn man als Eishockey-Klub bereits am 4. März zur Saisonbilanz-Medienkonferenz einladen muss, dann hat das in der Regel nichts Gutes zu bedeuten. Im Fall vom EHCO hiess das bekanntlich: Out im Viertelfinal gegen den SC Langenthal. «Wenn man ein ganzes Jahr auf das Ziel Playoff hinarbeitet und dann bei der erstmöglichen Gelegenheit gleich scheitert, dann ist das frustrierend. Und man darf auch sagen, dass schon eine gewisse Ratlosigkeit herrscht, wie die Niederlagen gegen Langenthal zustande gekommen sind», umschrieb Oltens VR-Präsident Marc Thommen seine Gefühlslage bei seiner persönlichen Saisonbilanz.

Hat man den Blick für die Realität verloren?

Bei der sportlichen und geschäftlichen Führungscrew suchte nach dem enttäuschenden Abschneiden niemand nach Ausreden. Das gesetzte Ziel, die Finalqualifikation, wurde meilenweit verpasst. Wobei man sich nach dem kläglichen Scheitern natürlich auch der öffentlichen Kritik ausgesetzt sah. Die grosse Frage lautete dabei: Hat man den Blick für die Realität verloren? Setzte man die Mannschaft mit den hoch gesteckten Ambitionen unnötig unter Druck? EHCO-Geschäftsführer Patrick Reber winkt bei solchen Fragen ab: «Die Mannschaft hatte zweifellos das Potenzial, dieses Ziel zu erreichen. Wir setzen solche hohen Ziele nicht, weil wir Träumer sind. Wir haben hier in Olten alle Voraussetzungen, dass Spitzen-Eishockey geboten werden kann. Sei es punkto Spielermaterial, sei es punkto Umfeld. Das ist die Realität.»

Die Realität ist aber auch, dass das vorzeitige Ausscheiden ein Loch in die Kasse reissen wird – auch wenn «nur» mit der Halbfinal-Teilnahme kalkuliert worden ist. Thommen: «Wir werden sicher kein erfreuliches, finanzielles Ergebnis haben. Das wird uns noch einmal wehtun.» Und es wird den schwierigen Prozess, die Sanierung der Aktiengesellschaft mit einer ambitionierten, sportlichen Zielsetzung unter einen Hut zu bringen, noch einmal verkomplizieren. «Aufgrund der verschärften Situation sind wir alle gefordert und entsprechende Massnahmen werden an der Generalversammlung im August den Aktionären vorgestellt», sagt Marc Thommen.

«Wir wollen der führende Eishockey-Klub im Mittelland sein»

Sowohl Thommen als auch Reber sind aber überzeugt, dass der EHC Olten auch unter erschwerten Bedingungen immer noch in der Lage ist, eine kompetitive Mannschaft zu stellen. «An den strategischen Zielen ändert sich nichts: Wir wollen der führende Eishockey-Klub im Mittelland sein. Da gehört der sportliche Ehrgeiz dazu», unterstreicht Reber. Und Thommen fügt an: «Mittelfristig ist und bleibt es unser Ziel, den Kübel nach Olten zu holen. Wir sind dabei, etwas aufzubauen. Aber das braucht Geduld.»

Die grosse Frage, die sich dabei nicht nur die Sportverantwortlichen stellen, lautet: Wie geduldig ist das Umfeld? «Glaubt der Oltner Fan nach all den Enttäuschungen der letzten Jahre an unseren Weg? Können wir das Vertrauen zurückholen? Wie können wir vermeiden, dass man uns nicht nur für Schönredner hält? Logisch, hätte uns der sportliche Erfolg in dieser Saison auf diesem Weg extrem geholfen», sagt Reber.

Wie sehr man bei den EHCO-Verantwortlichen aller Enttäuschung zum Trotz an den eingeschlagenen Weg glaubt und auf Kontinuität setzt, zeigt auch die Tatsache, dass an der Qualität der Arbeit der sportlichen Führung mit Sportchef Marc Grieder und Headcoach Fredrik Söderström nicht gezweifelt wird. Beiden wurde vom Verwaltungsrat vollumfänglich das Vertrauen ausgesprochen. Marc Thommen gibt sich kämpferisch, wenn er sagt: «Jetzt haben wir richtig eins auf den Deckel bekommen. Das tut uns sehr weh. Aber jetzt gibt es nichts anderes, als wieder aufzustehen und den Weg weiterzugehen.»

Die Worte von Präsident Marc Thommen im Wortlaut

«Noch immer herrscht eine grosse Enttäuschung im Team, im Staff, ja im ganzen Umfeld des EHC Olten über das vorzeitige Ausscheiden in den Playoffs. Das unerwartet frühe Ausscheiden hat auch Konsequenzen auf die operativen und wirtschaftlichen Ziele, welche somit nicht erreicht werden können. Wie bekannt, befindet sich die EHC Olten AG nach wie vor in einer Sanierungsphase. Auch aus diesem Grund ist das vorzeitige Saisonende ein harter Schlag, welcher sicherlich zu einem unerfreulichen Jahresergebnis führen wird.

Der Verwaltungsrat ist sich der Lage bewusst und hat auch in seiner letzten Sitzung anfangs Februar die Situation analysiert und besprochen. Aufgrund der verschärften Situation sind wir alle gefordert und entsprechende Massnahmen werden an der Generalversammlung am 20. August 2020 unseren Aktionärinnen und Aktionären vorgestellt.

Die EHC Olten AG hat auch nach dem frühen Ende eine klare und unmissverständliche Vision, der führende Eishockey-Club im Mittelland mit Stabilität, Nachhaltigkeit und Kontinuität zu sein – daran arbeiten wir Tag für Tag. Die Festigung der Strukturen und die Stabilisierung der Finanzen haben aktuell die höchste Priorität aus operativer Sicht.

Wir waren uns die letzten beiden Jahre bewusst, dass ein Spagat zwischen Sanierung der Aktiengesellschaft einerseits und einem kompetitiven Swiss-League-Team anderseits schwierig wird. Wie wir es nun erleben, haben es andere Sportclubs auch schon erlebt und werden es noch erleben.

Es ist schade, dass solche Enttäuschungen von gewissen Personen ausgenutzt werden, um ihren teils persönlichen Frust am EHC Olten und deren Exponenten auszulassen. Wichtig wäre es jetzt, dass man in dieser Situation, wo wir alle enttäuscht sind, zusammenrückt und miteinander und nicht gegeneinander agiert.

Selbstverständlich ist eine Aufarbeitung nach 3-4 Tagen nicht abgeschlossen. Wie bereits gesagt, an dieser Stelle darf man oder muss man sogar enttäuscht sein.

Wenn man ein ganzes Jahr auf das Ziel Playoffs hinarbeitet und dann bei der erstmöglichen Gelegenheit gleich scheitert, dann ist das frustrierend. Und man darf auch sagen, dass schon eine gewisse Ratlosigkeit herrscht, wie die Niederlagen gegen Langenthal zustande gekommen sind.

Das Team hat eine gute Saison gespielt, alle waren gesund, motiviert, das Selbstvertrauen war da. Irgendwie war alles angerichtet für eine grosse Party. Wir wollten unbedingt gewinnen und brachten die PS nicht auf den Boden! Das ist uns nicht gelungen.

Vielleicht fehlte die nötige List, die Cleverness, das Sieger-Gen. Das müssen wir noch finden. Und daran werden wir arbeiten. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung werden diesbezüglich noch einiges an Arbeit vor sich haben. Und auch die Spieler wurden und werden in diesen Prozess miteinbezogen. Wichtig ist neben Strategie, Mannschaft und Fans eine entsprechende Identität und ein gemeinsames Image, um zum Erfolg und zum Vertrauen zurückzufinden.

Und es war definitiv nicht alles schlecht: Wir sind überzeugt, mit Fredrik Söderström den richtigen Trainer für die Zukunft zu haben, er wird mit uns den eingeschlagenen Weg weitergehen. Bei unserem ersten Meeting in Oslo haben wir gemeinsam festgehalten, dass wir zusammen etwas aufbauen wollen und dazu gehört auch, dass man Rückschläge akzeptieren und daraus was lernen muss.

Dasselbe gilt für unseren Sportchef Marc Grieder, der Umbau der Mannschaft wird unter seiner Führung weiter vorangetrieben. Erste Schritte sind, wie Sie diese Woche lesen konnten, bereits eingeleitet, weitere werden folgen.

Wir werden listiger, cleverer sein und wir geben alles, um bei der nächsten Gelegenheit dann effektiv bereit zu sein.

Trotz allem freue mich auf die Zukunft, auch wenn es in den nächsten Tagen und Wochen noch schmerzlich wird. Wir werden alles geben, dass wir stark in die neue Saison starten.»