Die Langnauer sind erstmals seit 1998 B-Meister und spielen ab Donnerstag gegen die Rapperswil-Jona Lakers um den Aufstieg. Monatelang hatten wir nicht so recht gewusst, wie wir diese Langnauer einschätzen sollten.

Sie dominierten die NLB nach Belieben, standen schon im Oktober praktisch als Qualifikationssieger fest und wurden fortan erst im NLB-Final von einem starken Olten erstmals in dieser Saison so richtig gefordert. Aber nun wissen wir, was diese Langnauer sind. Chimären.

Die Chimären des Eishockeys

Chimären? Dieses Wesen ist nicht etwa mit einer Mähre zu verwechseln. Der im Emmental und Entlebuch hinten gebräuchlichen Bezeichnung für eine Stute. Eine Chimäre ist ein Fabelwesen aus der griechischen Mythologie. Ein Link zu dieser Mythologie passt ja gut zum anstehenden grossen Drama um Triumph oder Untergang gegen die Lakers.

Die Chimäre ist ein feuerspeiendes Ungeheuer mit dem furchterregenden Kopf eines Löwen und dem zerbrechlichen Leib einer Ziege. Besser könnten wir die Langnauer gar nicht charakterisiert werden. Vorne ist diese Mannschaft ein feuerspeiendes offensives Ungeheuer.

Rollende Angriffe mit vier Linien haben inzwischen jeden Gegner zermürbt. Selbst mit grösster taktischer Klugheit, Disziplin und hartem Einsteigen war es den tapferen Oltnern nicht möglich, diese Langnauer aufzuhalten und ihren feuerköpfigen Leitwolf Chris DiDomenico zu neutralisieren und zu provozieren.

Er fädelte das 1:0 ein und zog fortan immer wieder so viele Gegner auf sich, dass der von hinten aufrückende französische Verteidigungsminister und Spielgestalter Kevin Hecquefeuille gleich dreimal ins Netz traf. Seine erste Strafe kassierte der Kanadier erst, als beim Stande von 5:2 alles entschieden war.

Wahrlich, diese feuerspeiende Offensive müssen auch die Lakers in der Liga-Qualifikation fürchten.

Verwundbare Tigers-Defensive

Aber eben: Es gibt auch Schwächen. Michel Zeiter, Vize-Bandengeneral bei den Lakers, wohnte gestern dem grossen, finalen Schauspiel als Beobachter bei. Eine seiner Schlussfolgerungen: «Hinten sind die Langnauer verwundbar.» Man werde deshalb am Donnerstag mit zwei ausländischen Stürmern antreten. «Es wäre wohl ein Fehlentscheid, als A-Klub zu Hause gegen Langnau hinten hineinzustehen.»

Wo Zeiter recht hat, da hat er recht. Die grosse Schwäche der Langnauer ist die Defensive. Das feuerspeiende offensive Löwenhaupt hat nur den defensiven Leib einer mageren Ziege. Flink und fleissig, aber insgesamt eher schwach auf den Beinen und beim Verteidigen des Tores existenziell auf die Mithilfe der Stürmer angewiesen. Und dann ist ja auch noch die kurze Zündschnur von Chris DiDomenico. Frage deshalb an Michel Zeiter: Wer wird den Kanadier provozieren. Seine Antwort, kurz und bündig. «Alle.»

SCL Tigers - Olten 5:2 (1:1, 2:1, 2:0)

6050 Zuschauer. – SR Fischer/Kurmann; Kaderli/Wüst. – Tore: 3. Hecquefeuille (DiDomenico) 1:0. 20. (19:21) Hirt (El Assaoui) 1:1. 22. Lukas Haas (Hecquefeuille) 2:1. 24. Hecquefeuille (Claudio Moggi, Lukas Haas) 3:1. 38. Ganz (Schneuwly/Ausschluss Hecquefeuille) 3:2. 45. Hecquefeuille (Ausschluss Ganz) 4:2. 53. Gustafsson (Hecquefeuille, Lukas Haas/Ausschluss Parati) 5:2. – Strafen: 3mal 2 Minuten gegen SCL Tigers, 6mal 2 plus 10 Minuten (Schwarzenbach) gegen Olten. – PostFinance-Topskorer: DiDomenico; Marco Truttmann.

SCL Tigers: Ciaccio; Stettler, Deny Bärtschi; Kim Lindemann, Hecquefeuille; Yves Müller, Ronchetti; Julien Bonnet; Gustafsson, DiDomenico, Tobias Bucher; Lukas Haas, Claudio Moggi, Sven Lindemann; Tom Gerber, Adrian Gerber, Sandro Moggi; Rexha, Albrecht, Wyss; Sterchi.

Olten: Tobler; Meister, Cyrill Aeschlimann; El Assaoui, Bagnoud; Parati, Ganz; Simon Schnyder, Raffael Lüthi; Martin Ulmer, Feser, Wiebe; Hirt, Schneuwly, Schwarzenbach; Wüst, Codey Burki, Marco Truttmann; Cyrille Scherwey, Studer, Tim Weber.

Bemerkungen: SCL Tigers ohne Nüssli (verletzt), André Lakos und Tremblay (beide überzählige Ausländer), Olten ohne Schild, Ruhne, Wüthrich und Pargätzi (alle verletzt).

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker:

Scribblelive: Eishockey, Playoff-Final NLB, Olten - Tigers, Spiel 7